Zwei Drittel der Deutschen wollen ihn nicht länger im Amt sehen
Die politischen Alarmzeichen für Friedrich Merz nehmen zu. Nach einer aktuellen Insa-Befragung lehnen 68 Prozent der Deutschen ab, dass der CDU-Politiker in der nächsten Legislaturperiode erneut Bundeskanzler wird. Nur 17 Prozent befürworten eine weitere Amtszeit. Bereits diese beiden Zahlen verdeutlichen, wie tief das Misstrauen gegenüber dem Regierungschef inzwischen sitzt.
Brisant ist dabei nicht allein die Ablehnung im gegnerischen Lager. Schwerer wiegt, dass Merz auch im eigenen Umfeld nicht mehr auf geschlossene Rückendeckung bauen kann. Wenn ein amtierender Kanzler selbst in den eigenen Reihen keine verlässliche Mehrheit mehr hinter sich weiß, ist das kein bloßer Stimmungstiefpunkt, sondern ein ernstes Autoritätsproblem.
Auch Unionswähler nehmen Abstand
Die eigentliche Sprengkraft der Umfrage liegt in einem Detail, das für die Union besonders unangenehm ist. Unter den Anhängern von CDU und CSU wollen 45 Prozent nicht, dass Merz in der kommenden Legislatur erneut Kanzler wird. Lediglich 42 Prozent sprechen sich für ihn aus. Weitere 4 Prozent ist es egal, und 9 Prozent sind unentschieden.
Für einen Kanzler der eigenen Partei ist das ein ernüchternder Befund. Ein Regierungschef, der im eigenen Lager keine klare Mehrheit mehr hinter sich versammelt, verliert zwangsläufig an Durchsetzungskraft. Umso problematischer ist es, wenn die Ablehnung in den eigenen Reihen sogar über der Zustimmung liegt. Das zeigt: Merz’ Problem ist längst nicht mehr nur die Opposition – es sitzt mitten in seiner politischen Basis.
Auch die SPD-Basis spricht sich gegen weitere Jahre unter Merz aus
Noch deutlicher fällt die Ablehnung beim Koalitionspartner aus. Unter den SPD-Anhängern plädieren lediglich 22 Prozent für weitere vier Jahre unter Merz, während 65 Prozent dagegen sind. Das ist ein klares Signal, dass innerhalb der Regierungsmehrheit kaum Rückhalt für eine Verlängerung dieser Kanzlerschaft vorhanden ist.
Gerade dieser Punkt ist politisch heikel. Eine Koalition wirkt auf Dauer nur stabil, wenn ihre Führung zumindest von Teilen des Partnerlagers mitgetragen wird. Wenn jedoch selbst dort eine deutliche Mehrheit gegen den Kanzler eingestellt ist, spricht das für eine Regierung, die eher aus Mangellage zusammengehalten wird als aus Überzeugung.
Merz trifft in nahezu allen Lagern auf starke Ablehnung
Ein noch problematischeres Bild zeigt sich beim Blick auf die übrigen Parteien. Unter den AfD-Anhängern lehnen 84 Prozent eine weitere Amtszeit von Merz ab. Bei den Grünen sind es 74 Prozent, bei der Linkspartei sogar 88 Prozent. Im BSW liegt die Ablehnung bei 89 Prozent, bei der FDP bei 74 Prozent.
Diese Zahlen zeigen, wie breit die Ablehnung des Kanzlers geworden ist. Es handelt sich nicht um ein Problem eines einzelnen Milieus oder normale parteipolitische Gegnerschaft. Vielmehr offenbart sich eine parteiübergreifende Distanz zu Merz – von rechts bis links. Ein Kanzler, der in fast allen politischen Lagern auf so klare Ablehnung stößt, regiert nicht aus Stärke, sondern unter wachsendem Vertrauensverlust.
Bei der Kanzlerfrage liegt die AfD plötzlich vorne
Besonders alarmierend ist ein weiterer Wert der Erhebung: Auf die Frage, aus welcher Partei der nächste Kanzler kommen soll, liegt die AfD mit 27 Prozent vorn. Für einen Kanzler aus der Union sprechen sich nur 13 Prozent aus – ebenso viele wie für einen aus der SPD. Die Grünen erreichen 11 Prozent, die Linke 9 Prozent.
