Die US-Notenbank erhöht den Leitzins zum ersten Mal seit über drei Jahren. Das kann Auswirkungen auf Aktien, Anleihen und den US-Dollar haben – und damit auch auf ganz normale ETF-Sparpläne deutscher Anleger.
Mit der nun eingeleiteten geldpolitischen Straffung dürfte Warsh zwei Lager von Kritikern vorerst beruhigt haben. Manche Experten bemängelten seit seinem Amtsantritt im Mai fehlende Taten zur von ihm betonten Preisstabilität. Zugleich wuchs an den Finanzmärkten die Sorge, eine sechste Zinspause am Stück seit Dezember 2025 könnte die Glaubwürdigkeit der Fed stark unterminieren.
Für deutsche Anleger ist das weit mehr als eine Nachricht aus Washington: Steigende US-Zinsen verändern die Bewertung von Aktien und Anleihen, können den Dollar in Bewegung setzen und so auch einen gewöhnlichen ETF-Sparplan beeinflussen.
Das sollten Anleger zum Fed-Entscheid wissen:
- US-Aktien stehen unter Bewertungsdruck: Höhere Zinsen mindern den heutigen Barwert künftiger Unternehmensgewinne. Besonders empfindlich reagieren oft Wachstums- und Technologiewerte.
- Ein stärkerer Dollar kann Kursverluste abfedern: Legt die US-Währung gegenüber dem Euro zu, steigen US-Aktien für deutsche Anleger allein durch den Wechselkurseffekt im Wert.
- Auch MSCI-World-Sparer sind betroffen: US-Unternehmen haben in globalen Indizes ein hohes Gewicht – der Fed-Schritt schlägt daher auch in breit gestreuten Portfolios durch.
- Anleihe-ETFs können zunächst verlieren: Steigende Marktzinsen drücken die Kurse bestehender Anleihen – besonders anfällig sind Fonds mit hoher Restlaufzeit.
Zwar sagte Warsh, die jüngsten Konjunkturdaten zeigten eine leichte Abkühlung. Eine grundlegende Trendwende erkenne er darin jedoch nicht. „Daher sollte sich die Fed derzeit vorrangig auf die Preise konzentrieren“, sagte er. Die Teuerungsrate bezeichnete er als „zu hoch“.
„Höhere Zinsen senken den Ölpreis nicht“
Nach Einschätzung von Lena Dräger dürfte die aktuelle Anhebung vorerst ein Einzelereignis bleiben. „Höhere Zinsen senken den Ölpreis nicht“, kommentierte die Expertin des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Stattdessen müsse die Fed gestiegenen Inflationserwartungen entgegenwirken.
US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM hält dagegen: „Historisch gesehen neigt die Fed nicht dazu, ihre Geldpolitik mit einer einzigen Anhebung oder Senkung anzupassen.“ Üblicherweise folgten weitere Schritte. Maxime Darmet-Cucchiarini, leitender Volkswirt bei Allianz Trade, rechnet mit einer zweiten Anhebung im Dezember.
Höhere Zinsen setzen Aktien stärker unter Druck
Für Aktienanleger verschärft sich mit dem Zinsschritt der Wettbewerb um Kapital. Steigende Renditen sicherer Anleihen machen hoch bewertete Aktien relativ weniger attraktiv. Zudem verteuert die Fed die Finanzierung: Kredite werden teurer, Investitionen kosten mehr.
Hinzu kommt ein mathematischer Effekt: Zukünftige Gewinne werden mit einem höheren Diskontsatz abgezinst und sind heute weniger wert. Besonders betroffen sind Firmen, deren Bewertungen stark auf weit in der Zukunft liegenden Erträgen beruhen – Technologie- und Wachstumswerte schwanken daher oft stärker.
Ein zwingender Kursrutsch ist damit jedoch nicht vorgegeben. Goldman Sachs verweist auf solide Unternehmensgewinne und hält weitere Anstiege am US-Aktienmarkt grundsätzlich für möglich.
Auch frühere Zinsanhebungsphasen zeigen: Entscheidend sind weniger einzelne Schritte als Tempo und Ausmaß der nächsten. Einen moderaten Anstieg können Unternehmen und Märkte meist besser verkraften als eine schnelle Serie kräftiger Erhöhungen.
Der Dollar wird zum zweiten Kurstreiber im ETF
Für deutsche Besitzer eines S&P-500-, Nasdaq– oder nicht währungsgesicherten Welt-ETF spielt zusätzlich der Dollar eine Rolle.
Höhere US-Zinsen können Anlagen in Dollar attraktiver machen und die US-Währung stützen. Gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro, steigt für deutsche Anleger der in Euro umgerechnete Wert ihrer US-Aktien. Verluste an der Wall Street können so teilweise oder vollständig kompensiert werden.
Umgekehrt gilt: Schwächelt der Dollar gegenüber dem Euro, schmälert das die Rendite inländischer Anleger. Darum kann derselbe S&P-500-ETF für einen US-Investor und einen deutschen Sparer am selben Tag unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Gerade beim MSCI World ist das bedeutsam. Ein großer Teil des Index entfällt auf US-Unternehmen. Deutsche ETF-Sparer investieren damit nicht nur in Konzerne wie Apple, Microsoft oder Nvidia, sondern tragen zugleich ein beträchtliches Dollar-Risiko.
Bei Anleihe-ETFs wird die Laufzeit jetzt entscheidend
Auch Inhaber von Anleihe-ETFs müssen mit Bewegung rechnen. Steigen die Renditen neuer US-Staatsanleihen, verlieren bereits begebene Titel mit niedrigeren Kupons an Attraktivität – ihre Kurse fallen.
Besonders stark reagieren Anleihe-ETFs mit langen Laufzeiten. Je weiter die Rückzahlung in der Zukunft liegt, desto stärker wirken Zinsänderungen meist auf den Kurs. Kurzläufer schwanken in der Regel weniger und können höhere Marktzinsen schneller über neu beigemischte Anleihen ins Portfolio tragen.
Für Anleger hat die Zinserhöhung damit zunächst zwei Seiten: Bestehende Bestände können an Wert verlieren, gleichzeitig verbessern sich nach und nach die Verzinsungen neu gekaufter Anleihen.
Für langfristige ETF-Sparer ist der einzelne Fed-Schritt trotzdem kein Anlass, den Sparplan auszusetzen oder das Depot hektisch umzuschichten. Maßgeblich bleibt, wie sich Inflation, Konjunktur und Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten entwickeln. Erst daraus lässt sich ableiten, ob höhere Zinsen Aktien und Anleihen länger belasten – oder ob die Märkte den Schritt rasch verdauen.