Ein US-ETF mit Dividendenfokus übertrifft den Nasdaq 100 – und gibt in Schwächephasen nicht einmal halb so stark nach. Für Anleger in Europa gibt es eine geeignete Alternative.
Trotz zahlreicher Belastungsfaktoren – Iran-Krieg, Energiekrise, KI-Sorgen – steuert 2026 auf ein weiteres starkes Börsenjahr zu. Nachdem die Gewinne monatelang vor allem bei Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten lagen, hat sich die Marktbreite zuletzt deutlich verbessert.
Jüngst liefen der Dow-Jones-Index und der US-Gesamtmarkt S&P 500 sogar besser als der technologiegetriebene Nasdaq 100, der im Zuge des KI-Booms besonders im Fokus von Anlegerinnen und Anlegern steht.
Ausschüttungen schlagen Künstliche Intelligenz
Die wohl eindrucksvollste Überrendite zeigt sich jedoch an anderer Stelle: Als eher gemächlich geltende Dividendenwerte konnten auch Technologietitel hinter sich lassen. Kaum ein ETF verdeutlicht dies so klar wie der Schwab US Dividend Equity ETF des US-Brokers Charles Schwab, mit über 105 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen der größte und populärste seiner Kategorie.
Während der Nasdaq 100 in den vergangenen zwölf Monaten eine Gesamtrendite (Kurs plus Dividende) von 28,1 Prozent erzielte, kam der Schwab US Dividend Equity ETF auf 31,7 Prozent.
Das entspricht einer Überrendite von 3,6 Prozentpunkten und zeigt, wie stark ausschüttungsorientierte Unternehmen zuletzt an Attraktivität gewonnen haben.
Sicherheit liegt plötzlich im Trend
Umso bemerkenswerter ist der Vorsprung gegenüber dem Nasdaq 100 mit Blick auf die größten Einzelpositionen des ETFs. Auf den ersten drei Plätzen stehen mit Abbott Laboratories, Amgen und Merck drei Titel aus Biotech und Pharma.
Viele Anlegerinnen und Anleger hielten solche Werte in einem scheinbar von Technologie- und Wachstumsstories dominierten Markt lange für zu langweilig. Nun lieferten sie eine bessere Entwicklung als der Nasdaq 100 – bei zugleich spürbar niedrigeren Schwankungen.
Der bislang größte Rücksetzer im laufenden Jahr betrug beim Schwab US Dividend Equity ETF 5,9 Prozent, während der Nasdaq 100 zeitweise 12,9 Prozent verlor. Dividendenwerte übertrafen Technologietitel also nicht nur, sie sorgten auch für ruhigeren Schlaf.
Vielschichtige Gründe für die Überrendite
Für den Vorsprung lassen sich mehrere Gründe anführen. Im Nasdaq 100 verhinderten wiederkehrende Rotationen zwischen Software- und Hardwarewerten eine noch bessere Entwicklung – Kapital wurde innerhalb des Sektors eher umverteilt, statt neu angezogen.
Dafür profitierten Dividendentitel – wie jene im Schwab US Dividend Equity ETF – von starken Branchentrends, etwa in Biotech und Pharma. So übertraf auch der Nasdaq Biotechnology Index den klassischen Nasdaq 100 – und Konsumgüterwerte fanden wieder mehr Zuspruch.
Zwar enttäuschte der Arbeitsmarktbericht für Juli, insgesamt präsentiert sich die US-Wirtschaft jedoch auch jenseits des KI-Booms robust. Gleichzeitig hellt sich das konjunkturelle Umfeld in Deutschland und Europa wieder auf, und die Fußball-WM hat die Konsumlust zusätzlich beflügelt.
Die Nachfrage nach stabilen Cashflows dürfte anhalten
Neben der Furcht vor einer KI-Blase und dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis spricht vor allem die neue Wertschätzung verlässlicher Cashflows für die Überrendite. Hier haben sich die Gewichte spürbar verschoben.
Angesichts massiver Investitionen in Künstliche Intelligenz generieren Unternehmen, die lange als Cashflow-Maschinen galten, nicht mehr die erhofften Barmittelzuflüsse – bei Alphabet und Meta Platforms ist dies bereits zu sehen, Microsoft könnte im kommenden Quartal vor einem Wendepunkt bei den Cashflows stehen.
Und das ausgerechnet bei Konzernen, die ihren Anteilseignern über viele Jahre hinweg zweistellige Milliardensummen an Barmitteln erwirtschafteten. Nun verzeichnen sie plötzlich (und wohl auf längere Sicht) Abflüsse.
In einem Umfeld steigender Anleiherenditen und höherer Zinserwartungen sind solide Cashflows unverzichtbar, weil sie Investoren mehr Sichtbarkeit und Planbarkeit bieten als bloße Zukunftsversprechen. Hinzu kommt die Möglichkeit einer Bilanzverkleinerung der Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Geringere Liquidität würde Cashflows zusätzlich aufwerten.
Die in den vergangenen zwölf Monaten beobachtete Überrendite könnte daher erst der Auftakt einer längerfristigen Entwicklung sein. Das sollten Anlegerinnen und Anleger bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.
Nicht überall handelbar – doch es gibt eine passende Alternative
Der Schwab US Dividend Equity ETF bietet Zugang zu Dividendenwerten mit hoher Qualität und Verlässlichkeit. Die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei 3,3 Prozent. Im Schnitt kommen die enthaltenen Titel auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,4 und eine Cashflow-Rendite von knapp zehn Prozent – beides attraktiver als ein Investment in den US-Gesamtmarkt. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,06 Prozent ist der Schwab US Dividend Equity ETF zudem äußerst günstig.
Es gibt allerdings einen Haken: Ohne UCITS-Zulassung ist der ETF für europäische Anlegerinnen und Anleger nicht bzw. nur über Broker mit direkter US-Marktanbindung handelbar.
Eine Alternative bietet der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF mit ähnlichem Profil. Auch er konnte die Technologiebranche in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Plus von 29,6 Prozent schlagen und kommt auf eine Ausschüttungsrendite von knapp 2,6 Prozent bei quartalsweiser Zahlung. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,29 Prozent.