Der Auftritt von US-Präsident Donald Trump beim World Economic Forum (WEF) in Davos hat weltweit Beachtung gefunden und für erhebliche Irritationen gesorgt. Während das jährliche Treffen der globalen Wirtschafts- und Politikeliten traditionell von wirtschaftspolitischen Fragen dominiert wird, standen diesmal geopolitische Spannungen und provokante Äußerungen des US-Präsidenten im Fokus. Für besondere Unruhe bei Verbündeten und Beobachtern sorgte Trumps wiederholte Forderung nach einer stärkeren US-Kontrolle über Grönland.
Ansprache vor internationalem Publikum unter besonderen Vorzeichen
In Davos kamen in diesem Jahr rund 3.000 Teilnehmer aus 130 Ländern zusammen. Trumps Rede folgte nur einen Tag nach der viel beachteten Ansprache von Kanadas Premierminister Mark Carney, der erklärt hatte, die alte regelbasierte Weltordnung sei nicht mehr funktionsfähig. Vor diesem Hintergrund wurde Trumps Auftritt als gezielte Machtdemonstration interpretiert.
Der US-Präsident thematisierte Zölle, Industriepolitik und nationale Sicherheit. Dabei attackierte er erneut Kanada und stellte seine harte Handelspolitik als Erfolg dar. Trump sagte wörtlich:
„Sie kommen aus Kanada, sie kommen aus Mexiko, aus Japan. Japan baut hier Werke, um Zölle zu vermeiden.“
Zölle, Industriepolitik und strittige Kennzahlen
Trump behauptete, seine Zollpolitik bringe Produktionskapazitäten und Jobs in die Vereinigten Staaten zurück. Er verwies besonders auf Probleme in der kanadischen Autoindustrie und verbuchte diese Entwicklung als persönlichen Erfolg.
Tatsächlich wurden Montagewerke in Brampton und Ingersoll in Ontario zeitweise stillgelegt, nachdem Trump den Handelskonflikt verschärft hatte. Unternehmen wie General Motors und der Stellantis-Konzern kündigten neue Investitionen in den USA an. Gleichzeitig zeichnen offizielle Statistiken ein differenzierteres Bild: Vorläufige Daten des U.S. Bureau of Labor Statistics zeigen, dass die Beschäftigung in der US-Autoindustrie im vergangenen Jahr insgesamt zurückging.
Grönland als dauerndes Motiv
Außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit erhielt Trumps wiederholte Beschäftigung mit Grönland. Obwohl erwartet worden war, dass er vor allem innenpolitische Themen adressiert, kehrte er mehrfach zu der arktischen Insel zurück.
Trump sagte über die Bevölkerung Grönlands:
„Sie liebten mich. Sie nannten mich Daddy.“
Unklar blieb, auf welche konkrete Begegnung er sich dabei bezog.
Er ergänzte, die USA bräuchten „ein Stück Eis, kalt gelegen, aber entscheidend für den Weltfrieden und die globale Sicherheit“. Angesichts der Leistungen, die die USA Grönland und Dänemark über Jahrzehnte erbracht hätten, sei dies „eine sehr kleine Bitte“.
Historische Bezüge und scharfe Töne
Der US-Präsident griff auch historische Argumente auf. Er erinnerte daran, dass Dänemark im Zweiten Weltkrieg innerhalb von sechs Stunden kapituliert habe und nicht in der Lage gewesen sei, Grönland zu verteidigen. Die USA seien damals eingesprungen und hätten Grönland nach Kriegsende zurückgegeben.
„Wie dumm waren wir, das zurückzugeben?“, fragte Trump provokant.
Er fügte hinzu: „Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden.“
Zugleich betonte er, die globale Sicherheitslage habe sich seither drastisch verschärft – durch moderne Raketen, nukleare Bedrohungen und neue Waffentechnologien.
Seitenhieb gegen Kanada und Premierminister Carney
Trump reagierte in Davos auch direkt auf die Rede von Mark Carney, ohne ihn zu umgehen. Er sagte:
„Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten. Denk daran, Mark, wenn du das nächste Mal solche Aussagen machst.“
Außerdem erklärte Trump, das geplante amerikanische Raketenabwehrsystem Golden Dome werde Kanada schon aus geografischen Gründen mit schützen. Kanada profitiere stark von den USA und zeige dafür aus seiner Sicht zu wenig Dankbarkeit.
„Kanada bekommt viele Geschenke. Sie sollten dankbar sein, sind es aber nicht.“
Abgekühltes Verhältnis zwischen Ottawa und Washington
Auffällig war auch die zeitliche Entzerrung der Auftritte beider Regierungschefs. Mark Carney verließ Davos, bevor Trump eintraf. Das Büro des kanadischen Premierministers bestätigte, dass es kein Treffen gab. Handelsminister Maninder Sidhu verwies auf Terminzwänge und anstehende Aufgaben in Kanada, darunter die Wiederaufnahme der Parlamentsarbeit und eine Kabinettsklausur.
Sidhu betonte zugleich, die kanadische Delegation habe ihre Ziele in Davos erreicht und Gespräche mit internationalen Wirtschaftsvertretern geführt, die Investitionen in Kanada in Betracht ziehen.
Zurückhaltender Stil, scharfe Botschaften
Beobachter stellten fest, dass Trump sich ungewöhnlich eng an sein vorbereitetes Manuskript hielt und weniger improvisierte als üblich. Seine Stimme wirkte müde, was auch mit einer verspäteten Nachtflugreise aus den USA begründet wurde. Zuvor hatte Trump in sozialen Netzwerken erneut mit KI-generierten Beiträgen provoziert, darunter Karten mit US-Flaggen über Kanada, Grönland und Venezuela.
Inhaltlich attackierte Trump Europa mehrfach und erklärte, der Kontinent entwickle sich „nicht in die richtige Richtung“. Zugleich verwies er auf seine europäischen Wurzeln und sagte:
„Wir glauben an die Bindungen, die wir mit Europa teilen. Als Zivilisation will ich, dass es Europa gut geht.“
Davos als Schauplatz neuer Spannungen
Trumps Auftritt zeigte, wie deutlich sich die geopolitischen Bruchlinien vertieft haben. Während Carney in Davos für die Kooperation mittelgroßer Staaten warb, setzte Trump auf nationale Stärke, Druckmittel und provokative Rhetorik. Die Debatten über Grönland, Handel und Sicherheit dürften die Beziehungen zwischen den USA, Kanada und Europa weiter belasten – und machen deutlich, dass Davos längst nicht mehr nur ein Wirtschaftsforum ist, sondern zunehmend zur Bühne globaler Machtpolitik wird.