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Die Deutschen gelten als Sparbuch-Weltmeister. Eine frische Studie zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Kurz zusammengefasst:
Hierzulande fließt Geld häufiger an den Kapitalmarkt, als der Ruf des Sparerlands vermuten lässt. Laut einer Untersuchung der niederländischen ING-Bank investieren 46 Prozent der Befragten in Aktien, Anleihen, Fonds oder ETFs – mehr als im europäischen Durchschnitt. Im Vergleich von elf europäischen Ländern liegt Deutschland auf Rang drei hinter der Türkei und der Schweiz. Unter den sechs größten Volkswirtschaften der Eurozone führt Deutschland sogar.
Jüngere Generationen ziehen mit
“Die Deutschen investieren häufiger, als ihr Ruf vermuten lässt”, sagt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Besonders bei den Jüngeren ist Börsenanlage inzwischen weit verbreitet. Die höchste Zustimmung findet sich laut Studie bei den 35- bis 44-Jährigen. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragte dafür online in zwölf Ländern jeweils 1.000 Personen.
Durchschnittswerte verschleiern viel
Die Bestände der Deutschen an Fondsanteilen und Aktien summieren sich laut ING auf über 2,1 Billionen Euro. Pro Haushalt entspricht das im Mittel rund 51.000 Euro – deutlich mehr als der Eurozonen-Schnitt von etwa 36.000 Euro. Der Durchschnitt kaschiert allerdings die ungleiche Verteilung des Aktienbesitzes. Nach Daten des Deutschen Aktieninstituts investierten 2025 rund 14 Millionen Menschen in Aktien oder Fonds – nicht einmal jeder Fünfte.
Die Sparbuch-Vorliebe kostet Milliarden
Trotzdem bleibt das Zinskonto der Deutschen Favorit. Diese Vorsicht ist teuer: Von 1996 bis 2025 entgingen Haushalten durch Spareinlagen statt Investmentfonds fast 400 Milliarden Euro an Vermögenszuwachs, rechnen die Studienautoren vor. Mit Aktien wären sogar mehr als 1,2 Billionen Euro möglich gewesen.
Hinzu kommt die Inflation, die aktuell Erspartes auffrisst. Die Europäische Zentralbank erhöhte den Einlagenzins im September auf 2,5 Prozent, während die Teuerung im Euroraum zuletzt bei 3,3 Prozent lag. Die Politik will gegensteuern: Das vom Bundestag beschlossene Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen und das Sparen mit Aktien und Fonds stärken. Mit der Frühstartrente plant die Bundesregierung ab 2027 zudem monatlich zehn Euro je Kind zwischen sechs und 18 Jahren in ein Vorsorgedepot einzuzahlen.
Fazit
Die Aktienkultur in Deutschland wächst – dennoch verschenken Millionen Haushalte weiterhin Rendite. Für den langfristigen Vermögensaufbau führen an Aktien und breit gestreuten Indexfonds kaum Wege vorbei. Schwankungen sind Teil des Spiels, wie die jüngste Zinsnervosität zeigt. Ein kontinuierlicher Sparplan hilft, solche Phasen zu glätten.
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