Kupfermarkt im Ausnahmezustand – Knappes Angebot und Technologietrends heben die Preise auf neue Rekorde
Rekordjahr für Kupfer: 2025 geprägt von boomender Nachfrage und sinkendem Angebot
Mit einem Plus von über 36 % im Jahr 2025 verzeichnete Kupfer das stärkste Jahr seit 2009. Der Dreimonatskontrakt an der London Metal Exchange (LME) erreichte zwischenzeitlich ein Allzeithoch von 12.960 US-Dollar je Tonne – Werte, die zuletzt in der Erholungsphase nach der globalen Finanzkrise übertroffen wurden. Auch an der New Yorker Börse kam es zu vergleichbaren Kursgewinnen mit wiederholten Durchbrüchen wichtiger psychologischer Marken.
Treiber der Rally sind strukturelle Angebotsengpässe, eine konjunkturelle Stabilisierung in China, ein schwächerer US-Dollar sowie steigende Investitionen in Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI). Viele Analysten halten eine Fortsetzung dieses Trends bis 2026 für plausibel.
Strategische Rolle von Kupfer für Dekarbonisierung und Digitalisierung
Als Schlüsselmetall der Energiewende ist Kupfer unverzichtbar: Ob Netzausbau, E-Mobilität oder Windkraft – ohne das leitfähige Metall geht es nicht. 2025 kam als zusätzlicher Nachfragekatalysator der weltweite Ausbau von Rechenzentren hinzu, insbesondere für KI-Workloads.
Diese energiehungrigen Rechenzentren benötigen Kupfer für Strominfrastruktur, Kühlung und Notstromlösungen. Ian Roper, Rohstoffstratege bei Astris Advisory Japan KK, betont: „Die Geschichte des Kupfers wurde in den letzten Jahren durch die grüne Energie getrieben, jetzt kommt die KI als zweiter starker Nachfrageimpuls hinzu.“
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Prognosen für 2026: Anhaltende Preisstärke dank struktureller Knappheit
JPMorgan rechnet im zweiten Quartal 2026 bei fortbestehenden Angebotsrisiken mit weiterem Aufwärtsspielraum und einem durchschnittlichen Kupferpreis von 12.500 US-Dollar je Tonne. Für das Gesamtjahr 2026 sieht die US-Bank einen robusten Aufwärtstrend mit einem möglichen Durchschnittspreis von 12.075 US-Dollar.
Goldman Sachs erwartet kurzfristig eine Verschnaufpause. Demnach dürften sich die LME-Notierungen zwischen 10.000 und 11.000 US-Dollar pro Tonne einpendeln – unterstützt durch eine solide Industrienachfrage in Schlüsselbereichen wie KI und Verteidigung. Auf lange Sicht bleibt das Haus positiv gestimmt und sieht Kupfer bis 2035 auf 15.000 US-Dollar steigen.
Angebotsengpässe und geopolitische Risiken als zentrale Markttreiber
Die starke Rally 2025 resultierte nicht nur aus der Nachfrage, sondern auch aus einer Reihe von Schocks auf der Angebotsseite. Ausfälle in bedeutenden Minen – etwa infolge eines Erdrutsches in Indonesien – sowie strukturelle Schwierigkeiten in alternden Anlagen wie Escondida in Chile haben das weltweite Angebot merklich verengt.
Hinzu kommt, dass ein großer Teil der physischen Bestände in den USA über Repo-Geschäfte gebunden ist. Händler nutzen Arbitragen zwischen Kassa- und Terminpreisen und entziehen dadurch dem Markt Kupfer für Monate. Michael Widmer, Rohstoffstratege bei Bank of America (Bank of America Aktie), spricht von einem „verfügbaren, aber nicht erreichbaren“ Markt. In Europa seien die Lager nahezu leer – ein Umstand, der die Volatilität zusätzlich befeuern könnte.
China: Nachfrage gedämpft, aber stabil
China bleibt der größte Kupferkonsument weltweit. Zwar schwächelt der Immobiliensektor, doch Investitionen in Stromnetze und erneuerbare Energien waren in den vergangenen Jahren massiv. Diese Impulse könnten 2026 etwas nachlassen, da das neue Strompreissystem in China die Anreize für grüne Investitionen reduziert. Gleichzeitig rechnet Widmer mit leichter Unterstützung durch mögliche fiskalische Maßnahmen im Wohnungsbau.
Die Analysten der Bank of America kalkulieren für China mit einem minimalen Nachfrageplus von 0,5 % – dem niedrigsten Wert seit 1988. Parallel wächst das globale Angebot nur geringfügig schneller: +0,6 % für 2026. Ergebnis: Der weltweite Kupfermarkt dürfte auch in diesem Jahr in einem strukturellen Defizit verbleiben.
Auftrieb für Industriemetalle: Lithium und Kobalt in ähnlichem Fahrwasser
Neben Kupfer erleben 2025 auch andere strategische Metalle ein Comeback. Kobalt, ein zentraler Batterierohstoff, hat sich im Jahresverlauf mehr als verdoppelt. Auslöser sind Exportrestriktionen der Demokratischen Republik Kongo, dem mit Abstand größten Produzenten. Die Regierung will durch künstliche Verknappung die Preise stabilisieren und hat die Ausfuhrkontingente deutlich reduziert.
Auch Lithium – 2022 auf Rekordständen und anschließend stark gefallen – zeigt wieder Erholungstendenzen. Vor allem die chinesische Energiespeicherindustrie treibt die Nachfrage nach Lithiumkarbonat an. Für 2026 rechnen Analysten mit einem potenziell kleinen Angebotsdefizit, das die Preise zusätzlich stützen könnte.
Ausblick 2026: Knappheit hält an – Schwankungen dürften zunehmen
Die Versorgung mit Industriemetallen – insbesondere Kupfer – bleibt angespannt. Sinkende Erzgehalte, geopolitische Risiken, umfangreiche Infrastrukturprogramme sowie der weiter steigende Bedarf durch Digitalisierung und Dekarbonisierung wirken als strukturelle Preistreiber. Kurzfristige Produktionsstörungen oder politische Eingriffe wie mögliche US-Zölle könnten die Preisentwicklung 2026 zusätzlich beeinflussen.
Für das laufende Jahr ist daher mit anhaltend hohen Preisniveaus zu rechnen, allerdings bei potenziell größerer Volatilität. Eine vollständige Normalisierung des Kupfermarktes erscheint mittelfristig unwahrscheinlich, solange das Angebot nicht spürbar wächst oder die Nachfrage deutlich nachlässt. Zudem dürfte der Bedarf durch fortschreitende Digitalisierung und den damit einhergehenden Bedarf an Hardware auch 2026 weiter zulegen.