FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax hat seiner August-Rally am Mittwoch etwas geschuldet und einen Rücksetzer verzeichnet. Erwartungen auf ein Ende des Iran-Konflikts, weiter fallende Ölpreise sowie Rückenwind aus dem US-Techsektor trieben den Leitindex zunächst auf ein neues Rekordniveau. Oberhalb von rund 26.400 Punkten war der Spielraum jedoch vorerst ausgereizt.
Kurz zusammengefasst:
Am Nachmittag drehte der Dax ins Minus, auch weil der Schub von der Wall Street nach einem weiteren Rekord des Dow Jones Industrial nachließ. Der deutsche Leitindex beendete den Handel mit 26.126,30 Punkten 0,29 Prozent tiefer. Der MDax büßte 0,41 Prozent auf 32.426,33 Zähler ein.
Nach Einschätzung von Marktbeobachter Andreas Lipkow hat “die Rally in der ersten Wochenhälfte dem Dax viel Energie abverlangt”. Angesichts der unerwartet hohen Dynamik mit Rekord auf Rekord agierten Anleger nun vorsichtiger. Trotz Signalen der USA und Irans über Fortschritte in Richtung einer Lösung im Iran-Krieg gebe es zudem Vorbehalte, dass die Straße von Hormus rasch wieder geöffnet wird.
Die UBS-Experten sehen die Treiber der Aktienhausse jedoch weiterhin intakt. Neben der Hoffnung auf nachlassende geopolitische Spannungen und sinkende Ölpreise verweisen sie darauf, dass Unternehmensgewinne die KI-Investmentthese stützen. Positiv wirkten außerdem die robuste US-Konjunktur und die abwartende Haltung der US-Notenbank Fed.
In dem stark von KI geprägten Technologiesektor gab es am Mittwoch vereinzelt Dämpfer. Der Chipkonzern Infineon (Infineon Aktie) meldete zwar dank des KI-Booms einen Rekordumsatz, Börsianer monierten jedoch eine schwächere Profitabilitätsentwicklung. Die Infineon-Papiere fielen als Dax-Schlusslicht um nahezu sechs Prozent.
Dagegen kam eine angehobene Prognose von Fresenius (Fresenius Aktie) am Markt gut an. Die Aktie sprang um mehr als fünf Prozent auf den höchsten Stand seit März. Analysten bescheinigten dem Gesundheits- und Krankenhauskonzern starke, über den Erwartungen liegende Zahlen.
Auch bei Siemens Energy laufen die Geschäfte weiterhin solide. Nach der jüngsten kräftigen Erholung war es allerdings offenbar bereits eingepreist, dass der Energietechniker im dritten Quartal die Erwartungen übertrifft und den im Frühjahr erhöhten Ausblick bestätigt. Nach zwischenzeitlich bis zu 5,7 Prozent Plus schlossen die Papiere unverändert.
Steigende Mieten verliehen Vonovia (Vonovia Aktie) im ersten Halbjahr Rückenwind. Zwar bestätigte der Immobilienriese die Jahresziele, der Fokus lag laut Jefferies-Experte Pierre-Emmanuel Clouard jedoch auf einer vorsichtigeren Einschätzung für das weitere Mietwachstum. Die Aktie gab um 2,3 Prozent nach.
Eine Ausweitung des Aktienrückkaufs sowie US-Zollrückzahlungen sorgten bei der DHL Group nicht mehr für zusätzlichen Schwung; vielmehr setzten Gewinnmitnahmen ein. Nach der Annäherung an das fünf Jahre alte Rekordhoch rutschten die Papiere um 3,7 Prozent ab.
Besser fiel die Reaktion auf Neuigkeiten beim MDax -Wert Wacker Chemie aus, die für das US-Geschäft mehr Planungssicherheit bringen könnten. Laut Reuters bereitet die US-Regierung eine Preisuntergrenze sowie Zölle auf Polysilizium vor – als Schutz vor Chinas wachsenden Ambitionen in der Chip-Lieferkette. Die Wacker-Aktie stieg an der Indexspitze um fünf Prozent.
Im SDax sackte Basler trotz angehobener Umsatz- und Margenziele um sieben Prozent ab. Ein Händler verwies mit Blick auf die viertägige Gewinnserie darauf, dass die Erwartungen der Analysten bereits am oberen Ende der Spanne lagen. Martin Comtesse von Jefferies hob zudem Lieferkettenrisiken beim Bildverarbeitungsspezialisten hervor.
Auf europäischer Ebene schloss der zwischenzeitlich ebenfalls rekordhohe EuroStoxx 0,15 Prozent tiefer bei 6.476,98 Punkten. Außerhalb der Eurozone legte die Züricher Börse leicht zu, während London kaum verändert aus dem Handel ging. In New York gewann der Dow zuletzt 0,8 Prozent, der Nasdaq 100 rutschte ins Minus./tih/he
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