FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax hat am Freitag abermals ein Rekordniveau erreicht. Am Nachmittag lieferten US-Arbeitsmarktdaten den nötigen Schub und hoben die Bestmarke auf 26.445 Punkte. Zuvor aufgekommene Spekulationen über eine zeitnahe Leitzinsanhebung der US-Notenbank Fed wurden dadurch gebremst. Anleger blendeten aus, dass eine Einigung zwischen den USA und dem Iran zur erneuten Öffnung der Straße von Hormus weiterhin ungewiss ist.
Kurz zusammengefasst:
Im weiteren Verlauf ließ die Dynamik etwas nach; der Dax schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 26.319,45 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Zuwachs von 2,7 Prozent. Der MDax gab indes um 0,1 Prozent auf 32.407,20 Zähler nach.
Die Arbeitsmarktdaten nahmen den zuvor kursierenden Erwartungen schneller Zinserhöhungen der Fed den Wind aus den Segeln. Laut ING Bank wachsen “ernsthafte Zweifel” daran; Ökonom James Knightley rechnet eher mit einer längeren Zinspause. Zugleich verwies er darauf, dass bis zum regulären Zinsentscheid im September noch ein weiterer Jobbericht, Inflationszahlen sowie das Symposium in Jackson Hole anstehen und neue Akzente setzen könnten.
Im Technologiesektor setzte eine weitere Erholung ein, diesmal jedoch gemeinsam bei Halbleiter- und Softwarewerten, deren Kurse zuletzt zwischen KI-Euphorie und -Sorgen oft auseinanderliefen. Der Schwergewichts-Softwarekonzern SAP (SAP Aktie) beschleunigte seine jüngste Aufwärtsbewegung mit einem Plus von 4,1 Prozent. Erstmals seit einem Jahr notiert der Walldorfer Wert wieder oberhalb der 200-Tage-Linie.
Im Halbleitersektor legten Infineon (Infineon Aktie) um fast drei Prozent zu, gestützt von einer aufgehellten Stimmung in New York, die vor allem auf überzeugende Ergebnisse von Microchip Technology zurückging. Das US-Chipunternehmen trieb seine Aktien zudem mit einem über den Erwartungen liegenden Ausblick an.
Im erweiterten Chip-Umfeld profitierten mit Aixtron und Suss Microtec auch zwei Ausrüster aus dem MDax von der besseren Branchenstimmung. Angesichts der starken Auftragslage erhielt Suss am Freitag gleich zwei Kaufempfehlungen von der Deutschen Bank und vom Analysehaus Warburg.
Für deutsche Werte hatte die Berichtssaison am Freitag jedoch wenig Erfreuliches parat: Im Dax beendeten die Unternehmen mit frischen Zahlen den Handel überwiegend im Minus. Geringe Katastrophenschäden und solide Geschäfte bescherten Allianz (Allianz Aktie) zwar ein Rekordergebnis, doch die Erwartungen der Analysten wurden leicht verfehlt. Die Papiere schlossen 1,6 Prozent tiefer.
Der Kurs des Rückversicherers Munich Re (Munich Re Aktie) sank um 1,4 Prozent, da das Unternehmen den Preisrückgang im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz deutlich zu spüren bekommt. Wegen Abschlägen in der jüngsten Vertragserneuerung senkte Vorstandschef Christoph Jurecka sein Umsatzziel für das laufende Jahr.
Noch schwächer präsentierte sich das Dax-Schlusslicht Daimler (Daimler Aktie) Truck , dessen Anteilsschein um 2,8 Prozent nachgab. Der Nutzfahrzeughersteller verbuchte im zweiten Quartal einen deutlich niedrigeren Nettogewinn, unter anderem belastet von Zöllen in Nordamerika. Analysten kritisierten verhaltene Auftragseingänge.
Die Aktien von Brenntag setzten ihre Anfang Juli gestartete Rally zeitweise fort, nachdem der Chemikalienhändler seine Gewinnprognose für 2026 erneut anhob. Auf dem höchsten Stand seit März 2025 kam es jedoch zu Gewinnmitnahmen; am Ende drehte der Kurs um fast ein Prozent ins Minus.
Besser sah es bei Scout24 aus: Die Titel machten die am Vortag durch Quartalszahlen ausgelösten Verluste mit einem Anstieg um 3,6 Prozent fast wett. Die DZ Bank setzte die Aktie des Immobilienportal-Betreibers auf ihre “Equity Long Ideas”-Liste.
Im MDax schlossen die Anteile des Spezialchemiekonzerns Lanxess nach Vorlage der Zahlen 4,4 Prozent niedriger. Konzernchef Matthias Zachert rechnet weiterhin nicht mit einem nachhaltigen Nachfrageaufschwung. Laut Peter Spengler (DZ Bank) ist das Umfeld von verhaltener Nachfrage, geopolitischer Unsicherheit und hohen Energiekosten geprägt.
Der EuroStoxx 50 setzte seine Rekordserie mit einem neuen Hoch von knapp 6.560 Punkten fort. Der Leitindex der Eurozone schloss 0,3 Prozent fester. An den Börsen in Zürich und London gab es zurückhaltende Gewinne. In New York legte vor allem der Nasdaq 100 zu, zuletzt um 1,2 Prozent./tih/he
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