Brentöl steigt auf 66 Dollar – Märkte reagieren nervös
Am Ölmarkt nimmt der Druck wieder zu. Nach neuen US-Sanktionen gegen die russischen Energieriesen Lukoil und Rosneft schossen die Ölpreise in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent kletterte vorübergehend über die Marke von 66 US-Dollar – ein Zuwachs von mehr als fünf Prozent. Die US-Sorte WTI verteuerte sich auf rund 61,50 Dollar.
Analysten der Deutschen Bank sprechen von einem der kräftigsten Tagesanstiege seit Juli. An den Börsen zogen die Kurse internationaler Ölwerte wie BP, Shell und TotalEnergies um bis zu 3,6 Prozent an.
„Die Maßnahmen kamen für die Märkte überraschend“, sagte Börsenexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Die Sanktionen seien ein „Signal für eine härtere geopolitische Linie“ der US-Regierung.
Trump lässt russische Vermögen einfrieren und warnt Handelspartner
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sämtliche Vermögenswerte russischer Ölkonzerne in den USA eingefroren. Amerikanischen Firmen und Privatpersonen ist es untersagt, ohne besondere Lizenz Geschäfte mit Lukoil und Rosneft zu tätigen.
Ziel ist es, Russlands Öleinnahmen deutlich zu schmälern und so die Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine zu erschweren. Trotz weitreichender westlicher Strafmaßnahmen war Russland bislang nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölexporteur der Welt.
Mit dem neuen Schritt wollen die USA diese Einnahmen nun empfindlich treffen. Trump erklärte: „Wir werden nicht zusehen, wie Russland weiterhin Krieg führt, während es durch den Verkauf von Öl seine Kassen füllt.“
Indien gerät unter Druck – Sekundärsanktionen im Gespräch
Die US-Maßnahmen zielen nicht nur auf Russland. Auch Indien, einer der größten Käufer russischen Rohöls, rückt stärker in den Fokus Washingtons. Trump zufolge habe Indiens Premierminister Narendra Modi telefonisch zugesichert, Indien werde „nicht viel Öl aus Russland kaufen“, da er ebenfalls ein Ende des Krieges anstrebe.
Im Raum stehen nun potenzielle Sekundärsanktionen – also Strafmaßnahmen gegen ausländische Banken oder Unternehmen, die weiterhin Geschäfte mit russischen Ölkonzernen abwickeln.
Der ehemalige US-Diplomat Edward Fishman, einst Koordinator der Iran-Sanktionen, sagte: „Die entscheidende Frage wird sein, ob die USA chinesische Banken, Händler aus den Emiraten oder indische Raffinerien tatsächlich ins Visier nehmen.“ Er rechnet kurzfristig mit „einem deutlichen Rückgang der russischen Ölexporte nach Indien“.
Indische Raffinerien überprüfen ihre Russland-Deals
In Indien formieren sich bereits erste Reaktionen. Mehrere staatliche Ölgesellschaften wie Indian Oil Corp, Bharat Petroleum und Hindustan Petroleum nehmen laut Branchenkreisen ihre Lieferverträge für russisches Rohöl unter die Lupe, um direkte Käufe von Rosneft oder Lukoil auszuschließen.
Das größte private Energieunternehmen des Landes, Reliance Industries, erwägt Insidern zufolge sogar einen vollständigen Importstopp für russisches Öl. Gleichwohl rechnen Experten damit, dass weiterhin kleinere Mengen über Zwischenhändler und Schattenflotten in den Handel gelangen.
Auch an Indiens Häfen zeigt sich die Verunsicherung: Mehrere Tanker mit russischem Öl sollen vorerst nicht entladen worden sein, bis rechtliche Risiken geklärt sind.
Russisches Öl bleibt in Asien tonangebend
Indien hat sich in den letzten zwei Jahren zum zentralen Abnehmer russischen Rohöls entwickelt. Während vor dem Krieg kaum nennenswerte Mengen aus Russland bezogen wurden, entfallen heute etwa 38 Prozent der russischen Ölexporte auf Indien. Nur China kauft mit rund 47 Prozent noch mehr russisches Rohöl.
Seit Dezember 2022 flossen nach Berechnungen des Forschungsinstituts CREA täglich rund 1,7 Millionen Barrel russisches Öl nach Indien – ein Großteil davon über die „Schattenflotte“, die Sanktionen umschifft.
Diese Entwicklung war Trump schon länger ein Dorn im Auge. Bereits im August belegte er als Reaktion die meisten indischen Importe in die USA mit Strafzöllen von 50 Prozent. „Wer Putins Krieg finanziert, muss mit Konsequenzen rechnen“, warnte er damals.
EU legt mit eigenem Sanktionspaket nach
Parallel dazu hat die Europäische Union ein neues Sanktionspaket beschlossen. Ab dem kommenden Jahr soll der Import von russischem Flüssiggas (LNG) vollständig untersagt werden. Damit will Brüssel die Einnahmen Moskaus weiter schmälern.
EU-Diplomaten sprechen von einem „koordinierten Vorgehen“, um den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. Zusammen mit den US-Sanktionen handelt es sich um den schärfsten Eingriff in den globalen Öl- und Energiemarkt seit Jahren. Die unmittelbaren Folgen sind sichtbar: Die Ölpreise ziehen an, die Nervosität an den Finanzmärkten wächst – und für Verbraucher weltweit drohen erneut höhere Energie- und Heizkosten.