Max Gross bringt langjährige Erfahrung an den Kapitalmärkten mit, darunter fünf Jahre als Redakteur bei einem der führenden deutschen Anlegermagazine. Für ARIVA.DE bereitet er Markt- und Unternehmensentwicklungen fundiert, praxisnah und mit klarem Fokus auf Anlageentscheidungen auf. Thematisch konzentriert er sich auf US-Aktien, Dividendenwerte und Value-Titel. Sein Ziel ist es, Anlegerinnen und Anlegern relevante Informationen, konkrete Investmentideen und belastbare Impulse für den langfristigen Vermögensaufbau zu liefern – gestützt auf die Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse.
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©Rheinmetall AG
Die Rheinmetall-Papiere haben in den letzten Wochen deutlich nachgegeben, inzwischen deuten jedoch erste Signale auf eine mögliche Trendumkehr hin.
Kurz zusammengefasst:
Rheinmetall mit bisher ernüchternder Performance
Anlegerinnen und Anleger von Rheinmetall blicken unzufrieden auf das Börsenjahr 2026. Zwischenzeitliche Rückgänge von über 40 Prozent sorgen nachvollziehbar für Frust – nicht nur wegen des Kurses, sondern auch, weil das Unternehmen viel angekündigt, bislang aber zu wenig geliefert hat.
Nach einer Erholungsrallye im August gerieten die Anteile zuletzt erneut kräftig unter Druck. Von rund 1.200 Euro fiel die Aktie bis auf 950 Euro und damit um knapp 21 Prozent – für einen DAX-Konzern ein beachtlicher Rücksetzer. Vor allem die stark gestiegenen Anleiherenditen belasteten, da sie Zweifel schürten, ob die Bundesregierung die aktuelle Aufrüstung überhaupt finanzieren kann.
Trotz berechtigter Sorgen jetzt Chance auf der Long-Seite
Zusätzlich wuchsen Bedenken, ob der Fokus auf landgestützte Kampfsysteme noch zum durch Drohnen geprägten Bedarf moderner Kriegsführung passt. Dass insbesondere die Aktie von Renk, einem Hersteller von Antriebssystemen für gepanzerte Fahrzeuge, wiederholt herabgestuft und mit niedrigeren Kurszielen versehen wurde, trug nicht dazu bei, diese These zu entkräften.
Erst zum Wochenende setzte eine überfällige Gegenbewegung ein. Rheinmetall entfernte sich klar von der 950-Euro-Marke – ein potenziell attraktiver Einstiegszeitpunkt! Geeignet ist er allerdings vor allem für risikobewusste, antizyklisch agierende Anlegerinnen und Anleger, wie der Blick auf den Chart nahelegt:
Die Verkaufsdynamik lässt spürbar nach
Seit der Ausbildung einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation im Vorjahr mit einem Hoch um 1.950 Euro befindet sich die Rheinmetall-Aktie in einem hartnäckigen Abwärtstrend, der rund 50 Prozent Kursverlust brachte. Technisch entspricht das einem Bärenmarkt; angesichts der Halbierung binnen weniger Monate ist der Begriff Crash nicht überzogen.
Damit wurden sowohl die zuvor technisch überdehnte Rallye als auch die aus dem Ruder gelaufene Bewertung deutlich bereinigt. In den letzten vier Monaten bewegte sich der Kurs überwiegend seitwärts in einer Spanne zwischen 950 und 1.250 Euro, was auch die nun flach verlaufende 50-Tage-Linie widerspiegelt. Die Ausgangslage hat sich damit verändert – auch, weil die Aktie den von Januar bis Juni bestehenden Abwärtstrendkanal verlassen hat.
Dreifachboden und bullishe Divergenzen
Obwohl in den vergangenen Wochen weitere Verluste überwogen, traf der Kurs im Bereich um 950 Euro nun bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit auf Kaufinteresse. Es liegt damit ein Dreifachboden vor – ein in der Chartanalyse als verlässlich geltendes Muster, das Käuferinnen und Käufer nun spielen könnten.
Die technischen Indikatoren senden zunächst gemischte Signale: Der Relative-Stärke-Index (RSI) hat den überverkauften Bereich erst jüngst verlassen und bleibt damit schwach. Der Trendindikator MACD liegt klar unter der Nulllinie und bestätigt den vorherigen Abwärtstrend.
30-Prozent-Rallye jetzt problemlos möglich
Gleichzeitig zeigen sich jedoch bullishe Divergenzen: Entgegen der schwachen Kursentwicklung haben beide Indikatoren Aufwärtstrends ausgebildet – ein frühes Indiz für potenzielle Trendwenden. Zusammen mit dem frischen Dreifachboden ergibt sich eine antizyklische Einstiegsgelegenheit.
Aufwärtschancen bestehen zunächst bis zur 50-Tage-Linie um etwa 1.087 Euro, wo ein erstes prozyklisches Kaufsignal möglich wäre, anschließend bis 1.250 Euro. Aus einer kurzfristigen Erholung könnte so ein mittelfristiger Aufwärtstrend entstehen. Allein der Anstieg bis in diese Widerstandszone entspricht einem Potenzial von über 30 Prozent.
Das aktuell vielversprechende Setup wäre hinfällig, falls die Kurse nachhaltig (mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unter 950 Euro fallen. Wer einen Long-Trade eingeht, sollte daher mit einem Stopp-Loss arbeiten; auf der Unterseite reichen potenzielle Ziele bis in die Unterstützungszone um 600 Euro.
Fazit: Moderate Bewertung – aber unter Gelingensvorbehalt
Nach den wochen- und monatelangen Rückgängen liegt das KGVe 2026 bei 28 – deutlich über dem internationalen Branchenschnitt. Für 2027 erscheint Rheinmetall mit einem erwarteten Gewinnvielfachen von knapp 19 hingegen wieder marktüblich. Der Kurssturz hat die Bewertung also spürbar normalisiert.
Damit diese Bewertung trägt, braucht es jedoch einen deutlichen operativen Fortschritt. Den hat das Unternehmen zuletzt vermissen lassen – ein Treiber der Kursmisere. Schon die nächsten Quartalszahlen könnten zum Prüfstein werden, ob Rheinmetall den Erwartungen inzwischen gerecht wird oder ob fundamental noch Abwärtsrisiken bestehen. Bis dahin spricht die jüngste technische Verbesserung für ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auf der Long-Seite.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
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