ARIVA.DE Redaktion  | 
Aufrufe: 238
Per KI mit DALL-E erzeugt
Xiaomi erlebt die Kehrseite des KI-Booms: Teure Speicherbausteine drücken die Margen im Smartphone-Segment, der Gewinn bricht ein und auch der Umsatz bleibt hinter den Erwartungen zurück. Parallel verschlingt die Expansion in Elektroautos und Künstliche Intelligenz Milliardenbeträge. Der Konzern reagiert mit Preissenkungen, Europa-Plänen und einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm.
Kurz zusammengefasst:
Der chinesische Technologiekonzern Xiaomi startet mit einem deutlichen Gewinneinbruch in das neue Geschäftsjahr. Der bereinigte Nettogewinn sank im ersten Quartal um 43 Prozent auf 6,1 Milliarden Yuan, rund 772 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt 6,4 Milliarden Yuan erwartet. Auch die Erlöse enttäuschten: Mit 99,1 Milliarden Yuan blieb Xiaomi unter der Konsensschätzung von 103,4 Milliarden Yuan. Haupttreiber waren steigende Kosten für Speicherchips und andere Komponenten sowie der harte Wettbewerb im chinesischen Smartphone-Markt.
Speicherkosten werden zur Gewinnbremse
Ausgerechnet der KI-Aufschwung, von dem viele Tech-Werte profitieren, wird für Xiaomi zum Problem. Der massive Ausbau von Rechenzentren treibt die Nachfrage nach Speicherchips – und damit die Preise für Bauteile, die auch in Smartphones stecken. Xiaomi-Präsident William Lu betonte in der Telefonkonferenz, die Branche müsse sich wohl auf dauerhaft höhere Speicherkosten einstellen.
Die Folgen treffen das Kerngeschäft spürbar. Die Smartphone-Auslieferungen sanken im ersten Quartal um 19 Prozent auf 33,8 Millionen Geräte. Laut Omdia war dies der stärkste Einbruch unter den fünf größten Smartphone-Herstellern weltweit. Der Umsatz der Smartphone-Sparte schrumpfte um 12,5 Prozent auf 44,3 Milliarden Yuan, die Bruttomarge ging von 12,4 auf 10,1 Prozent zurück.
Für Xiaomi ist das besonders schmerzhaft, weil Smartphones weiterhin das volumenstärkste Geschäftsfeld sind. Im intensiv umkämpften Android-Markt lassen sich höhere Komponentenpreise nur begrenzt an die Kunden weiterreichen. Vor allem chinesische Anbieter stehen unter Druck, da sie stark über das Preis-Leistungs-Verhältnis konkurrieren.
Smartphone-Markt bleibt herausfordernd
Der Ausblick für den Smartphone-Sektor bleibt verhalten. Counterpoint Research warnte bereits, dass steigende Halbleiterkosten die weltweiten Auslieferungen 2026 dämpfen könnten. Besonders betroffen ist das Einstiegssegment, in dem Komponenten einen größeren Anteil an den Gesamtkosten haben.
Für Xiaomi heißt das: Auf eine schnelle Normalisierung kann der Konzern nicht setzen. Sollten Speicherchips bis weit ins Jahr 2027 knapp und teuer bleiben, dürfte der Margendruck im Handygeschäft anhalten. Damit rückt die Frage in den Fokus, ob neue Sparten den Gegenwind im Kerngeschäft rasch genug kompensieren können.
Elektroautos: Wachstumsgeschichte mit hohen Kosten
Die große Hoffnung der Chinesen sind Elektrofahrzeuge. Xiaomi hat sich in kurzer Zeit als ernstzunehmender Neuling im chinesischen Automarkt etabliert. Im ersten Quartal lieferte der Konzern 80.856 E-Autos aus. Gegenüber dem vierten Quartal war das ein Rückgang um 44,3 Prozent, im Jahresvergleich jedoch ein Plus von 6,6 Prozent. Der Umsatz im EV-Geschäft legte um 5,1 Prozent auf 19 Milliarden Yuan zu.
Doch der Aufbau kostet viel Geld. Der operative Verlust aus Elektroautos, Künstlicher Intelligenz und weiteren neuen Initiativen summierte sich im ersten Quartal auf 3,1 Milliarden Yuan. Hier zeigt sich das Spannungsfeld: Xiaomi schafft sich mit EVs und KI neue Wachstumstreiber, bezahlt die Zukunft aber mit kurzfristigem Ergebnisdruck.
