Russlands Haushaltsloch vergrößert sich rasant. Zugleich fließen durch Enteignungen und Zuwendungen wohlhabender Unternehmer Milliarden in den Staatshaushalt.
Russische Milliardäre geraten immer stärker unter Druck. Anschuldigungen wegen Korruption, Unterstützung feindlicher Staaten oder doppelter Staatsbürgerschaften führen zu Milliardeneinbußen. Laut „Bloomberg“ lassen staatliche Vermögensbeschlagnahmen derzeit ganze Firmenimperien zerfallen und treiben eine umfassende Umverteilung von Reichtum voran.
Kurz zusammengefasst:
- Russlands Haushaltsloch ist gewaltig.
- Parallel generiert der Kreml Milliardenbeträge durch Antikorruptionsverfahren.
- Superreiche in Russland überweisen deutlich höhere freiwillige Beiträge an den Staat.
- Diese Mittel sollen Lücken im Budget schließen.
Korruptionsanklagen spülen Milliarden in die Kassen des Kreml
Häufig sollen die Gelder bei „loyaleren“ Firmenkonglomeraten landen – sprich, kremlnahen Gruppen. Allein 2025 nahm Russland aus Antikorruptionsklagen Vermögenswerte im Umfang von 1,1 Billionen Rubel ein, umgerechnet etwa 15,1 Milliarden US-Dollar, berichtet die Moskauer Kanzlei Nektorov, Saweliew & Partner (NSP). Diese Summe liegt demnach achtmal über dem Wert von 2024 und entspricht rund einem Drittel aller Vermögenseinziehungen des Jahres 2025.
In zahlreichen Fällen sollen die betroffenen Unternehmer in föderale oder regionale Parlamente gewählt worden sein. Ankläger argumentierten, sie nutzten ihre Mandate, um ihren Unternehmen Vorteile zu verschaffen.
Antikorruptionsklagen entwickelten sich „zu einer treibenden Kraft hinter der Umverteilung von Vermögenswerten zugunsten des Staates“, warnt Ilia Schumanow von TriTrace Investigations, einem Beobachter der Verstaatlichungstendenzen in Russland. Bloomberg beschreibt die Entwicklung als „besorgniserregend“ für einige der reichsten Russen mit politischen Ämtern.
Russlands Wirtschaft ringt mit einem gewaltigen Defizit
Der Staat kann dieses zusätzliche Mittel dringend benötigen. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der Kreml bereits innerhalb von drei Monaten das für 2026 veranschlagte Haushaltsminus überzogen hat. Hauptgründe sind deutlich gesunkene Steuereinnahmen aus dem Energiesektor und stark gestiegene Staatsausgaben.
Für das Gesamtjahr waren 3,8 Billionen Rubel Defizit eingeplant. Doch schon im ersten Quartal verzeichnete der Kreml ein Minus von 4,6 Billionen Rubel (etwa 50,1 Milliarden Euro), wie Daten des Finanzministeriums zeigen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich das Defizit damit mehr als verdoppelt. Aus dem Kreml heißt es dennoch, der Etat liege „im Einklang mit den Zielvorgaben für das strukturelle Defizit“.
Milliardäre stützen Putins Kasse mit Spenden
Neben den Mehreinnahmen aus Korruptionsklagen fließt auch frisches Geld von kremlnahen Milliardären. Wie „Expert“ am Montag (1. Juni) berichtete, sollen einige der reichsten Geschäftsleute des Landes rund 220 Milliarden Rubel (rund 3 Milliarden US-Dollar) in die Staatskasse überwiesen haben.
Bemerkenswert: Diese Meldung folgt nur wenige Monate, nachdem der Kreml einen nahezu identischen Vorschlag publik gemacht hatte. Damals betonte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow jedoch, die Initiative stamme ursprünglich von einem Unternehmer und sei bei einem privaten Treffen mit Präsident Wladimir Putin vorgetragen worden – nicht direkt aus dem Kreml.
Der bislang geleistete Zuschuss liegt aktuell 130-mal über dem für 2026 veranschlagten Betrag. Eigentlich rechnete die Regierung nur mit 1,7 Milliarden Rubel an freiwilligen Spenden. Bis Jahresende könnten die Unternehmenszuwendungen auf 300 Milliarden Rubel steigen, meldete „Expert“ unter Berufung auf eine anonyme Quelle.