Das ist ein Warnsignal für die etablierten Parteien, vor allem für die Union. Sie stellt derzeit den Kanzler und kommt bei dieser Schlüsselfrage nur auf die Hälfte des AfD-Wertes. Politisch heißt das: Die CDU verliert nicht nur Zustimmung für ihre Führungsperson, sondern auch an Selbstverständlichkeit als Kanzlerpartei.
Die Parteibasen bevorzugen ihre eigenen Kandidaten
Wie stark die Lager voneinander entfernt sind, zeigt ein Blick auf die jeweiligen Anhängerschaften. Unter den AfD-Anhängern wünschen sich 88 Prozent einen Kanzler aus der eigenen Partei. Bei den CDU/CSU-Anhängern sprechen sich 67 Prozent für einen Unionspolitiker aus. In der SPD wollen 74 Prozent einen Sozialdemokraten an der Spitze sehen. Bei den Grünen sind es 72 Prozent, bei der Linkspartei 63 Prozent.
Diese Werte belegen eine weiterhin starke Parteibindung in der Kanzlerfrage. Umso auffälliger ist, dass Merz davon persönlich nicht ausreichend profitiert. Obwohl zwei Drittel der Unionsanhänger grundsätzlich einen Kanzler aus der eigenen Partei bevorzugen, fällt die individuelle Zustimmung zu Merz deutlich schwächer aus. Genau darin liegt der Kern des Problems: Die Union als Marke hält sich besser als ihr Kanzler.
Zweifel an der Brandmauer nehmen selbst im CDU-Umfeld zu
Zusätzliche Brisanz entfaltet die Umfrage beim Thema künftige Koalitionen. Knapp ein Drittel der Befragten erwartet, dass die CDU künftig mit der AfD oder den Linken koalieren wird. Nur 18 Prozent glauben, die Union werde mit keiner dieser beiden Parteien zusammenarbeiten.
Diese Werte sind politisch hochsensibel. Sie deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung den bisherigen Abgrenzungen nicht mehr traut. Die sogenannte Brandmauer erscheint vielen offenbar nicht mehr als feste Linie, sondern als unter Druck stehendes Versprechen. Für die CDU ist das gefährlich, weil dadurch Zweifel an Verlässlichkeit, Richtung und strategischer Klarheit wachsen.
Parallel dazu verschieben sich die Kräfteverhältnisse in der Parteienlandschaft. Gegenüber der vorherigen Sonntagsfrage fällt die Union auf 24 Prozent und verliert damit einen Prozentpunkt. Die AfD steigt auf 26,5 Prozent und gewinnt 0,5 Prozentpunkte hinzu. Die Linke verbessert sich auf 11 Prozent und legt einen Punkt zu.
Die SPD verharrt bei 14 Prozent, die Grünen bei 12,5 Prozent. FDP und BSW bleiben jeweils bei 3,5 Prozent.
Gerade diese Zahlen verschärfen Merz’ Lage zusätzlich. Seine persönliche Schwäche fällt mit einer weiter bröckelnden Position der Union im Parteiensystem zusammen. Während die CDU verliert, legt die AfD zu. Das nährt den Eindruck eines Kanzlers mit schwindender Autorität, während die wichtigste Oppositionskraft weiter wächst.
Aus einem Kanzlerproblem wird ein Führungsproblem der Union
In Summe ist die Lage für Friedrich Merz politisch äußerst unerfreulich. 68 Prozent der Deutschen wollen ihn nicht länger als Kanzler. Selbst unter Unionsanhängern liegt die Ablehnung mit 45 Prozent über der Zustimmung von 42 Prozent. In der Kanzlerfrage führt die AfD mit 27 Prozent vor der Union mit 13 Prozent. Zugleich fällt die Union in der Sonntagsfrage auf 24 Prozent, während die AfD auf 26,5 Prozent steigt.
Das ist deutlich mehr als ein kurzfristiger Stimmungsdämpfer. Es signalisiert, dass Merz nicht nur ein Image-, sondern ein gravierendes Führungsproblem hat. Ein Kanzler, der in der Bevölkerung breit abgelehnt wird und selbst im eigenen Lager keine klare Mehrheit mehr findet, regiert auf brüchigem Fundament. Genau deshalb ist diese Umfrage für die Union so riskant.