28 von 35 Analysten raten zum Kauf von SpaceX. Glenn Thum stellt sich jedoch quer und kalkuliert ein Abwärtsrisiko von knapp 50 Prozent – trotz des dynamischen KI-Aufschwungs. Weshalb?
Bei SpaceX stellt sich ein Analyst dem nahezu einhelligen Optimismus der Wall Street entgegen – und veranschlagt für die Aktie ein Minuspotenzial von fast 50 Prozent. Glenn Thum von Phillip Securities bestätigt seine Verkaufsempfehlung samt Kursziel von 75 US-Dollar. Damit liegt er klar unter dem aktuellen Kurs von rund 146 US-Dollar sowie dem Konsens von 227 US-Dollar. 28 von 35 Analysten bleiben bei „Kaufen“, Morgan Stanley hält im Bull-Case sogar 600 US-Dollar für erreichbar.
Analyst betrachtet den KI-Boom bei SpaceX mit Skepsis
Thum zweifelt vor allem am jüngsten KI-Schub bei SpaceX. Der KI-Umsatz schnellte im zweiten Quartal um 247 Prozent in die Höhe und steuerte rund 2,56 Milliarden US-Dollar bei. Insgesamt kletterte der Quartalsumsatz um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden US-Dollar und lag deutlich über den Erwartungen. Genau dieses Wachstum hält Thum jedoch für weniger nachhaltig, als es auf den ersten Blick erscheint.
Cloud-Kunden zahlen monatlich und können ihre Verträge nach der Anlaufphase mit nur 90 Tagen Frist kündigen. Hinzu kommt ein spürbares Klumpenrisiko: Ein einzelner KI-Kunde stand im zweiten Quartal für 19,5 Prozent des gesamten Umsatzes, nach weniger als zehn Prozent im Vorjahr. Für eine höhere Bewertung müssten diese Vereinbarungen aus Sicht von Phillip Securities stärker in langfristige Verträge überführt werden.
KI, Starlink und das Raumfahrtgeschäft müssen rasch genug wachsen
Gleichzeitig verschlingt der Ausbau enorme Summen. SpaceX investierte im zweiten Quartal 18,4 Milliarden US-Dollar – rund das 2,4-Fache des Quartalsumsatzes – und verbuchte einen operativen Verlust von 542 Millionen US-Dollar. Phillip Securities rechnet damit, dass das Unternehmen mindestens bis 2030 unprofitabel bleibt und weiter Barmittel verbrennt.
Demgegenüber steht erhebliche institutionelle Schlagkraft. Die Aktie legte zuletzt um rund 4,4 Prozent zu, nachdem neue Meldungen die Größenordnung der Engagements großer Investoren offenbarten. Nvidia hält demnach nahezu 123 Millionen SpaceX-Aktien, Alphabet kommt auf einen Anteil von 7,2 Prozent. Der Stiftungsfonds der Harvard University meldete zudem eine Beteiligung im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar.
Die Bewertung lässt Anlegern damit kaum Spielraum für Enttäuschungen. Bei rund 146 US-Dollar wird die Aktie weiterhin mit einem extrem hohen, nahezu 400-fachen erwarteten Non-GAAP-Gewinn bewertet.
Die zentrale Wette lautet: KI, Starlink und das Raumfahrtgeschäft müssen schnell genug skalieren, um diese Bewertung nachträglich zu rechtfertigen. Genau hier setzt Thums Warnung an: Sollten Großkunden abspringen oder die Milliardeninvestitionen nicht zügig genug Rendite liefern, könnte die Aktie spürbar nachgeben.