Tesla setzt wieder mehr E-Autos ab – doch der verstärkte Fokus auf Robotik und Robotaxis belastet den Gewinn. Konzernchef Elon Musk schürt zudem weiterhin Spekulationen über eine mögliche Fusion mit seiner Firma SpaceX.
Der von Elon Musk ausgerufene Kurs, Tesla stärker auf Roboter und autonome Robotaxis auszurichten, kommt langsamer voran als noch vor wenigen Monaten in Aussicht gestellt. So ist von einer Serienfertigung der Roboter namens Optimus und des Robotaxis Cybercab ohne Lenkrad und Pedale noch in diesem Jahr keine Rede mehr. Stattdessen erläuterte Musk Analysten die hohe Komplexität eines humanoiden Roboters – entsprechend werde die Produktion nur schrittweise anlaufen.
Parallel dazu fiel der Gewinn im jüngsten Quartal, während die Ausgaben für neue Projekte stiegen. Die Investitionen dürften auch in den kommenden zwei bis drei Jahren weiter zulegen, sagte Finanzchef Vaibhav Taneja. Für 2026 peilt Tesla rund 26 Milliarden US-Dollar an.
Übernimmt Musks SpaceX Tesla?
Mutmaßungen über einen möglichen Zusammenschluss von Tesla mit Musks Raumfahrtfirma SpaceX räumte Musk unterdessen nicht aus. Er verwies auf Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen und machte deutlich, dass man in einer Telefonkonferenz zu Quartalszahlen nicht über eine mögliche Zusammenlegung sprechen könne – dafür sei ein formales Verfahren nötig. Anschließend übergab er an Chefjustiziar Brandon Ehrhart, der gemeinsame Projekte wie den Aufbau einer Chipfabrik namens Terafab hervorhob.
Musk führt sowohl Tesla als auch SpaceX, das im Juni an die Börse gegangen war. Nach anfänglichen Kursgewinnen liegt die SpaceX-Aktie inzwischen unter dem Ausgabepreis. Bei SpaceX hat Musk dank höherer Beteiligung und Stimmrechtsaktien die vollständige Kontrolle; bei Tesla strebt er eine ähnliche Stellung seit Jahren an. SpaceX hat bereits Musks KI-Unternehmen xAI übernommen – zuvor hatte Musk die Online-Plattform X in xAI eingebracht.
Auslieferungen steigen
Nach zwei Jahren mit rückläufigen Verkäufen legte Tesla im zweiten Quartal wieder deutlich zu: Die Auslieferungen wuchsen im Jahresvergleich überraschend stark um rund 25 Prozent auf 480.126 Fahrzeuge. Der Umsatz kletterte im Gleichschritt um 26 Prozent auf knapp 28,24 Milliarden Dollar (24,75 Milliarden Euro) und übertraf damit die durchschnittliche Analystenschätzung von etwa 25,7 Milliarden Dollar.
Beim bereinigten Ergebnis je Aktie blieb Tesla jedoch klar hinter den Erwartungen zurück: Statt der erwarteten 51 US-Cent erzielte der Konzern 33 Cent. Die Aktie gab im nachbörslichen US-Handel um rund vier Prozent nach.
In Europa fertigt Tesla das Model Y im Werk Grünheide bei Berlin. Für die Fabrik wurde jüngst ein Ausbau der Produktion in Aussicht gestellt.
Gewinn im Quartal geht zurück
Der Quartalsüberschuss schrumpfte um fünf Prozent auf gut 1,11 Milliarden Dollar. Dazu dürften unter anderem Preisnachlässe im wichtigen US-Markt beigetragen haben. Zudem strich Tesla die margenstärkeren Modelle S und X aus dem Programm, um im Stammwerk Fremont Kapazitäten für die Optimus-Produktion zu schaffen.
Außerdem brachen die Erlöse aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten auf 146 Millionen Dollar ein – nach 380 Millionen Dollar im Vorquartal. US-Präsident Donald Trump hatte dieses Geschäft durch sein Vorgehen gegen Emissionsgrenzwerte in den USA geschwächt. In den vergangenen Jahren halfen diese Einnahmen Tesla häufig über Durststrecken.
Von dem Quartalsgewinn entfallen zudem 763 Millionen Dollar auf einen reinen Buchgewinn durch die Neubewertung der Tesla-Beteiligung an SpaceX infolge des Börsengangs. Nach dem Bilanzstichtag 30. Juni verlor die Aktie deutlich an Wert.
Robotaxi-Flotte bleibt undurchsichtig
Tesla betont zwar, die Einführung der fahrerlosen Robotaxis verlaufe planmäßig. Rund ein Jahr nach dem Start fehlen jedoch offizielle Angaben zur Flottengröße in mehreren US-Städten oder zur Zahl beförderter Passagiere. Neu genannt wurde lediglich, dass Teslas autonome Fahrzeuge bislang insgesamt 380.000 Meilen (rund 611.000 Kilometer) ohne Aufsicht zurückgelegt haben. Robotaxis der Google-Schwester Waymo kommen derzeit auf etwa zwei Millionen Meilen pro Woche. Tesla sieht sich gleichwohl in seinem umstrittenen Kamera-Only-Ansatz bestätigt, während Wettbewerber wie Waymo für höhere Zuverlässigkeit auf teurere Laser-Radare setzen. Musk hatte angekündigt, den Markt dominieren zu wollen.