Überlegungen zu einem möglichen Verkauf von Baemin wecken bei Delivery Hero neue Kursfantasie, während zugleich die Nervosität wegen des anstehenden CEO-Wechsels zunimmt.
Gerüchte über einen möglichen Verkauf der südkoreanischen Tochter Baemin haben die Delivery Hero-Aktie jüngst angeschoben. Medien berichten, der Veräußerungsprozess sei gestartet – Marktteilnehmer werten dies als potenziellen Kurstreiber.
Baemin richtet seine Strategie neu aus: Schritt für Schritt werden verlustreiche Subventionsmodelle zurückgefahren; stattdessen rückt eine strictere Monetarisierung – flankiert durch staatliche Gutscheine – in den Fokus.
In einem sich stabilisierenden südkoreanischen Liefermarkt sieht Delivery Hero insbesondere im Quick-Commerce-Segment weiteres Wachstumspotenzial.
Uber stockt Beteiligung an Delivery Hero auf
Parallel dazu hat Uber seine Beteiligung an Delivery Hero deutlich aufgestockt und hält nun 19,5 Prozent des ausgegebenen Kapitals sowie zusätzliche 5,6 Prozent über Optionen.
Währenddessen reduziert die Beteiligungsgesellschaft Prosus ihre Anteile weiter – aus Analystensicht ein positiver Faktor für die Entspannung des potenziellen Angebotsüberhangs.
Seit Dezember 2025 lotet Delivery Hero unterschiedliche Optionen aus – einschließlich des Verkaufs von Unternehmensteilen, strategischer Partnerschaften und Kapitalmarkttransaktionen –, um Kapitalstruktur und Mittelallokation zu optimieren.
Die Attraktivität von Baemin wird auch von Analysten wie Bernstein Research betont; sie stufen das Papier weiterhin mit “Outperform” ein und nennen ein Kursziel von 28 Euro.
Die jüngsten Entwicklungen schlagen sich klar im Kurs nieder: Die Delivery Hero-Aktie verbuchte zuletzt den zehnten Gewinntag in Folge und stieg um rund 4,9 Prozent auf 34,58 Euro. Seit dem Rekordtief im März hat sich der Kurs damit mehr als verdoppelt. Auf Jahressicht gehört das Papier mit einem Plus von knapp 47 Prozent zu den fünf stärksten Werten im MDAX.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt der angekündigte Abschied von CEO und Mitgründer Niklas Östberg, der das Unternehmen spätestens zum 31. März 2027 verlassen wird. Bis dahin verantwortet er die laufenden strategischen Prüfungen; die Suche nach einer Nachfolge hat bereits begonnen.
Technische Analyse der Delivery Hero-Aktie
Die Delivery Hero Aktie hat in den letzten zwölf Monaten eine ausgeprägte Kursdynamik gezeigt: Nach einem kurzen Frühlingserwachen im Spätsommer 2025 folgte ein scharfer Rücksetzer, der den Essenslieferdienst zeitweise wieder auf den Boden der Tatsachen holte.
Anschließende Erholungsversuche wurden immer wieder von Rückschlägen gestoppt – ein Abwärtstrend mit klar steigendem Verkaufsdruck, den erst eine explosive Rallye der vergangenen zwei Wochen durchbrochen hat.
Mit einem Plus von 28 Prozent auf Jahressicht hängt die Aktie den MDAX deutlich ab, doch die jüngste Volatilität mahnt weiterhin zur Zurückhaltung.
Rasche Richtungswechsel jederzeit möglich
Aus technischer Sicht notiert die Online-Bestellplattform deutlich über ihrer 200-Tage-Durchschnittslinie bei 21,91 Euro – der Abstand beträgt 44 Prozent. Die Durchschnittslinie selbst zeigt nach unten und bestätigt damit den übergeordneten Abwärtstrend sowie den zuletzt massiven Verkaufsdruck. Trotz der jüngsten Kursexplosion bleibt die Divergenz zwischen Kurs und gleitendem Mittelwert ein Warnsignal: Die Rallye wirkt wie ein Sprint gegen den Trend.
Unsere Modelle skizzieren für die kommenden vier Wochen einen Kurskorridor zwischen 22 und 36 Euro; die Prognose legt dabei einen Rückgang von gut 8 Prozent nahe.
Die breite Spanne unterstreicht das weiterhin hohe Risiko im kurzfristigen Zeitfenster. Anleger sollten mit einem volatilen Seitwärtsmarkt rechnen, in dem schnelle Richtungswechsel jederzeit möglich sind.