In Nevada werden Mineralvorkommen im Wert von 3,5 Billionen Dollar vermutet. Der Wolframfund könnte die USA unabhängiger von China machen – doch die Nasa tritt auf die Bremse.
Es dürfte das größte bekannte Wolframvorkommen in den USA sein: Das Rohstoffunternehmen 3 Proton Lithium (3PL) berichtet, im Zuge eines Projekts in Nevada auf eine Lagerstätte gestoßen zu sein, die 1,78 Millionen Tonnen Wolfram enthält. Das ist jedoch nur ein Teil eines noch umfassenderen Vorkommens – und könnte den USA in einem entscheidenden Wettbewerb helfen.
- Westliche Industriestaaten sind auf Wolframimporte angewiesen
- Ein Unternehmen meldet in den USA große Wolframfunde
- Das Vorkommen könnte die USA über Hunderte Jahre mit Wolfram versorgen
Unternehmen entdeckt Mineralien im Wert von 3,5 Billionen Dollar
Im Detail soll die Wolframlagerstätte Teil eines größeren Mineralfunds sein, der unter anderem „erstklassige Vorkommen“ an Lithium, Kalisalz und Bor umfasst. So berichtet es „Interesting Engineering“ unter Berufung auf einen aktuellen Ressourcenbericht von 3PL. Die Lagerstätte sei demnach fünfmal so groß wie das derzeit größte in den USA verzeichnete Wolframvorkommen.
Der Wert der Wolframreserven wird auf Basis aktueller Marktpreise auf rund 152 Milliarden US-Dollar geschätzt. Zusammen mit den weiteren Ressourcen sollen die Mineralien etwa 3,5 Billionen US-Dollar wert sein. Theoretisch hätten die USA damit für Hunderte von Jahren genug Wolfram. Doch das allein genügt nicht; zunächst müssen die Vorkommen erschlossen und das Metall verarbeitet werden.
Nasa-Hürde für den Wolfram-Abbau
Genau dabei gibt es jedoch ein Problem: Die Erkundung des Projektgebiets ist durch eine Flächenreservierung der Nasa eingeschränkt. Aktuell nutzt die Weltraumbehörde das Areal zur Kalibrierung von Satelliteninstrumenten. Bergbauaktivitäten, so warnt die Nasa, könnten den Betrieb der Anlage stören.
China beherrscht den Markt für kritische Rohstoffe
Die Entdeckung dieser neuen Wolframquelle fällt in eine Zeit, in der westliche Industriemächte fast schon verzweifelt nach solchen Rohstoffen suchen. Hintergrund ist: Viele kritische Rohstoffe, darunter auch die berüchtigten Seltenen Erden, kommen nicht überall in wirtschaftlich abbaubaren Lagerstätten vor. Für Förderung und Verarbeitung sind drei Dinge unverzichtbar:
- Ausreichende, wirtschaftlich abbaubare Reserven
- Infrastruktur und Expertise für die Förderung
- Infrastruktur und Know-how für die Verarbeitung
In allen drei Bereichen ist China weltweit führend – bei der Verarbeitung sogar so deutlich, dass selbst Länder mit hohen Fördermengen Seltene Erden zur Weiterverarbeitung nach China schicken müssen. Zugleich hat China die Ausfuhr wichtiger Ressourcen in den vergangenen Jahren zunehmend eingeschränkt. Der Preis für Wolfram ist seit Jahresbeginn stark gestiegen.
Für Industrieländer sind Funde wie der aktuelle in den USA von unschätzbarem Wert. Beim Wolfram sind die USA derzeit stark von Importen abhängig. Aufgrund seiner enormen Hitzebeständigkeit wird das Metall unter anderem in Flugzeugturbinen, in Legierungen für Militärtechnik und in der Raumfahrt eingesetzt. Auch in fortschrittlicher Munition findet Wolfram Verwendung.
Deutschland sucht in Kanada nach Wolfram
Mit demselben Problem hat auch Deutschland zu kämpfen. Zwar gibt es kritische Rohstoffe in der Bundesrepublik, doch jahrelang günstige Käufe aus China und Umweltbedenken insbesondere bei der Verarbeitung haben den Aufbau eigener Kapazitäten gebremst. Neue Kooperationen, etwa mit Vietnam und Kanada, sollen diversifizierte und sichere Importe ermöglichen.
Eine große Hoffnung liegt zudem im Recycling. In Autos, Smartphones und Computern stecken aufsummiert beträchtliche Mengen kritischer Rohstoffe, deren Rückgewinnung jedoch aufwendig ist. Entsprechend groß ist in der Industrie das Interesse an Investitionen in diese Quelle. Ende Juli kündigte beispielsweise die Unternehmensgruppe H.C. Starck an, rund 50 Millionen Euro in das Wolfram-Recycling zu investieren.