Die Vereinigten Staaten halten enorme Öl-Notvorräte für Ausnahmesituationen bereit. Doch ausgerechnet die Speicherstätten könnten zur Herausforderung werden, falls die Entnahmen weiter zunehmen.
Entlang der US-Golfküste erstreckt sich ein riesiges Geflecht unterirdischer Salzkörper. Tief in diesen sogenannten Salzstöcken haben die USA seit den 1970er-Jahren Hohlräume geschaffen, in denen sie Millionen Barrel Rohöl aufbewahren – die „Strategic Petroleum Reserve“, die strategische Ölreserve des Landes. Genau darin liegt jedoch ein grundlegendes Problem.
Kurz gefasst:
- Die USA speichern große Mengen Öl in unterirdischen Salzkavernen.
- Die Zahl der möglichen Be- und Entladevorgänge dieser Kavernen ist begrenzt.
- Die Zuspitzung am Persischen Golf erzwingt umfangreichere Abgaben aus der Reserve.
USA geben Öl aus der Notfallreserve frei
Derzeit umfasst die Reservebestände an Öl rund 374 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht 159 Litern). Die Gesamtkapazität ist damit noch längst nicht erreicht; maximal wären etwa 714 Millionen Barrel möglich. Gleichwohl bleibt der globale Ölmarkt angespannt, was Staaten dazu veranlasst, auf ihre Vorräte zurückzugreifen.
Im März 2026 gaben die USA im Rahmen einer Aktion der Internationalen Energieagentur (IEA) 172 Millionen Barrel Rohöl frei. Insgesamt stellten die beteiligten Länder 400 Millionen Barrel bereit. Weltweit verbleiben damit noch knapp 2,1 Milliarden Barrel an Reserven.
Hormus-Krise zehrt an globalen Ölreserven
Auslöser ist erneut die Krise an der Straße von Hormus. Die Engstelle ist seit über zwei Monaten blockiert – inzwischen doppelt: erstens durch den Iran, der wiederholt Frachtschiffe attackiert und so Kapitäne und Reedereien verunsichert, und zweitens durch die USA. Unter Präsident Donald Trump begannen sie, eine zweite Blockadelinie aufzubauen.
Während der Iran die Passage grundsätzlich unsicher macht und vereinzelt Schiffe passieren lässt, stoppen die USA jene Tanker, die sich den iranischen Regeln unterwerfen.
Die Doppel-Blockade drosselt die Exporte von Ländern wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten deutlich. Das entzieht dem Markt Rohöl, verschärft den Wettbewerb um die verbleibenden Mengen – und treibt die Preise.
Geologisches Risiko für die Ölreserve
Über die Bestände in den Salzstöcken können die USA nicht völlig frei verfügen. Das Öl liegt in sogenannten „Flaschen“ innerhalb der Kavernen – etwa 60 Einheiten mit einem Durchmesser von rund 60 Metern und einer Höhe von ungefähr 610 Metern. Laut Scott Montgomery von der University of Washington besteht dabei eine physische Grenze.
Im Podcast von „The Conversation“ erläutert er, dass Ein- und Auslagerungen in diesen Salzkavernen nur etwa fünfmal möglich sind. Danach würden die Vorgänge die Kavernewände zu stark angreifen oder sogar auflösen.
Seiner Einschätzung nach wird es deshalb nötig sein, künftig neue Kavernen zu schaffen. Salz bleibt dennoch ein idealer Speicher: Es ist undurchlässig und unter dem richtigen Druck zugleich formbar.
Auch Deutschlands Öl liegt in Salzkavernen
Deutschland geht ähnlich vor wie die USA. Wie an der Golfküste von Louisiana und Texas gibt es hierzulande unterirdische Salzkavernen, in denen große Ölmengen lagern. Nach Vorgaben der IEA und der Europäischen Union müssen die Staaten Vorräte für mindestens 90 Tage bereithalten. Ein wichtiger Standort befindet sich in Niedersachsen: Bei Wilhelmshaven liegt ein unterirdischer Speicher in einem Salzstock vergraben.
Auch bei Hamburg und in Heide, Schleswig-Holstein, werden Bestände vorgehalten. Laut dem „NDR“ lagert Deutschland den Großteil seiner Reserve unterirdisch; ein Teil befindet sich in oberirdischen Tanks.
Am 29. Mai entspannte sich der Ölmarkt leicht: WTI-Rohöl wurde günstiger, weil die USA und Iran in ihren Verhandlungen vorankommen. Ein Waffenstillstand ist im Gespräch. Sollte sich die Krise am Persischen Golf nicht bald lösen, rechnet die EU weiterhin mit Versorgungsengpässen.