Eine aktuelle Umfrage verdeutlicht enorme Unterschiede bei den Guthaben auf Girokonten. Überraschend dabei: Vor allem 18- bis 29-Jährige haben besonders häufig fünfstellige Beträge auf dem Konto.
Viele Erwachsene in Deutschland führen ihr Girokonto entweder sehr knapp oder ungewöhnlich üppig gefüllt. Einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Finanzvergleichsportals Smava zufolge haben 19,2 Prozent der Volljährigen höchstens 500 Euro auf dem Girokonto.
Gleichzeitig verfügen 13,0 Prozent über mehr als 10.000 Euro auf dem Konto. Die Spannweite ist damit groß – mit finanziellen Folgen, da Girokonten für gewöhnlich kaum oder gar nicht verzinst werden.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- 19,2 Prozent der Erwachsenen verfügen über höchstens 500 Euro auf dem Girokonto.
- 13,0 Prozent halten dort mehr als 10.000 Euro vor.
- Berlin erreicht mit 15,8 Prozent den höchsten Anteil hoher Giroguthaben.
- Bei den 18- bis 29-Jährigen überschreiten 25,9 Prozent die Marke von 10.000 Euro.
- Beamtinnen und Beamte melden mit 25,6 Prozent deutlich häufiger hohe Guthaben als Arbeiterinnen/Arbeiter und Angestellte.
Nur wenige Girokonten zahlen Zinsen aufs Guthaben
Nach Angaben von Smava sehen nur rund 19 Prozent der mehr als 6500 Girokontomodelle in Deutschland eine Guthabenverzinsung vor. Wo Zinsen gezahlt werden, fallen sie im Schnitt niedrig aus und sind häufig an Bedingungen geknüpft.
Markant sind die Unterschiede je nach Region und Lebenssituation: In Berlin hat fast jede sechste volljährige Person mehr als 10.000 Euro auf dem Girokonto. In Mecklenburg-Vorpommern wiederum geben 31,5 Prozent an, höchstens 500 Euro verfügbar zu haben.
Auch zwischen den Altersgruppen gibt es einen klaren Bruch: Ausgerechnet die 18- bis 29-Jährigen berichten besonders häufig von hohen Kontoständen. Denkbar sind aufgeschobene Ausgaben, Rücklagen für Ausbildung, Studium oder Wohnung sowie Geldgeschenke oder Ersparnisse aus der Pandemiezeit als Gründe.
Girokonto als reine Zahlungsdrehscheibe nutzen
Besonders nachteilig sind hohe Giroguthaben für Menschen, die gleichzeitig Kredite tilgen: Jeder ungenutzte Euro auf dem Konto kann sie teurer zu stehen kommen, als es zunächst scheint.
Smava macht das an einem Beispiel fest: Wer einen Ratenkredit mit fünf Jahren Restlaufzeit und 8,62 Prozent Zinsen hat, spart bei einer Sondertilgung von 5000 Euro rund 2100 Euro an Kreditzinsen. Würde derselbe Betrag stattdessen sicher angelegt, läge der Ertrag laut Smava deutlich darunter.
Sinnvoll ist es daher, das Girokonto vor allem als Zahlungsdrehscheibe zu verwenden: Darauf gehören Mittel für Miete, Rechnungen, laufende Ausgaben und ein kleiner Puffer. Die eigentliche Notreserve – meist zwei bis drei Monatsgehälter – ist auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto besser aufgehoben, weil sie verfügbar bleibt und zumindest Zinsen erwirtschaftet.
Wer darüber hinaus Überschüsse hat, sollte zuerst teure Verbindlichkeiten prüfen. Dispo- und Konsumentenkredite kosten häufig mehr Zinsen, als sichere Anlagen einbringen. Daher ist folgende Reihenfolge sinnvoll:
- Notreserve aufbauen
- Kostenintensive Schulden tilgen
- Erst danach langfristig investieren oder Festgeld wählen.
So arbeitet das Geld effizienter, statt auf dem Girokonto Kaufkraft zu verlieren.