FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach den deutlichen Rücksetzern der vergangenen zwei Handelstage hat sich der Dax am Donnerstag wieder gefangen. Zum Schluss notierte der deutsche Leitindex 0,89 Prozent höher bei 25.118,27 Punkten. Am Montag hatte er noch mit 25.900 Zählern ein weiteres Rekordhoch markiert, bis zur Wochenmitte jedoch bereits mehr als 1.000 Punkte verloren. Der MDax, der Index der mittelgroßen Unternehmen, zog am Donnerstag um 1,02 Prozent auf 31.837,35 Punkte an.
Kurz zusammengefasst:
Der deutsche Aktienmarkt scheint damit die jüngsten Spannungen im Nahen Osten vorerst auszublenden, schrieb Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten zeigten sich Anleger zuversichtlich und rechnen offenbar damit, dass die Auswirkungen auf die Finanzmärkte begrenzt bleiben.
Laut Emden gehen die Märkte derzeit davon aus, dass geopolitische Risiken zwar kurzfristig für Volatilität sorgen, ihre wirtschaftlichen Effekte jedoch überschaubar sind und die Belastungen für die Kurse nicht von Dauer. Die jüngsten Ereignisse seien zugleich Mahnung und Denkzettel für jene Investoren, die glaubten, die Risiken im Nahen Osten seien bereits vom Tisch.
In Asien beruhigten sich die Börsen ebenfalls zunächst. Dem südkoreanische Kospi , der besonders unter dem vorläufigen Abflauen der KI-Rally gelitten hatte und auf Mai-Niveau zurückgefallen war, gelang zum Handelsende der Sprung ins Plus. Davon profitierte hierzulande Infineon (Infineon Aktie) mit einem Zuwachs von 4,3 Prozent im Dax. Im MDax erholten sich Elmos , Jenoptik , Aixtron und Suss Microtec mit Gewinnen zwischen 5,5 und 7,3 Prozent.
Übernahmespekulationen trieben die Aktien von Qiagen (Qiagen Aktie) an die Dax-Spitze: Die Papiere sprangen um 10,6 Prozent. Der Diagnostik-Spezialist und Laborzulieferer weckt laut einem Bloomberg-Bericht unter Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen das Interesse von Finanzinvestoren.
Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) setzten ihre jüngste Schwäche fort und gaben letztlich um mehr als ein Prozent nach. Der Aufsichtsrat berät über neue Sparpläne des Managements, während IG Metall und Betriebsrat mit einem bundesweiten Aktionstag dagegenhalten. Die Pläne des Autobauers mit Stellenstreichungen und möglichen Werksschließungen könnten laut UBS Umbaukosten in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Angesichts des stärkeren Wettbewerbs aus China sieht die Schweizer Bank zudem das Risiko einer Gewinnwarnung.
Die Siltronic-Aktien profitierten im MDax ebenfalls von der freundlichen Branchentendenz. An der Indexspitze legten sie um 13,4 Prozent auf 90,85 Euro zu, auch dank einer positiven Analystenstimme. Martin Jungfleisch von Exane BNP erhöhte das Kursziel deutlich auf 108 Euro und stufte die Titel hoch. Er sieht die KI-Nachfrage als Katalysator für den Absatz von Wafern bis 300 Millimeter und hält daher kräftige Preisaufschläge für möglich.
Die Anteilscheine von Nordex machten mit einem Plus von fast fünf Prozent einen Teil der jüngsten Verluste wett. Der Windkraftanlagenbauer verzeichnete im zweiten Quartal deutlich mehr Aufträge als im Vorjahr und auch im ersten Quartal. Die Papiere des Motorenherstellers Deutz (Deutz Aktie) legten nach der Ankündigung eines Zukaufs im Rüstungsbereich um rund sechs Prozent zu.
Der Pharmazulieferer Schott hob nach einem starken Quartal seine Jahresziele an. An der Spitze des Nebenwerteindex SDax gewannen die Aktien 13,5 Prozent.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 1,28 Prozent auf 6.284,27 Punkte. Außerhalb der Eurozone gab der britische Leitindex leicht nach, während der Züricher etwas zulegte. In New York legte der Dow Jones Industrial bis zum europäischen Handelsschluss ebenfalls moderat zu./la/he
— Bericht von Lutz Alexander, dpa-AFX —
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