Nicolas arbeitet seit 2016 als Redakteur bei ARIVA.DE. Seine fundierte technische Analyse und sein Anspruch an präzise Prognosen machen ihn für die Community, die auf belastbare Nachrichten setzt, zu einer verlässlichen Anlaufstelle.
 | 
Aufrufe: 240
©Siemens Energy AG
Der DAX-Konzern Siemens Energy legt seinen bisherigen Namen ab und wird künftig als Omterra auftreten. Ausschlaggebend ist vor allem die Kostenrechnung: Die bislang an die frühere Mutter Siemens gezahlten Lizenzgebühren von rund 300 Millionen Euro pro Jahr entfallen.
Kurz zusammengefasst:
München/Düsseldorf. Der Energietechnikkonzern verabschiedet sich von seiner Traditionsmarke. Künftig firmiert das Unternehmen unter Omterra – ein Kunstname, der sich aus dem griechischen Symbol Omega für den elektrischen Widerstand (Ohm) und dem lateinischen Terra für Erde ableitet. Vorstandschef Christian Bruch erklärt: „Seit unserem Börsengang war klar, dass die lizenzierte Marke Siemens Energy nur befristet zur Verfügung steht.“ Der Markenwechsel startet noch in diesem Jahr und wird rund 18 Monate in Anspruch nehmen.
Der Name hat seinen Preis
Die Energietechnik war früher ein Kernbereich des Siemens-Konzerns – entsprechend emotional wird die Abkehr vom Namen in Teilen der Belegschaft aufgenommen. Seit der Abspaltung 2020 zahlte Siemens Energy jährlich 1,2 Prozent des Umsatzes – ohne Siemens Gamesa und Teile von Dresser-Rand – für die Nutzung der Namensrechte an die frühere Mutter Siemens. Aufgrund der kräftigen Umsatzsteigerungen summierte sich das im Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa 300 Millionen Euro.
Der Markenlizenzvertrag mit Siemens läuft ab 2020 zehn Jahre und endet damit 2030 – eine Verlängerung ist nicht vorgesehen. Dass Siemens Energy den Wechsel schon jetzt anstößt, begründet Bruch mit der gestiegenen operativen und finanziellen Stärke: Kunden und Kapitalmarkt hätten inzwischen Vertrauen in die eigenständige Marke. Die Rebranding-Kosten sollen – über mehrere Jahre gestreckt – unterhalb einer Jahreslizenz liegen, also unter 300 Millionen Euro.
Zudem dürfte die veränderte Aktionärsstruktur eine Rolle spielen: Der Anteil der Siemens AG an Siemens Energy ist von einst 35 Prozent auf inzwischen rund 5 bis 6 Prozent gesunken. Die Verbindung zur früheren Mutter ist damit auch kapitalseitig deutlich lockerer.
Von der Namenssuche zum „Team Purple“
Branchenkreisen zufolge ist der neue Name kein Zufallsprodukt. Bei Ausgründungen dieser Größenordnung fällt die Wahl häufig auf Kunstwörter, weil sie markenrechtlich leichter zu schützen sind. Omterra gehörte dem Vernehmen nach bereits 2020 bei der Abspaltung zu den Favoriten, bevor man sich vorerst für die Übergangslösung Siemens Energy entschied.
Intern hatte sich angesichts der violetten Logofarbe längst die Bezeichnung „Team Purple“ etabliert. Der Farbton soll auch im neuen Markenauftritt prägend bleiben. Markenexperte Karsten Kilian bezeichnete den Schritt gegenüber der WirtschaftsWoche als naheliegend: Da Siemens Energy überwiegend im B2B-Geschäft mit Energieversorgern, Netzbetreibern und Industriekunden tätig ist, fällt ein Namenswechsel deutlich leichter als bei Konsumgütermarken mit enger Endkundenbindung.
Bemerkenswert: Unter dem neuen Dach Omterra sollen künftig auch die Windkraftaktivitäten von Siemens Gamesa Renewable Energy gebündelt werden.
