Chase geht in Deutschland mit 4,0 Prozent auf Tagesgeld an den Start – wenig später folgt die Norisbank. Für Sparer beginnt damit ein frischer Wettbewerb um attraktive Zinsen.
Für Sparer ist das erfreulich: Nach Monaten mit fallenden oder stagnierenden Zinsen liefern einzelne Tagesgeldangebote wieder spürbar höhere Renditen, teils über der Inflationsrate. Maßgeblich sind jedoch die Konditionen: Die attraktiven Aktionszinsen gelten in der Regel nur für Neukunden und nur befristet.
Chase setzt neue Bestmarke
Chase garantiert 4,0 Prozent für vier Monate. Anschließend greift der aktuelle Bestandskundenzins von 2,0 Prozent. Das Angebot gilt für Einlagen bis zu einer Million Euro.
Einlagen sind durch die gesetzliche deutsche Einlagensicherung geschützt. Darüber hinaus ist die Bank freiwillig dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossen. Damit sind pro Kunde auch Summen oberhalb von 100.000 Euro abgesichert.
Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, wertet dies als deutliches Marktsignal: „Mit 4 Prozent aufs Tagesgeld reiht sich Chase zum Deutschlandstart sofort an die Marktspitze ein. Erste Anbieter reagieren bereits und heben ihre Neukundenzinsen an. Das neue Angebot verschärft somit den Wettbewerb um Einlagen.”
Norisbank folgt mit 4 Prozent
Auch die Norisbank zahlt Neukunden nun 4,0 Prozent auf das Tagesgeld. Der Satz gilt sogar sechs Monate lang. Danach sinkt die Verzinsung deutlich auf den aktuellen Bestandskundenzins von 0,75 Prozent.
Voraussetzung ist ein aktiv geführtes Girokonto. Laut Verivox gilt die Verzinsung vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2026.
Damit unterscheiden sich die Angebote klar: Chase punktet mit dem höheren Anschlusszins, die Norisbank mit der längeren Zinsgarantie. Entscheidend für Sparer ist daher, wie lange das Geld geparkt werden soll und ob ein aktiv genutztes Girokonto infrage kommt.
Bestandskunden erhalten weniger
Abseits der Aktionen fallen die besten dauerhaft verfügbaren Tagesgeldzinsen geringer aus. An der Spitze liegt aktuell Ferratum, eine Marke der Multitude Bank, mit 2,6 Prozent; dahinter folgt Scalable Capital mit 2,5 Prozent.
Bei Scalable kann das Guthaben bei verschiedenen Partnerbanken liegen – darunter mehrere deutsche Institute sowie eine Bank mit französischer Einlagensicherung. Kunden ohne kostenpflichtiges „Prime“-Paket sollten beachten: Ein Teil des Geldes kann in Geldmarktfonds fließen. Diese gelten zwar als sehr sicher, unterliegen jedoch nicht der gesetzlichen Einlagensicherung.
Unter den deutschen Instituten bietet Cosmos Direct mit 2,2 Prozent die höchsten Zinsen für Bestandskunden.
Festgeld: J&T Direktbank weiterhin vorn
Auch beim Festgeld kommt Bewegung auf. Für zweijährige Laufzeiten bietet die J&T Direktbank laut Verivox weiterhin den höchsten Marktzins: 3,2 Prozent. Eine Anlage von 10.000 Euro bringt über die gesamte Laufzeit 640 Euro Zinsen.
Es folgt Ferratum mit 3,0 Prozent. Beim einjährigen Festgeld bieten sowohl die tschechische J&T Direktbank als auch die litauische SME Bank jeweils 3,0 Prozent.
Das attraktivste Angebot mit deutscher Einlagensicherung kommt von der İşbank: Für ein- und zweijährige Festgelder zahlt sie jeweils 2,9 Prozent.
Höhere Zinsen trotz steigender Preise
Nach Einschätzung von Verivox sind die Festgeldzinsen zuletzt merklich gestiegen. Maier sagt: „Seit dem Ausbruch des Irankriegs sind die durchschnittlichen Festgeldzinsen so stark angezogen wie seit 2023 nicht mehr. Trotz kräftigen Preisauftriebs können Sparer mit den Top-Angeboten weiterhin verhindern, dass ihr Geld real an Wert verliert.”
Für Sparer bleibt der Vergleich entscheidend. Hohe Aktionszinsen wirken verlockend, sind jedoch oft befristet. Wichtig sind daher nicht nur der Spitzenzins, sondern auch Laufzeit, Anschlusszins, Einlagensicherung und mögliche Zusatzbedingungen.