Über Monate fuhr ein Krypto-Händler mit Short-Positionen Gewinne von 49 Millionen Dollar ein. Doch eine nur zwölf Sekunden dauernde Zwangsliquidation kostete ihn fast 24 Millionen US-Dollar.
Im hochgehebelten Kryptohandel liegt der Abstand zwischen Triumph und totalem Absturz denkbar klein. Das musste die Wallet mit der On-Chain-Adresse pension-usdt.eth am Morgen des 20. August schmerzhaft erfahren. Der Akteur dahinter galt monatelang als Paradebeispiel für „Smart Money“ auf der Short-Seite.
Mit präzise getimten Leerverkäufen auf Ethereum (ETH) und Bitcoin (BTC) häufte das Konto im laufenden Jahr beachtliche rund 49 Millionen US-Dollar Gewinn an. Dazu zählten Muster-Trades wie knapp sechs Millionen US-Dollar aus einer ETH-Short im Juni sowie weitere 3,6 Millionen US-Dollar aus einer parallelen BTC-Wette gegen den Markt.
Ethereum und Bitcoin schnellten unerwartet nach oben
Doch zwei Monate anhaltender Erfolg auf der Short-Seite führten zu einer fatalen Fehleinschätzung: Der Trader setzte einen großen Teil seines Kapitals ungesichert auf eine Richtung. Als der Gesamtmarkt nach der Ankündigung eines Anleihe-Rückkaufs durch das US-Finanzministerium abrupt drehte, geriet seine massive Short-Position in Bedrängnis. Ethereum sprang binnen 24 Stunden um etwa 18 Prozent, während Bitcoin die Marke von 64.000 US-Dollar überwand und zügig Kurs auf 70.000 US-Dollar nahm.
Auf der dezentralen Börse Hyperliquid hielt die Wallet eine offene Short-Position von 50.000 ETH im Wert von rund 106 Millionen US-Dollar. Um 04:51:03 Uhr griff das automatische Risikomanagement der Plattform ein und leitete die Zwangsliquidation ein, da die Margin nicht mehr ausreichte. Es folgte eine dramatische Kettenreaktion, die exakt zwölf Sekunden später, um 04:51:15 Uhr, endete.
Eigene Rückkäufe trieben den Kurs immer weiter hoch
Die Börse versuchte verzweifelt, die riesige Position über das Orderbuch abzubauen. In fünf Tranchen spielte sich das Drama ab: Zunächst wurden 9989 ETH zu rund 2194 US-Dollar verkauft. Danach folgten 20.698 ETH zu 2210 US-Dollar, 15.830 ETH zu 2214 US-Dollar und schließlich 1872 ETH zu 2237 US-Dollar. Für die letzten 1417 ETH fanden sich im Orderbuch keine angemessenen Kaufgebote mehr. Hyperliquid musste den Rest über den internen Sicherungsfonds auffangen, um ein größeres Marktversagen zu verhindern.
Hier offenbarte sich die Tücke des Mechanismus: Um eine Short-Position zwangsweise zu schließen, muss die Börse den Basiswert am Markt zurückkaufen. Innerhalb dieser zwölf Sekunden stieg der Ether-Preis um etwa 43 US-Dollar. Die eigenen Notmaßnahmen des Traders trieben den Kurs so selbst immer weiter nach oben – jede verbleibende Tranche musste zu einem höheren Preis gedeckt werden. Ein klassischer, ruinöser Teufelskreis.
Trader verliert binnen zwölf Sekunden 24 Millionen US-Dollar
Das Fazit dieser zwölf Sekunden ist verheerend: Ein realisierter Verlust von 23,92 Millionen US-Dollar löschte auf einen Schlag rund die Hälfte der zuvor über Monate erzielten Jahresgewinne. Das Dashboard der Plattform lieferte ein ernüchterndes Bild: Auf dem vormals millionenschweren Konto blieben exakt 35,61 US-Dollar übrig.
Der Fall „pension-usdt.eth“ war jedoch kein Ausreißer, sondern lediglich die Spitze des Eisbergs: Im Zuge des breiten Marktanstiegs wurden weltweit an nur einem Tag Short-Positionen im Wert von gewaltigen 2,74 Milliarden US-Dollar liquidiert.