Milliardenschwere Aufträge in der Rüstungsindustrie
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall stellt sich in den kommenden Jahren auf eine historisch beispiellose Auftragswelle ein. Hintergrund ist die weiterhin hohe Nachfrage nach Waffen und Ausrüstung infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine. Konzernchef Armin Papperger erklärte: „Rheinmetall hat im Augenblick eine Größenordnung von 65 Milliarden Euro und wird relativ schnell auf 70, 80 Milliarden und dann 120, 130 Milliarden Euro Auftragsbestand hochlaufen.“
Krieg als Wachstumstreiber
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 erhöhen viele europäische Staaten ihre Verteidigungsausgaben deutlich. Davon profitiert insbesondere Rheinmetall, Hersteller von Panzern, Munition und militärischen Fahrzeugen. Der aktuelle Auftragsbestand von 65 Milliarden Euro ist bereits ein Rekord – dennoch rechnet das Unternehmen damit, diese Summe in den nächsten Jahren nahezu zu verdoppeln.
Geplanter Einstieg in den Marineschiffbau
Einen zusätzlichen Wachstumsschub erwartet Rheinmetall von der geplanten Übernahme der Naval Vessels Lürssen (NVL), einer Tochtergesellschaft der Bremer Lürssen-Gruppe. Damit würde der Konzern erstmals in den Bau von Kriegsschiffen einsteigen. Papperger betonte: „Es gibt ein erhebliches Potenzial für Werften in Deutschland.“ Der Abschluss des Deals steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt; mit einer Entscheidung wird bis Dezember gerechnet.
Breitere Aufstellung durch Übernahmen
Durch die Integration der NVL-Sparte will Rheinmetall sein Produktportfolio deutlich erweitern. Neben Panzern und Gefechtsfahrzeugen könnten künftig auch Fregatten und militärische Spezialschiffe aus deutscher Produktion angeboten werden. Für den Konzern eröffnet sich damit die Chance, auf den weltweiten Beschaffungsmärkten eine noch stärkere Rolle zu spielen. Schon heute zählt Rheinmetall zu den wichtigsten europäischen Rüstungsunternehmen, dessen Systeme unter anderem bei der Bundeswehr und bei NATO-Partnern im Einsatz sind.
Kartellrechtliche Hürden und politische Tragweite
Der Erwerb der NVL-Sparte erfordert noch die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Branchenkenner erwarten jedoch grünes Licht, da der deutsche Rüstungssektor strategisch gestärkt werden soll. Papperger zeigte sich zuversichtlich und rechnet mit einem zügigen Abschluss: „Wir erwarten, dass die Übernahme bis Ende des Jahres fixiert ist.“ Politisch dürfte der Einstieg in den Schiffbau ebenfalls Signalwirkung entfalten – Deutschland positioniert sich damit stärker als Komplettanbieter im Verteidigungsbereich.