Hinter der Pleite eines Autozulieferers steckt mehr als nur ein Zollstreit. Der Fall macht Risiken sichtbar, die Banken, Fonds und Investoren treffen könnten.
Der in die Insolvenz geratene US-Autozulieferer First Brands Group steht im Chapter-11-Verfahren weiter unter Druck. Wie „The Wall Street Journal“ berichtet, fordert die US-Regierung rund 286 Millionen Dollar. Hintergrund sind Vorwürfe, das Unternehmen habe Importe aus China bewusst zu niedrig bewertet, um geringere Zölle zu zahlen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Forderung: Das US-Justizministerium verlangt etwa 286 Millionen Dollar an Zoll- und Strafzahlungen.
- Vorwurf: First Brands soll die deklarierten Importwerte chinesischer Autoteile künstlich gesenkt haben.
- Insolvenz: Im September beantragte das Unternehmen Gläubigerschutz nach Chapter 11.
- Ermittlungen: Ausgangspunkt ist eine Whistleblower-Klage aus dem Jahr 2022.
First Brands: Schulden von über zehn Milliarden Dollar
First Brands ist ein wichtiger Zulieferer für den Autoteilemarkt. Das Unternehmen stellte im vergangenen Jahr Insolvenzantrag, weil die Schuldenlast nicht mehr tragfähig war. Dem „Wall Street Journal“ zufolge summieren sich die Verbindlichkeiten auf über zehn Milliarden Dollar. Die Sanierung ist inzwischen geprägt von Vermögensverkäufen, Rechtsstreitigkeiten und strafrechtlichen Vorwürfen gegen ehemalige Top-Manager.
Die nun bekannt gewordene Forderung der US-Regierung erweitert den Kreis der Gläubiger. Sie stützt sich auf den Verdacht, dass First Brands nach der Übernahme von „Brake Parts“ im Jahr 2020 die gemeldeten Preise für chinesische Autokomponenten deutlich senkte. Dadurch sollen die fälligen Einfuhrabgaben geringer ausgefallen sein. Später soll dieses Vorgehen auch auf die Sparte „Centric Parts“ übertragen worden sein.
Verrechnungspreise gegenüber den Zollbehörden sanken intern
Besonders heikel ist der zeitliche Zusammenhang: Laut der Klage soll First Brands gegenüber Kunden höhere Preise durchgesetzt haben, während intern die gegenüber den Zollbehörden angegebenen Verrechnungspreise sanken.
Die Kläger sprechen von einer deutlichen Reduzierung dieser Werte. Zudem soll Anfang 2022 eine pauschale Zahlung von 40 Millionen Dollar an eine chinesische Tochter geflossen sein, ohne dass darauf Zölle entrichtet wurden.
US-Regierung will Forderung bereits im Insolvenzverfahren sichern
First Brands-Gründer Patrick James weist Fehlverhalten zurück. Das Unternehmen reagierte laut „Wall Street Journal“ zunächst nicht auf eine Anfrage.
Die US-Regierung untersucht die Vorwürfe weiter, will ihre Forderung aber schon im Insolvenzverfahren absichern. Für die Gläubiger erhöht das den Druck: Je größer die Ansprüche staatlicher Stellen ausfallen, desto schwieriger wird eine geordnete Rückzahlung an andere Anspruchsteller.
Für Anleger ist der Fall First Brands ein Warnzeichen
Damit geht der Fall First Brands über den reinen Streit um Zölle hinaus. Nach Angaben der „Financial Times“ hatte der Autozulieferer auch Forderungen weiterverkauft. Solche Finanzierungen können Risiken aus der Firmenbilanz in die Bücher von Banken, Fonds und anderen Investoren verlagern.
Für Anleger ist die Insolvenz daher ein Alarmsignal: Wenn unklar bleibt, welche Sicherheiten tatsächlich bestehen und wem welche Ansprüche zustehen, wächst das Misstrauen am Kreditmarkt. Die Pleite von First Brands wird so zum Stresstest für Teile der Finanzbranche.