Deutsche Rüstungsaktien: heftige Rückschläge
In den vergangenen Wochen gerieten deutsche und europäische Verteidigungswerte stark unter Druck. Seit den Anfang Oktober markierten Rekordständen haben Titel wie Hensoldt, Renk und Rheinmetall jeweils über 30 Prozent an Wert eingebüßt.
Beim Augsburger Panzergetriebe-Spezialisten Renk summierten sich die Verluste auf dem Höhepunkt des Abverkaufs sogar auf fast 50 Prozent – de facto ein Crash. Gleichwohl steht seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von 182,0 Prozent zu Buche.
Renk nach dem Absturz: aktuelle Einordnung
Viele Anlegerinnen und Anleger sind erst deutlich später eingestiegen. Entsprechend sind Nervosität nach der jüngsten Talfahrt und die Hoffnung auf eine schnelle Gegenbewegung nachvollziehbar. Eine Chartanalyse soll den Zustand der Renk-Aktie beleuchten.
Nach Rekordrally folgte die Trendwende
Übergeordnet befindet sich die Aktie seit ihrem Börsendebüt im Februar des vergangenen Jahres in einem Aufwärtstrend. Zwar waren die zweiten Jahreshälften sowohl 2023 als auch 2024 von Rücksetzern geprägt, doch die Kaufdynamik von Januar bis Mai sowie ein kräftiger Schub im September sorgten wiederholt für neue Allzeithochs und damit für technische Kaufsignale.
Die Höchststände im September/Oktober hatten jedoch einen Haken: Sie wurden technisch nicht sauber bestätigt, da weder RSI noch MACD neue Hochs verzeichneten. Diese bärischen Divergenzen erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Wende – die sich mit den jüngsten kräftigen Verlusten nun manifestiert hat.
Erste Signale der Entspannung
Rund um 50 Euro traf die Renk-Aktie auf spürbares Kaufinteresse. Nach dem Rutsch unter die gleitenden Durchschnitte und damit unter wesentliche Unterstützungen hat sich kurzfristig ein Boden gebildet, begleitet von einer Bodenbildung im RSI.
Der Trendstärke-Indikator MACD markierte zwar ein weiteres Tief und bestätigte damit die jüngste Verkaufswelle. Mit dem Sprung über die Signallinie liegt jedoch ein erstes Entspannungssignal innerhalb des technisch weiterhin intakten Abwärtstrends vor – häufig ausreichend für eine Gegenbewegung und eine Erholung.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt die Aktie am vergangenen Freitag durch ein Branchen-Update der Bank of America, die in einer neuen Studie zum Kauf von Renk riet – den Luftverteidigungsspezialisten Hensoldt setzte sie hingegen auf die Abschussliste.
Kurzfristige Erholung möglich – neue Rekorde vorerst unwahrscheinlich
Damit ist eine kurzfristige Erholung denkbar, zunächst in Richtung der 200-Tage-Linie bei 61,53 US-Dollar. Auch die bei 65,94 Euro verlaufende 50-Tage-Linie sowie der Widerstand um 70 Euro sind in den kommenden Wochen realistische Ziele.
Eine rasche Rückkehr zu Rekordständen erscheint allerdings wenig wahrscheinlich: Zu viel technisches Porzellan wurde zuletzt zerschlagen – darauf weist die fallende 50-Tage-Linie hin, die in Kürze unter die 200-Tage-Linie rutschen und damit ein Verkaufssignal generieren dürfte.
Fazit: Hohe Bewertung, begrenztes Aufwärtspotenzial
Hinzu kommt die weiterhin sehr ambitionierte Bewertung. Für das laufende Jahr wird ein KGV von 48,1 erwartet, das 2025 auf 35,1 sinken soll. Der Branchendurchschnitt liegt bei 20,7. Technologisch führende Rüstungsunternehmen wie Northrop Grumman und Lockheed Martin sind für 2026e mit KGVs von 19,1 bzw. 15,5 zu haben.
Auch bei zahlreichen weiteren Kennzahlen schneidet Renk im Vergleich zur Konkurrenz deutlich schwächer ab. Aus fundamentaler Sicht sollten Investoren daher in den kommenden Jahren mit einem gemäßigteren Kursverlauf rechnen. Nach dem Platzen der jüngsten FOMO-Blase dürften die Aufstiegschancen der Aktie begrenzt bleiben.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross