Nicolas Ebert liefert prägnante News mit sicherem Gespür für marktrelevante Themen. Nach mehr als sechs Jahren bei wallstreetONLINE und ariva.de ist der Berliner in der Finanzwelt zu Hause. Sein Themenspektrum reicht von Value-Werten und Asiens Börsen über US-Big-Techs bis zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Parkett – mit dem Ziel, Anlegern verlässliche Orientierung zu geben.
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Ein Korruptionsfall wirbelt das brasilianische Präsidentschaftsrennen auf, während die Staatsverschuldung an kritische Grenzen stößt. Gleichzeitig zeigen Schwellenländer am Anleihemarkt eine Widerstandsfähigkeit wie seit 2008 kaum mehr gesehen.
Kurz zusammengefasst:
Luiz Inácio Lula da Silva führt in den Umfragen zur brasilianischen Präsidentschaftswahl weiter knapp. Herausforderer Flávio Bolsonaro hat jedoch spürbar aufgeholt und liegt in manchen Erhebungen bereits gleichauf, erklärte Ende August Filipe Gropelli Carvalho, Schwellenländer-Analyst beim Vermögensverwalter DPAM.
Carvalho führt Bolsonaros Zugewinne auf eine Skandalserie rund um den Obersten Gerichtshof zurück, die vor allem Richter aus Lulas Umfeld belastet. Bolsonaro selbst blieb trotz eigener Berührungspunkte mit den Ermittlungen vergleichsweise unbeschadet.
Staatsverschuldung bleibt das Schlüsselproblem
Brasiliens zentrale Baustelle ist laut Carvalho die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. Unter den aktuellen Bedingungen reicht eine moderate Haushaltsanpassung nicht, um die Schuldenquote zu stabilisieren – zumal hohe Zinsen und schwaches Wachstum das Umfeld zusätzlich erschweren.
Lulas Zustimmungswerte sind zwar stabil, doch wächst unter einkommensschwachen Wählern die Unzufriedenheit, weil sich ihr Lebensstandard kaum verbessert hat. Flávio Bolsonaro profitiert derweil von einem pragmatischeren Auftreten als sein Vater, Ex-Präsident Jair Bolsonaro.
Ein Lula-Sieg schürt bei Investoren Zweifel an einer glaubwürdigen fiskalischen Konsolidierung, so Carvalho. Zwar kündigt sein Team Einsparungen an, diese dürften jedoch nicht ausreichen. Bolsonaro stellt dagegen eine ambitioniertere Anpassung um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Aussicht. Beide Lager stehen vor großen Hürden – und trotz attraktiver Renditen könnte die Geduld der Investoren bald erschöpft sein.
Schwellenländer widerstehen dem weltweiten Bond-Sell-off
Etwas optimistischer blickt James Syme, Senior Portfoliomanager bei J O Hambro, auf die Lage. Steigende Anleiherenditen belasten zwar die Märkte global, doch dank hoher Realzinsen und eines schwächeren US-Dollar zeigen sich Schwellenländer – besonders Brasilien, Mexiko und Südafrika – robuster als erwartet, so Syme.
Der aktuelle Ausverkauf am Rentenmarkt ist ungewöhnlich: Während Renditen in Industrieländern steigen, erweisen sich EM-Anleihen aufgrund orthodoxerer Fiskalpolitik als widerstandsfähig. USD-finanzierte Carry-Trades lieferten sieben Quartale in Folge positive Erträge – die längste Serie seit 2008. Der MSCI-Währungsindex für Schwellenländer markiert zugleich ein Rekordhoch.
Syme bleibt daher in Brasilien, Mexiko und Südafrika übergewichtet und fokussiert liquiditätssensible Sektoren wie Immobilien, Banken und Goldminen. Seit Januar 2025 habe der MSCI Emerging Markets Index den MSCI World, den S&P 500 und den Nasdaq Composite deutlich übertroffen – ein Grund, weshalb Anleger EMs weiter beimischen sollten, so sein Fazit.
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