Max Gross ist seit vielen Jahren an der Börse aktiv, darunter fünf Jahre als Redakteur bei einem der renommiertesten deutschen Anlegermagazinen. Für ARIVA.DE analysiert er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und stets mit Blick auf konkrete Anlageentscheidungen. Sein Fokus: US-Aktien, Dividendenwerte und Value-Strategien. Sein Ziel ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, umsetzbare Ideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern – gestützt auf die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
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Der S&P 500 hat das nächste Allzeithoch im Visier. Zugleich ist die Marktbreite so ungewöhnlich gering, dass die Lage an die Extremsituation von 1999 erinnert.
Für dich kompakt zusammengefasst:
Rekordstände in Reichweite: US-Börse zeigt sich bemerkenswert robust …
Trotz der höchsten Anleiherenditen seit Jahren, persistenter Energiepreise und zunehmend riskanter Finanzierungen im Zuge des KI-Booms steuert der US-Gesamtmarktindex S&P 500 erneut auf Rekordniveaus zu.
Nach einer Erleichterungsrallye im Umfeld des Fed-Zinsentscheids am vergangenen Mittwoch – der zwar weiter steigende Zinsen in Aussicht stellt, aber zugleich für mehr Planbarkeit sorgte – trennen US-Aktien nur noch rund 1 Prozent vom bisherigen Bestwert von 7.816,70 Punkten.
Ein weiteres Mal gaben Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte in den letzten Tagen den Takt vor. Im Fokus standen besonders die kräftigen Kursaufschläge bei AMD, Intel und Meta Platforms.
… doch zugleich auch bedrückend schwach!
Die Tragfähigkeit der jüngsten Kursgewinne steht allerdings unter erheblichem Vorbehalt. Aus technischer Sicht liegt eine Extremlage vor, wie es sie seit 1999 – unmittelbar vor dem Platzen der Dotcom-Blase – nicht mehr gegeben hat. Damals folgten ein Crash und ein mehrjähriger Bärenmarkt mit schmerzhaften, nervenzehrenden Verlusten.
Quelle: Fear and Greed Index | CNN
Extremzustand wie seit 1999 nicht gesehen
Während der S&P 500 an der Oberfläche Stärke signalisiert, zeigt sich darunter eine deutliche Schwäche. Die Marktbreite – also Anzahl der mitziehenden Aktien und das begleitende Handelsvolumen – ist auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr gefallen.
Sogar auf dem Höhepunkt des Iran-Konflikts und bei Ölpreisen von 120 US-Dollar pro Barrel Brent war die Marktbreite nicht so dünn wie derzeit. Der US-Gesamtmarkt wird aktuell vor allem von wenigen Schwergewichten getragen. Zuletzt verzeichneten deutlich mehr Aktien neue 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs – Werte wie AMD sind somit eher die Ausnahme als die Regel.
Die Kluft zwischen einem S&P 500 nahe seiner Rekordmarken und gleichzeitig extrem geringer Marktbreite ist so groß wie zuletzt 1999. Vergleichbare Muster lassen sich historisch lediglich dreimal finden: 1929, 1973 und 1999. In allen drei Fällen folgten ein Einbruch und mehrjährige Bärenmärkte.
Quelle: VIX-Index | Investing.com
Trügerische Ruhe und vermeintliche Sicherheit
Verstärkt wird diese ohnehin außergewöhnliche Lage durch einen VIX, der die Unruhe unter der scheinbar soliden Marktoberfläche nahezu unsichtbar macht.
Das als Angstbarometer bekannte Maß bildet die implizite Volatilität – und damit auch die Optionspreise auf S&P-500-Aktien – ab. Niedrige Werte deuten üblicherweise auf günstige Absicherungskosten und geringes Schutzbedürfnis hin, hohe Werte auf eine starke Nachfrage nach Absicherung und teurere Optionen.
Obwohl aktuell ein großer Teil der im S&P 500 gelisteten Aktien fällt, ist das Absicherungsbedürfnis so niedrig wie kaum einmal im letzten Jahr – und das, obwohl der Aktienmarkt mit einer ganzen Reihe ungelöster Krisen konfrontiert ist.
Fazit: Es gibt noch einen konstruktiven Pfad
Knapp unter früheren Bestmarken signalisiert der S&P 500 vordergründig Gesundheit. Hinter dieser Fassade hat sich jedoch eine Konstellation aufgebaut, die es in der modernen Finanzgeschichte erst dreimal gab – jedes Mal endete sie in einem Crash und einem langwierigen Bärenmarkt. Anlegerinnen und Anleger sollten daher größte Vorsicht walten lassen.
Unausweichlich ist ein Crash allerdings nicht. Es gibt einen Ausweg: Wenn die derzeit schwächelnden Segmente aufholen, würde sich die Marktbreite verbessern und der US-Aktienmarkt stünde wieder auf solideren Beinen. Das würde allerdings bedeuten, dass heutige Outperformer zurückfallen. Wer statt auf einen Einbruch auf eine Breiten-Erholung setzt, kann über gleichgewichtete ETF-Lösungen wie den S&P 500 Equal Weight UCTIS ETF von Xtrackers (DWS) nachdenken.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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