Während viele Investoren vor allem Gold oder Kupfer im Blick haben, rückt ein anderer Rohstoff immer stärker in den Mittelpunkt. Höhere Verteidigungsetats und Chinas Marktdominanz schaffen eine außergewöhnliche Ausgangslage.
Gold, Kupfer und Seltene Erden bestimmen seit Jahren die Schlagzeilen. Inzwischen entwickelt sich jedoch Wolfram – bislang eher übersehen – zum womöglich spannendsten Profiteur der geopolitischen Neuordnung. Der Preis für Ammoniumparawolframat, die maßgebliche Wolfram-Referenz, ist im laufenden Jahr zeitweise um rund 200 Prozent gestiegen. Auslöser sind Chinas Exportbeschränkungen, steigende Verteidigungsausgaben sowie der Aufbau unabhängiger Lieferketten in Europa und Nordamerika.
Stefan Feulner ist seit rund 30 Jahren am Kapitalmarkt aktiv, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und verantwortet heute als Head of Content führende Finanzportale wie wallstreetONLINE.de. Er gehört zu unserem Expertennetzwerk EXPERTS Circle.
Seine einzigartigen Materialeigenschaften machen Wolfram nahezu unverzichtbar. Mit einem Schmelzpunkt von 3422 Grad Celsius besitzt es den höchsten aller Metalle. Überall dort, wo extreme Temperaturbeständigkeit, Härte und Verschleißfestigkeit gefordert sind, kommt es zum Einsatz – etwa bei Bohr- und Schneidwerkzeugen, in der Halbleiterfertigung, in Luft- und Raumfahrt, in der Kerntechnik und insbesondere im militärischen Bereich.
Wolfram avanciert zum sicherheitsrelevanten Schlüsselrohstoff
Durch die Aufrüstung wird Wolfram immer elementarer. Das Metall findet Verwendung in panzerbrechender Munition, Penetratoren, Hyperschallwaffen, Raketenkomponenten, Artilleriegeschossen sowie modernen Präzisionssystemen. Wegen seiner außergewöhnlich hohen Dichte ersetzt es in vielen militärischen Anwendungen andere Schwermetalle.
Parallel dazu erhöhen die NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben deutlich, während in den USA und Europa die Munitionsproduktion hochgefahren wird. Aus einem früher unscheinbaren Industriemetall ist so ein strategischer Rohstoff für die nationale Sicherheit geworden.
Kein Wunder also, dass Wolfram von EU, USA und Kanada als kritischer Rohstoff eingestuft wird. Zugleich kontrolliert China rund 80 Prozent des Marktes – eine Abhängigkeit, die westliche Industriestaaten nun reduzieren wollen.
Almonty könnte das Rückgrat der westlichen Versorgung bilden
Hiervon profitieren Produzenten außerhalb Chinas überproportional. Zwar gibt es mit Tungsten West in Großbritannien, EQ Resources in Australien oder der Wolfram Bergbau und Hütten AG in Österreich weitere westliche Anbieter. Viele Projekte stecken jedoch noch im Aufbau oder verfügen über deutlich geringere Ressourcen und Kapazitäten.
Deshalb hat Almonty Industries derzeit die mit Abstand aussichtsreichste Position. Herzstück ist die Sangdong-Mine in Südkorea, eine der größten und hochgradigsten Wolframlagerstätten weltweit. Bei Vollauslastung könnte Sangdong bis zu 40 Prozent der Produktion außerhalb Chinas stellen – eine einzelne Mine, die einen erheblichen Teil der westlichen Versorgung absichern würde, in einem Markt, der bislang nahezu vollständig von China dominiert wird.
Überzeugend ist zudem, dass Almonty nicht nur auf eine spekulative Nachfrage setzt, sondern bereits langfristige Abnehmer vertraglich gebunden hat. Für den Großteil der Produktion aus Sangdong Phase I besteht ein 15-jähriger Abnahmevertrag mit einem US-Kunden. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um Global Tungsten & Powders, eine Tochter der österreichischen Plansee Group, einem der führenden Wolframverarbeiter weltweit. Darüber hinaus hat Almonty Liefervereinbarungen mit Kunden in Japan, den USA und Europa. Damit ist ein erheblicher Teil der künftigen Produktion langfristig abgesichert.
Parallel richtet sich Almonty konsequent auf Nordamerika aus. Mit der geplanten Verlegung des Firmensitzes in die USA bekräftigt das Management den Anspruch, sich als führender westlicher Wolframlieferant für Industrie und Verteidigungssektor in den Vereinigten Staaten zu positionieren. Zugleich baut das Unternehmen seine Präsenz mit dem Gentuk-Projekt in Montana sowie der geplanten Errichtung einer Wolframoxid-Verarbeitung aus. Ziel ist eine vollständig westliche Wertschöpfungskette – von der Mine bis zum veredelten Produkt.
Der Wolfram-Boom dürfte erst beginnen
Ein weiteres Plus ist die außergewöhnlich starke Finanzbasis. Durch die zuletzt deutlich überzeichnete Wandelanleihe über insgesamt 800 Mio. US-Dollar sowie vorhandene Liquidität verfügt Almonty über eine Kriegskasse von deutlich mehr als 900 Mio. US-Dollar. Damit ist nicht nur der weitere Ausbau vollständig finanziert – das Unternehmen kann auch gezielt westliche Wolframprojekte, Verarbeitungsanlagen oder strategische Lagerstätten akquirieren und seine Marktstellung festigen.
Für Anleger bleibt Wolfram dennoch kein Selbstläufer. Wie bei allen Rohstoffwerten sind Genehmigungen, der Produktionshochlauf, Kostenkontrolle und Preisentwicklung entscheidend. Wer investieren will, sollte daher neben der Qualität der Lagerstätten vor allem auf Finanzierung, langfristige Abnahmeverträge und die geopolitische Relevanz achten.
Vieles spricht jedoch dafür, dass Wolfram erst am Anfang eines langfristigen Superzyklus steht. Weltweite Aufrüstung, der Ausbau der Halbleiterproduktion, die Energiewende und der Wunsch nach unabhängigen Lieferketten im Westen treffen auf ein äußerst knappes Angebot außerhalb Chinas.
Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich Almonty Industries derzeit besser als nahezu jeder andere westliche Produzent. Sollte sich der Wolframmarkt ähnlich dynamisch entwickeln wie in den vergangenen Monaten, könnte das Unternehmen zu den größten Gewinnern eines Rohstoffs zählen, den viele Anleger bislang kaum auf dem Radar hatten.