Washington bemüht sich, den Markt für Staatsanleihen zu beruhigen, doch der Renditedruck hält an. Ausgerechnet der Goldpreis zieht mit an. Die US-Inflationszahlen werden nun zum entscheidenden Prüfstein.
Sechs Milliarden US-Dollar – und dennoch blieb die erhoffte Entlastung am Anleihemarkt aus. Bis zu diesem Volumen plante das US-Finanzministerium am 10. September US-Staatsanleihen zurückzukaufen. Unmittelbar nach der Ankündigung kletterte die Rendite zehnjähriger US-Papiere am Freitagmorgen zeitweise auf 4,978 Prozent – den höchsten Wert seit Oktober 2023.
Der Haken: Rückkäufe verbessern zwar die Handelbarkeit älterer Anleihen, lösen jedoch den Finanzierungsbedarf nicht. Goldman Sachs hält das Vorgehen daher für unzureichend, um den Renditeauftrieb zu stoppen.
Gold setzt ein unerwartetes Zeichen
Goldman Sachs geht davon aus, dass die Renditen lang laufender Anleihen gegenüber kurzfristigen Papieren weltweit hoch bleiben. Entsprechend dürften die Zinskurven weiter steil verlaufen. Zudem rechnen die Analysten Cole und Marshall mit einer anhaltend erhöhten Laufzeitprämie – also einem größeren Renditeaufschlag als Kompensation für die Risiken langfristiger Anleihen, wie sie in einer jüngst veröffentlichten Studie erläutern.
Gold sendet derweil ein ungewöhnliches Signal: Am Freitagmorgen legte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise um mehr als 0,3 Prozent auf 4332,39 US-Dollar zu. Eigentlich reagiert Gold als nicht verzinsliches Asset besonders empfindlich auf steigende Anleiherenditen.
US-Verbraucherpreise als Härtetest
Der heutige Freitag, 11. September, wird damit zum Prüfstein. Um 14:30 Uhr MESZ werden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht. Eine überraschend hohe Teuerung könnte neue Zinssorgen schüren und den Goldpreis belasten. Fallen die Daten moderater aus, dürfte das Rückenwind geben. Setzt sich die Erholung fort – oder folgt der nächste Dämpfer?
Obwohl die Anleiherenditen gestiegen sind, hat der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten um mehr als 2,4 Prozent zugelegt. Wachsende Sorgen über die US-Staatsverschuldung, staatliche Eingriffe in den Markt und umfangreiche Zentralbankkäufe haben die üblichen Mechanismen zumindest teilweise außer Kraft gesetzt.