verbündeten Nationen. In höflichen Worten machte der 54-Jährige klar, dass Europa sich nicht im Status quo einrichten könne.
“Unser Schicksal ist und bleibt untrennbar mit dem Ihren verbunden”, wandte sich Rubio an die Staats- und Regierungschefs im Ballsaal des Bayerischen Hofes in München. Die USA strebten “keine Abkehr, sondern die Erneuerung einer alten Freundschaft” an. Damit schlug Rubio deutlich versöhnlichere Töne an als US-Vizepräsident JD Vance vor einem Jahr an gleicher Stelle, der Europa scharf abgekanzelt hatte.
Entsprechend zurückhaltend fiel die Reaktion der deutschen Politik aus. Zwar sei Rubios Auftritt “äußerst verbindlich” und “sehr diplomatisch” gewesen, sagte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. “Trotzdem muss man sehen, dass im transatlantischen Verhältnis derzeit vieles nicht gemeinsam läuft, wir haben Differenzen. Und deshalb wäre es das Verkehrteste, wenn sich die Europäer jetzt zufrieden zurücklehnen und sagen: Jetzt ist wieder alles gut.”
“Klima-Kult” und Massenmigration
Rubio hob aus seiner Sicht schwerwiegende Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte hervor. Der US-Außenminister sprach von einem “Klima-Kult”, der in eine verfehlte Energiepolitik gemündet habe. Im Streben nach einer Welt ohne Grenzen habe man zudem “unsere Türen für eine beispiellose Welle der Massenmigration” geöffnet, sagte er.
“Diese Fehler haben wir gemeinsam gemacht”, sagte Rubio. Die USA seien zwar bereit, die anstehenden Veränderungen notfalls alleine zu bewältigen, die Präferenz sei jedoch – “und unsere Hoffnung” –, dies zusammen mit den Europäern zu tun. “Unseren Freunden”, so Rubio. “Wir gehören zusammen.” Amerika, meinte der frühere Trump-Gegner, ebne den Weg für ein “neues Jahrhundert des Wohlstands”. An ihrer Seite möchten die USA ein Europa sehen, “das stolz auf sein Erbe und seine Geschichte ist”.
Für die Amerikaner liege die Heimat zwar in der westlichen Hemisphäre. “Aber wir werden immer Kinder Europas bleiben”, sagte Rubio. In einer “Zeit, in der Schlagzeilen das Ende der transatlantischen Ära verkünden”, müsse allen klar sein, dass dies weder Ziel noch Wunsch der USA sei.
Bundesaußenminister Johann Wadephul reagierte erleichtert auf die Rede seines US-Kollegen: “Das war die Rede, die ich erwartet habe.” Er kenne Rubio bereits “seit geraumer Zeit”, er sei ein “wahrer Partner”. Auch die zur Sicherheitskonferenz angereiste Delegation aus dem US-Kongress zeige, dass Europa und Deutschland trotz aller Probleme “Partner in den USA haben”.
Bezüge zur europäischen Kultur
Der Trump-Minister betonte, wie sehr den Vereinigten Staaten die gemeinsame Zukunft am Herzen liege. “Wenn wir bisweilen unterschiedlicher Meinung sind, entspringt diese Differenz unserer tiefen Sorge um ein Europa, mit dem wir nicht nur wirtschaftlich und militärisch verbunden sind”, sagte Rubio. Die Partner seien “auch geistig und kulturell miteinander verbunden”.
In Europa seien die Ideen entstanden, die die Freiheit begründet und die Welt verändert hätten. Der Kontinent habe Genies hervorgebracht; Rubio nannte “Mozart und Beethoven, Dante und Shakespeare, Michelangelo und Da Vinci (Vinci Aktie), die Beatles und die Rolling Stones”. Die hoch aufragenden Türme des Kölner Doms zeugten unter anderem “von der Größe unserer Vergangenheit”, sagte der US-Außenminister.
Begegnung mit dem Bundeskanzler
Bundeskanzler Friedrich Merz saß während der Rede des Außenministers nicht im Saal. Der CDU-Politiker hatte sich bereits am Freitag mit Rubio getroffen. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete, das Gespräch habe sich vor allem auf die Situation in der Ukraine konzentriert. Außerdem sei die europäische Rolle innerhalb der Nato Thema gewesen.
In seiner eigenen Rede zum Auftakt der Konferenz benannte Merz die Gräben zwischen Europa und den USA – und warb für einen Neustart der Beziehungen. “Wir müssen diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss kommen: Gemeinsam sind wir stärker”, sagte Merz.
Aufatmen im Ballsaal
Rubio erhielt für seine versöhnlichen Formulierungen immer wieder Applaus. Beobachter hatten einen schärferen Auftritt befürchtet. In ihrer nationalen Sicherheits- und Verteidigungsstrategie hatten sich die USA zuletzt weiter von Europa entfernt.
Vance hatte die europäischen Verbündeten im vergangenen Jahr – keine vier Wochen nach der Amtseinführung von Trump – deutlich kritisiert. Er sprach von einer “Gefahr von innen”. Der damalige Auftritt des US-Vizepräsidenten wurde als provozierter Bruch der transatlantischen Zusammenarbeit gewertet./mj/DP/zb