Xiaomi verschärft den Druck auf Tesla
Im chinesischen E-Automarkt heizt Xiaomi zudem den Preiskampf an. Vergangene Woche präsentierte der Konzern eine günstigere Variante seines Flaggschiff-SUVs YU7. Der Einstiegspreis liegt bei 233.500 Yuan und damit rund 8 Prozent unter der Vorgängerversion. Damit setzt Xiaomi nicht nur kleinere chinesische Rivalen unter Zugzwang, sondern auch Tesla, dessen Model Y in China seit Monaten im Preiskrieg steckt.
Ab 2027 plant Xiaomi darüber hinaus den Markteintritt in Europa. Das könnte eine neue Wachstumsbühne eröffnen, erhöht aber zugleich die Anforderungen an Produktion, Vertrieb, Service und Regulierung. Europa ist für chinesische E-Auto-Hersteller attraktiv, politisch und wettbewerblich jedoch anspruchsvoller geworden.
Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
Zur Stützung des Anlegervertrauens legt Xiaomi ein neues Aktienrückkaufprogramm auf. Ab dem 2. Juni 2026 will der Konzern innerhalb von 12 Monaten B-Aktien im Volumen von bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar zurückkaufen. Die erworbenen Anteile sollen anschließend eingezogen werden.
Das Programm ist ein deutliches Signal des Managements: Xiaomi hält die eigene Aktie für attraktiv und verfügt trotz Investitionen in EV und KI über ausreichende Finanzkraft, um Kapital an die Anteilseigner zurückzugeben. Ein Rückkauf ersetzt jedoch keine operative Trendwende. Entscheidend bleibt, ob Xiaomi die Margen im Smartphone-Geschäft stabilisieren und das EV-Segment schneller in Richtung Profitabilität steuern kann.
Investoren zwischen Vision und Wirklichkeit
Die Xiaomi-Aktie bleibt damit eine Wette auf zwei sehr unterschiedliche Erzählungen. Einerseits ein schwächelndes Smartphone-Geschäft, belastet durch hohe Speicherpreise und aggressive Konkurrenz. Andererseits locken Elektroautos, KI, die internationale Expansion und ein vernetztes Ökosystem aus Smartphone, Smart Home und Fahrzeug.
Gerade diese Mischung macht Xiaomi spannend, aber auch riskant. Der Konzern ist längst mehr als nur ein Smartphone-Hersteller. Doch der Umbau kostet Geld, drückt auf die Ergebnisse und macht die Aktie anfällig für Enttäuschungen. Solange Speicherpreise hoch bleiben und der chinesische Automarkt von Rabattschlachten geprägt ist, dürfte der Weg holprig sein.
Abwarten statt einsteigen
Xiaomi steckt in einer schwierigen Übergangsphase. Das Smartphone-Geschäft leidet unter steigenden Komponentenpreisen und rückläufigen Auslieferungen. Gleichzeitig investiert der Konzern massiv in Elektroautos und KI, was kurzfristig auf den Gewinn drückt. Das neue Rückkaufprogramm kann die Stimmung verbessern, löst das operative Grundproblem jedoch nicht.
Für Anleger stellt sich die Kernfrage: Wird Xiaomi zum erfolgreichen Tech-Autokonzern mit KI-Fantasie – oder frisst der teure Umbau die Gewinne schneller auf, als die neuen Sparten liefern können?
Kurzfristig bleibt die Aktie anfällig. Langfristig ist Xiaomi eine der spannendsten, aber auch riskantesten China-Tech-Wetten.
Dieses Video wird wegen Ihrer Datenschutzeinstellungen nicht angezeigt. Wenn Sie das Video ansehen möchten, erteilen Sie bitte hier die Einwilligung zur Anzeige von Youtube-Videos.
Redaktion Ariva/MW
Dein Kommentar zum Artikel im Forum
Hinweis:
ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen.
Die ARIVA.DE AG übernimmt keine Verantwortung für Inhalte, die erkennbar von Dritten im „News“-Bereich
dieser Webseite eingestellt wurden, und macht sich diese nicht zu eigen. Solche Inhalte sind insbesondere
durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist ausschließlich der jeweils genannte Dritte.