Operative Stärke liefert Rückenwind
Nach dem Börsengang 2020 rutschte das damals neue Unternehmen zunächst in eine handfeste Krise: Hohe Verluste im Windgeschäft ließen Banken bei der Vergabe von Garantien zögern, sodass Siemens Energy den Bund um Rückgarantien bat, um den vollen Auftragsbestand abarbeiten zu können.
Diese Phase gilt inzwischen als weitgehend überwunden. Der Konzern profitiert vom weltweit steigenden Energiebedarf – etwa durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz und die fortschreitende Elektromobilität. Im Geschäftsjahr 2024/25 (Stichtag 30. September) stieg der Umsatz auf vergleichbarer Basis um gut 15 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro, der operative Gewinn belief sich auf rund 2,4 Milliarden Euro, unterm Strich blieben etwa 1,7 Milliarden Euro Nettogewinn. Auch der Auftragseingang bewegt sich auf Rekordniveau: Zuletzt meldete das Unternehmen 17,7 Milliarden Euro in nur einem Quartal.
Aktie konsolidiert
Trotz starker operativer Kennzahlen zeigte sich der Aktienkurs zuletzt zurückhaltend. Die Siemens-Energy-Aktie notierte Mitte Juli 2026 bei etwa 148 bis 152 Euro und damit klar unter dem 52‑Wochen-Hoch von knapp 188 bis 195 Euro Ende April 2026. Seit Jahresbeginn ergibt sich dennoch ein Plus von über 20 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von mehr als 60 Prozent. Zum Vergleich: Am Tiefpunkt der Staatsgarantie-Krise lag der Kurs zeitweise bei nur rund sieben Euro.
Aktuell befindet sich Siemens Energy in der Quiet Period vor der Vorlage der Zahlen für das dritte Geschäftsquartal 2026, die für Anfang August erwartet wird. Bis dahin äußert sich das Management nicht zum operativen Geschäft. Die Einschätzungen am Kapitalmarkt gehen auseinander: Während einzelne Analysehäuser wie Jefferies deutlich höhere Kursziele ausrufen, verweisen technische Analysten auf potenzielle Unterstützungen im Bereich 140 bis 145 Euro. Der Wettbewerber ABB hatte zuletzt mit robusten Zahlen in den Bereichen Energieinfrastruktur und Elektrifizierung für zusätzliche Bewegung im Sektor gesorgt – Felder, in denen Siemens Energy mit Grid Technologies ähnlich aufgestellt ist.
Offen bleibt: Aufspaltung des Portfolios
Offen ist, wie sich das Portfolio langfristig entwickeln wird. Am Windkraftgeschäft, das sich derzeit an die Gewinnschwelle herantastet, dürfte Siemens Energy nur festhalten, wenn sich dauerhaft auskömmliche Margen erzielen lassen. Auch dieses Segment erhält im Zuge des Rebrandings einen neuen Namen.
Zudem wird am Markt seit Monaten über eine mögliche Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry“ spekuliert, die so unterschiedliche Produkte wie Kompressoren für die Ölindustrie und Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion bündelt. Das Geschäft ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich profitabler geworden, bleibt ertragsseitig jedoch klar hinter den Kernsegmenten Gasturbinen und Stromnetze zurück. Aus Aufsichtsratskreisen verlautet, dass bislang keine Entscheidung gefallen ist.
Für Anleger bedeutet der Namenswechsel zu Omterra zunächst vor allem eines: einen Markenwechsel ohne unmittelbare operative Zäsur. Geschäftsmodell, Aktienstruktur und die Notierung im DAX bleiben unverändert. Wichtiger für die weitere Kursentwicklung ist, ob Bruch seine ambitionierten Renditeziele in den kommenden Quartalen untermauern kann – der Rebranding-Prozess selbst gilt an der Börse eher als Randnotiz denn als Kurstreiber.
Dein Kommentar zum Artikel im Forum
Hinweis:
In diesem Bereich veröffentlicht ARIVA.DE Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen.
Für Inhalte, die erkennbar von Dritten im „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt werden, übernimmt die ARIVA.DE AG keine Verantwortung und macht sie sich nicht zu eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch
eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link
„Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für
diese Inhalte ist ausschließlich der jeweils genannte Dritte.