Die US-Regierung prüft den Aufbau einer eigenen Software, die den Empfehlungsmechanismus von TikTok nachbildet. Anlass sind anhaltende Sicherheitsbedenken gegenüber dem chinesischen Mutterkonzern Bytedance und die Sorge, dieser könne über den Algorithmus Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung in den USA nehmen.
Geplanter Nachbau der Software
Nach Angaben aus Regierungskreisen soll der bestehende Bytedance-Algorithmus als Vorlage dienen, um eine neue, unter US-Kontrolle stehende Version zu entwickeln. „Die USA wollen die Funktionsweise des TikTok-Systems verstehen und eine eigenständige Lösung aufbauen“, hieß es offiziell. Ziel Washingtons ist es, die Kerntechnologie der App zu sichern, ohne auf chinesische Infrastruktur angewiesen zu sein.
Politische Rahmenbedingungen und Fristen
Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Gesetz verabschiedet, das festlegt, dass TikTok in den USA nicht unter chinesischer Eigentümerschaft betrieben werden darf. Präsident Donald Trump verschob die Umsetzung dieses Gesetzes mehrfach. Nach einem Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping erklärte Trump am vergangenen Freitag, Peking habe grundsätzlich zugestimmt. Zugleich kündigte er eine Verlängerung der Frist um 120 Tage an, nachdem der Termin zuvor bereits auf den 16. Dezember verlegt worden war. Geplant ist, dass Trump in dieser Woche ein Dekret unterzeichnet, um die formelle Genehmigung des Geschäfts zu erteilen.
Struktur eines neuen Unternehmens
Laut US-Regierung soll ein neues Unternehmen gegründet werden, das zu über 80 Prozent im Besitz amerikanischer Investoren ist. Bytedance dürfte demnach höchstens einen Anteil von unter 20 Prozent halten. Medien berichten, dass Oracle und die Investmentfirma Silver Lake zu den künftigen Eigentümern zählen könnten. Die endgültige Zusammensetzung des Konsortiums ist jedoch noch offen.
Eine Regierungssprecherin, Karoline Leavitt, erklärte: „Wir gehen davon aus, dass die Vereinbarung in den nächsten Tagen unterzeichnet wird.“ Gleichwohl sei damit zu rechnen, dass rechtliche Detailfragen zusätzliche Zeit erfordern.
Rolle von Oracle und Datenschutzfragen
Die Speicherung und Verwaltung der US-Nutzerdaten soll nach derzeitigem Plan Oracle übernehmen. Zudem soll das Unternehmen gemeinsam mit der Regierung die Entwicklung und Aufsicht über den neuen Algorithmus verantworten. Der Einfluss von Oracle-Gründer Larry Ellison, einem engen Unterstützer von Donald Trump, sorgt jedoch für Diskussionen. Kritiker warnen, dass starker politischer Einfluss auch Einschränkungen der Meinungsfreiheit auf der Plattform nach sich ziehen könnte. Ein Analyst betonte: „Die enge Verzahnung von Politik und Technologie birgt erhebliche Risiken für die Unabhängigkeit digitaler Inhalte.“
Reaktionen und offene Fragen
Offizielle Stimmen aus China äußerten sich bislang nur zurückhaltend. Aus der US-Administration heißt es hingegen, die Gespräche seien weit fortgeschritten. Unklar bleibt jedoch, wann der Übergang vollständig vollzogen wird. Beobachter erwarten konkrete Schritte erst nach der Unterzeichnung und der Klärung juristischer Rahmenbedingungen. Die weitere Entwicklung hängt damit eng von politischen Entscheidungen in Washington ab.