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SpaceX, OpenAI und Anthropic stehen womöglich vor dem Sprung an die Börse. Für Investoren liegt die eigentliche Überraschung jedoch nicht im Hype, sondern in den Konsequenzen für Indexfonds.
Kurz zusammengefasst:
Viele große Unternehmen reifen heute deutlich länger außerhalb der Börse. Das verändert die Spielregeln für Anleger. Dina Ting, Head of Global Index Portfolio Management bei Franklin Templeton ETF, sieht darin eine neue Herausforderung für zentrale Aktienindizes.
Früher entwickelten sich junge Firmen meist am öffentlichen Markt. Anleger konnten ihren Weg vom Nebenwert zum Großkonzern nachvollziehen. Heute vollzieht sich dieser Aufstieg häufiger im privaten Umfeld. Manche Unternehmen wirken beim Börsendebüt bereits voll etabliert.
Indexanbieter im Zugzwang
Potenzielle IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic werfen die Frage auf, wie schnell sehr große Neuzugänge nach der Erstnotiz in wichtige Benchmarks aufgenommen werden sollten. FTSE Russell und Nasdaq prüfen beschleunigte Verfahren, während S&P Dow Jones Indices zurückhaltender bleibt.
Ting hält die unterschiedlichen Ansätze für nachvollziehbar. Indexanbieter müssen den investierbaren Markt abbilden und zugleich Liquidität, Stabilität sowie klare Regeln sicherstellen. Eine zu träge Benchmark kann wichtige Entwicklungen übersehen, eine zu schnelle Benchmark Anleger hingegen Titeln aussetzen, deren Handelshistorie, Streubesitz und Fundamentaldaten noch nicht belastbar sind.
Ein Punkt wird laut Ting oft unterschätzt: Schlagzeilen und Indexgewicht sind nicht identisch. Die meisten großen Aktienindizes richten sich nach der Free-Float-Marktkapitalisierung. Maßgeblich ist also, wie viele Aktien tatsächlich frei handelbar sind.
FTSE Russell kalkulierte in einer vorläufigen Analyse zu SpaceX mit einer Gesamtbewertung von 1,5 Billionen US-Dollar, während die frei verfügbare Marktkapitalisierung nur rund 70 Milliarden US-Dollar betrug. Daraus ergaben sich geschätzte Gewichte von 0,11 Prozent im Russell 1000 Index und 0,08 Prozent im FTSE GEIS All-World Developed Index.
Damit kann ein Unternehmen die Schlagzeilen dominieren und dennoch zunächst nur ein kleines Indexgewicht erhalten. Nach Ablauf von Sperrfristen kann sich das ändern: Kommen mehr Aktien in den Handel, steigt der Free Float – und damit potenziell das Indexgewicht.
Auch die Auswirkungen auf Wachstumsindizes sind weniger eindeutig, als viele vermuten. SpaceX, OpenAI oder Anthropic stehen zwar für Felder wie Künstliche Intelligenz, Raumfahrt und Cloud-Infrastruktur. Stilindizes folgen jedoch festen Regeln und beurteilen unter anderem Kennzahlen, Profitabilität, Bewertungen, Wachstum und die Sektorzuordnung.
Fallbeispiel SpaceX
FTSE Russell ordnete das Unternehmen vorläufig dem Sektor Telekommunikation zu. Dort lag der Teilsektor-Durchschnitt bei 18 Prozent Growth und 82 Prozent Value. Raketen klingen nach Growth – die Logik der Indizes folgt jedoch nicht der Schlagzeile, sondern klaren Regeln.
Für Anleger hat das Folgen: Indizes verändern sich, neue Unternehmen kommen hinzu, Sektorgewichte verschieben sich, der Streubesitz wächst und Klassifizierungen können sich ändern.
Deshalb gewinnt ein alter Grundsatz an Gewicht, so Ting: Anleger sollten wissen, was sie im Depot haben. Die nächste Welle großer Börsengänge dürfte nicht nur Schlagzeilen liefern, sondern könnte zentrale Börsenbarometer über Jahre prägen.
Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion
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