Derzeit fehlen eindeutige Impulse. Dennoch könnten mehrere Faktoren dem DAX in der neuen Woche Orientierung geben – von der EZB bis zu den Quartalszahlen großer Tech-Konzerne.
Für den deutschen Aktienmarkt zeichnet sich in der kommenden Woche keine klare Trendrichtung ab. „Klare Marktbewegungen sind kaum zu erwarten, es bleibt zäh“, meinte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Die Lage im Nahen Osten drückt auf die Anlegerstimmung, und im Technologiesektor könnten Gewinnmitnahmen anhalten. Gleichzeitig nimmt hierzulande die Berichtssaison Fahrt auf und die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet über die Leitzinsen im Euroraum.
Am Freitag schloss der deutsche Leitindex Dax mit einem Minus von 0,34 Prozent bei 24.830,98 Punkten. Auf Wochensicht verlor das Börsenbarometer damit knapp 1 Prozent.
Iran-Krieg bleibt das beherrschende Risiko
„Die Märkte navigieren derzeit zwischen Unternehmenszahlen und geopolitischen Schlagzeilen, aber am Steuer sitzt der Nahost-Konflikt“, schrieb Marktanalyst Timo Emden. Für die Finanzmärkte bleibt der Iran-Krieg aus seiner Sicht das größte Risiko. Zuletzt setzten die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe fort.
Auch der Europäischen Zentralbank bereitet die Entwicklung im Nahen Osten Kopfzerbrechen. „Sie bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Inflationsrisiken und Wachstumssorgen“, fasste Alexander Raviol vom Vermögensverwalter Lupus Alpha zusammen. Im Juni hob die EZB die Zinsen an, als eine Entspannung im Iran-Krieg in Sicht schien. Nun ist der Konflikt zurück. „Höhere Energiepreise treiben die Inflation und würgen zugleich die ohnehin schwache Konjunktur weiter ab“, ergänzte Raviol.
Entscheidung der EZB am Donnerstag
Für den Donnerstag rechnet der Experte daher mit unveränderten Leitzinsen. Spannend werde, ob EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Markterwartung einer Zinserhöhung im September stützt oder sich bewusst Optionen offenhält. Nach Einschätzung von Robert Greil von der Privatbank Merck Finck käme die Notenbank bei weiter steigenden Ölpreisen um eine zweite Zinserhöhung in diesem Jahr kaum herum. Er erwartet jedoch eine Stabilisierung der Ölpreise in den kommenden Wochen – und damit auch stabile Leitzinsen.
Neben den Ölpreisen steht die Konjunktur im Blick. Am Dienstag rücken die ZEW-Konjunkturerwartungen in den Fokus, am Freitag folgen neben dem deutschen Konsumklima auch vorläufige Einkaufsmanagerindizes für Juli. Die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnen mit einer leicht positiven Tendenz. Den Indikator für das Verarbeitende Gewerbe sehen sie im langfristigen Aufwärtstrend oberhalb der Expansionsschwelle.
Zum zentralen Prüfstein wird laut Weberbank-Analyst Sören Wiedau jedoch die Berichtssaison – vor allem mit Blick auf Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI). „Die milliardenschweren KI-Investitionen müssen sich zunehmend in höheren Umsätzen, Margen und Gewinnen niederschlagen“, schrieb Wiedau. Die großen Tech-Konzerne stünden nun in der Pflicht, ihre hohen Bewertungen zu untermauern. Enttäuschende Quartalszahlen könnten Korrekturen auslösen.
KI-Gewinner weltweit deutlich unter Druck
Nach ihrem starken Lauf gerieten KI-Profiteure zuletzt weltweit spürbar unter Druck. „Gewinnmitnahmen kommen gerade in Mode“, kommentierte Thomas Altmann von QC Partners. Panik sei zwar nicht zu beobachten, die Verkaufsbereitschaft nehme jedoch zu.
Consorsbank-Marktanalyst Jochen Stanzl warnte vor Ansteckungseffekten auf andere Aktien: „Je stärker die Kurse fallen, desto größer wird der Zwang, ausufernde Verluste bei Technologie-Aktien durch den Verkauf anderer Werte auszugleichen.“ Zudem seien zuletzt selbst positive Unternehmensnachrichten kaum beachtet worden und hätten nicht als Rettungsanker gedient.
Zur Wochenmitte stehen Quartalsberichte der Google-Mutter Alphabet und des Elektroautobauers Tesla aus dem Technologiesektor an. Die Ergebnisse werden jeweils nach Börsenschluss in New York veröffentlicht.
In Deutschland präsentieren im Wochenverlauf mit der Deutschen Börse, dem Softwarekonzern SAP und Volkswagen (VW) drei Dax-Konzerne ihre Zahlen. Aus der zweiten und dritten Reihe folgen unter anderem der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius, der Bahntechnikspezialist Vossloh und der Laserspezialist LPKF.