FRANKFURT (dpa-AFX) – Anhaltende, teils deutliche Gewinnmitnahmen bei Technologie-Werten haben am Freitag auch den Dax belastet. Gleichzeitig setzten die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten fort, wodurch die Ölpreise weiter anzogen. Am Ende schloss der deutsche Leitindex 0,34 Prozent tiefer bei 24.830,98 Punkten und machte damit einen Teil seiner zwischenzeitlich größeren Verluste wett.
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Über der 50-Tage-Linie konnte er sich jedoch nicht behaupten, und die runde Marke von 25.000 Punkten rückt zunehmend aus dem Blick. Auf Wochenbasis verlor der Dax knapp 1 Prozent; von seinem Rekordhoch bei 25.900 Punkten Anfang der vergangenen Woche ist er inzwischen um gut 4 Prozent zurückgekommen. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verabschiedete sich mit 0,55 Prozent Minus bei 31.864,73 Punkten ins Wochenende.
“Die Hoffnungen auf die Beilegung des Iran-Kriegs haben sich vorerst wieder zerschlagen und an den Rentenmärkten sind die Zinserwartungen entsprechend erneut gestiegen”, kommentierte LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer. Dies sei eine Bürde für Wachstumsaktien der Tech-Branche. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI) “zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft genommen werden”.
Zusätzlich belasteten Nachrichten zum neuen KI-Sprachmodell “Kimi K3” des chinesischen Start-ups Moonshot AI, das vom Amazon -Konkurrenten Alibaba unterstützt wird. Dem Vernehmen nach soll es mit Spitzenmodellen der US-Wettbewerber OpenAI und Anthropic auf Augenhöhe liegen. Beobachter fühlten sich an Anfang 2025 erinnert, als mit DeepSeek erstmals ein chinesisches KI-Modell die US-Dominanz ins Wanken brachte – die Aufregung legte sich damals jedoch rasch.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 0,84 Prozent auf 6.230,87 Punkte nach. Außerhalb der Eurozone schlossen die Leitindizes in London und Zürich moderat fester. In New York lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss leicht im Minus. Der technologielastige Nasdaq 100 weitete seine Vortagesverluste aus und verlor 1,4 Prozent.
Die Schwäche der Tech-Branche drückte auch auf deutsche Sektorwerte. Im Dax zählte der Halbleiterkonzern Infineon (Infineon Aktie) mit einem weiteren Rückgang um 1,6 Prozent erneut zu den schwächsten Titeln. Zu den größten Verlierern im MDax gehörten die Chip-Ausrüster Suss Microtec und Aixtron sowie der Waferhersteller Siltronic (Siltronic Aktie) mit Abschlägen von bis zu 4,6 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der Technologiekonzern Jenoptik zeigten sich schwach. Für den Laserspezialisten LPKF ging es um 6,8 Prozent nach unten. Ebenfalls unter Druck gerieten die Papiere von Siemens Energy und Hochtief mit Verlusten von 0,7 beziehungsweise 2,2 Prozent – obwohl beide Unternehmen vom dynamischen Ausbau von KI-Rechenzentren profitieren.
Bei den Nebenwerten bestimmten Eckdaten zum zweiten Quartal das Geschehen. Der Stahlhersteller Salzgitter hob dank besserer Geschäfte und der Komplettübernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) seine Jahresprognose an. Die Aktien legten daraufhin um 3,9 Prozent zu.
Im Kleinwerteindex SDax überzeugte auch Wacker Neuson mit einem optimistischeren Ausblick nach deutlichen Zuwächsen im zweiten Quartal. Die Titel gewannen 6,3 Prozent.
Nach einem Kurssprung von in der Spitze fast 15 Prozent schlossen die Aktien von SMA Solar letztlich 5,8 Prozent höher. Der Photovoltaik-Spezialist meldete für das vergangene Quartal starkes Wachstum und erhöhte seine Jahresziele erneut. Jefferies-Analyst Constantin Hesse bescheinigte SMA ein hervorragendes erstes Halbjahr; die Perspektiven für das zweite Halbjahr blieben dank solider Nachfrage bei großen Batteriespeichern positiv.
Die Titel von Dermapharm gaben um 1 Prozent nach. Grund ist eine Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts für 2025 durch die Bafin. Nach Angaben der Finanzaufsicht liegen konkrete Hinweise vor, dass der Arzneimittelhersteller gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen haben könnte. Die Prüfung wurde den Angaben zufolge bereits am 14. Juli eingeleitet./niw/he
— Bericht von Nicklas Wolf, dpa-AFX —
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