FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax hielt sich am Mittwoch unmittelbar vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen des US-Chipriesen Nvidia in Reichweite seines Rekordhochs. Zuletzt häuften sich zudem wieder etwas freundlichere Signale aus der deutschen Konjunktur. Rückenwind kam zur Wochenmitte von weiter fallenden Ölpreisen, die die Inflationssorgen dämpften. Gegen Ende des deutschen Xetra-Handels holten die Ölpreise jedoch einen großen Teil ihrer Verluste wieder auf. Das bremste den Dax ebenso wie Abschläge beim Indexschwergewicht SAP (SAP Aktie) .
Kurz zusammengefasst:
Zum Schlussgong stand der Dax bei 26.285,96 Punkten und damit 0,1 Prozent höher. Das Rekordniveau von rund 26.574 Punkten rückte somit näher. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen schloss 0,8 Prozent fester bei 32.521,35 Zählern.
Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 , legte moderat zu, während der britische FTSE 100 knapp im Minus endete. In den USA gewann der Dow Jones Industrial zuletzt leicht, während der Nasdaq 100 etwas nachgab.
In den USA zog der Preisindex PCE für Juli etwas stärker an als erwartet. Als bevorzugtes Preismaß der US-Notenbank Fed steht er an den Finanzmärkten besonders im Fokus. Auf den Dax wirkten sich die Daten am Mittwoch jedoch kaum aus.
Am Abend rückt Nvidia für die KI-Fantasie der Anleger in den Mittelpunkt, nachdem das Thema zuletzt kritischer gesehen wurde. Der Markt werde darauf achten, ob die Nachfrage nach KI-Chips auf hohem Niveau bleibe und der milliardenschwere Ausbau der KI-Infrastruktur in kräftigem Tempo fortschreite, kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets. Nvidia liefere damit zugleich einen Gesundheitscheck für den gesamten KI-Boom.
Bei SAP nutzten Anleger am Mittwoch die gestrichene Kaufempfehlung der Großbank UBS als Anlass für Gewinnmitnahmen. Die Aktien des Softwarekonzerns gaben am Dax-Ende um fast 3 Prozent nach. Analyst Michael Briest hält die Papiere zwar für angemessen bewertet, verweist aber auf eine weiterhin fragile Anlegerstimmung.
An der Dax-Spitze gewannen die Papiere der Deutschen Bank (Deutsche Bank Aktie) auf dem höchsten Kursstand seit Jahren mehr als 4 Prozent. Rückenwind lieferten Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, die sich für höhere Leitzinsen zur Eindämmung von Inflationsrisiken aussprach. Steigende Zinsen sind für Banken im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft in der Regel vorteilhaft. Zudem betonte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), das Frankfurter Institut habe zuletzt auch für das zweite Quartal sehr gute Zahlen vorgelegt und profitiere vom derzeit sehr guten Bankenumfeld.
Noch stärker als die Deutsche-Bank-Aktien legten im Dax die Titel des Zementkonzerns Heidelberg Materials zu, sie gewannen mehr als 5 Prozent. Der Qiagen-Kurs stieg um 1,7 Prozent. Händler verwiesen auf Berichte, wonach zwischen dem Diagnostikkonzern und den Private-Equity-Häusern EQT und KKR Gespräche über einen Verkauf zu 50 Dollar (Dollarkurs) je Aktie laufen.
Eon legten um 1,5 Prozent zu. Die Privatbank Berenberg hatte die Einstufung von “Hold” auf “Buy” angehoben. Die jüngste Kurskorrektur biete eine attraktive Einstiegsmöglichkeit in den Versorger mit guten Wachstums- und Renditechancen im deutschen Stromnetz, hieß es.
Im MDax zogen die Kurse der Stahlkocher Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie) und Salzgitter im Zuge eines weiter festen Rohstoffsektors deutlich an. Am Markt wurde darauf verwiesen, dass chinesische Stahlhersteller derzeit wegen hoher Rohstoffkosten und schwacher Nachfrage unter Druck stehen. Dies könnte die Kräfteverhältnisse am Weltmarkt etwas verschieben, der neben geopolitischen Krisen auch durch Handelshemmnisse belastet wird. Europa erhebt inzwischen Antidumpingzölle auf Stahlimporte aus China, und in den USA droht Präsident Donald Trump Kanada mit hohen Abgaben./mis/he
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