Die Vereinigten Staaten kündigen eine nie dagewesene wirtschaftliche Abschottung des Iran an und setzen die Seeblockade fort. Brent klettert daraufhin auf nahezu 88 US-Dollar.
Die Ölpreise ziehen erneut an, nachdem Washington den Druck auf den Iran spürbar verschärft hat. Brent legte am Freitag um bis zu ein Prozent auf knapp 88 US-Dollar je Barrel zu, WTI um 1,3 Prozent auf mehr als 82 US-Dollar.
Auslöser sind neue Drohungen der USA: Finanzminister Scott Bessent stellte für die kommende Woche Maßnahmen zur „wirtschaftlichen Isolation“ des Iran in Aussicht – „in einem Ausmaß, wie es in der Geschichte der wirtschaftlichen Isolierung eines Landes noch nie gesehen wurde“.
Finanzminister Bessent spricht von einem „Doppelschlag“
Bessent bezeichnete die Pläne als „Doppelschlag“. Neben neuen wirtschaftlichen Schritten soll auch die US-Seeblockade iranischer Häfen bestehen bleiben. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, die Blockade könne „auf unbestimmte Zeit“ aufrechterhalten werden. Zugleich meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate, der Iran habe zwei Schiffe der staatlichen Abu Dhabi National Oil Company attackiert, die die Straße von Hormus passierten.
Damit nimmt das Risiko für eine der wichtigsten Energierouten der Welt erneut zu. Durch die Straße von Hormus fließt rund ein Fünftel des global gehandelten Öls und Gases. Eine Einigung zwischen Washington und Teheran ist weiterhin nicht in Sicht. Beide Seiten beanspruchen Einfluss über die Meerenge und fordern Zugeständnisse, die die Gegenseite bislang nicht akzeptiert.
USA sehen sich mit Engpässen bei zentraler Munition konfrontiert
Die Trump-Regierung setzt zunehmend auf wirtschaftlichen statt zusätzlichen militärischen Druck. Hintergrund ist laut „Bloomberg“ auch, dass den USA wichtige Munition knapp wird und man eine weitere Eskalation offenbar vermeiden möchte. Trump erklärte zuletzt, er gehe beim Iran „zurückhaltend“ vor und verwies auf die hohe Inflation sowie die angeschlagene Finanzlage des Landes.
Teheran zeigt derweil wenig Bereitschaft zum Einlenken. Der Iran hat sein Militär neu ausgerichtet und bereitet sich offenbar auf einen längeren Konflikt vor. Außenminister Abbas Araghchi sagte zwar kürzlich, ein Abkommen mit Oman über eine Schifffahrtsroute durch die Meerenge stehe „kurz bevor“. Eine vollständige Wiederöffnung der Straße von Hormus wäre damit jedoch ausdrücklich nicht verbunden.
Für den Ölmarkt bleibt die Lage damit angespannt. Brent und WTI hatten am Donnerstag zwar rund zwei Prozent nachgegeben, liegen auf Wochensicht jedoch weiterhin etwa vier Prozent im Plus. Ausschlaggebend wird nun sein, was Washington in der kommenden Woche konkret verkündet – und ob der ökonomische Druck den Iran an den Verhandlungstisch bringt oder die Auseinandersetzung weiter anheizt.