Palantir übertrifft Q3-Erwartungen – hohe Bewertung schürt Skepsis
Robuste Kennzahlen im dritten Quartal 2025
Palantir Technologies Inc. (NYSE: PLTR), ein auf Datenanalyse-Software für Regierungs- und Sicherheitsbehörden spezialisiertes Unternehmen, legte für das dritte Quartal des Kalenderjahres 2025 Ergebnisse vor, die über den Analystenerwartungen lagen. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 21 US-Cent bei einem Umsatz von 1,18 Milliarden US-Dollar. Laut LSEG lag der Konsens bei 17 Cent je Aktie und 1,09 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Hervorstach insbesondere das US-Regierungsgeschäft: Die Erlöse stiegen um 52 % auf 486 Millionen US-Dollar. Konzernweit erhöhte sich der Umsatz im Jahresvergleich um 63 % – das neunte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum. Auch die operative Marge lag mit 51 % über den Erwartungen.
Ein maßgeblicher Treiber des Wachstumskurses ist ein Großauftrag der US-Armee über 10 Milliarden US-Dollar, der Palantirs Fähigkeit zur Abwicklung umfangreicher, strategischer Projekte unterstreicht.
Starke Zahlen, aber Kursrückgang und Bewertungszweifel
Trotz der positiven Resultate verlor die Palantir-Aktie am Dienstagmorgen rund 7 %. Zwar wird das operative Momentum anerkannt, doch viele Analysten halten die aktuelle Bewertung für überhitzt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 280 und einem Aufschlag von bis zu dem 157-Fachen des erwarteten Free Cash Flows für 2026 steht das Papier kritisch im Fokus.
Zum Vergleich: Der S&P 500 wird derzeit etwa mit dem 20-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet. Die Diskrepanz zeigt sich auch bei der Umsatzmultiplikation: Palantir wird aktuell zum 83-Fachen des für 2026 prognostizierten Umsatzes gehandelt.
Analystenstimmen im Überblick
Goldman Sachs – Neutral, Kursziel: 188 USD
Goldman Sachs bleibt bei einer neutralen Einstufung, hebt das Kursziel jedoch von 141 auf 188 US-Dollar an. Analystin Gabriela Borges verweist auf die gestiegenen Erwartungen nach einer Performance von +175 % seit Jahresbeginn. Trotz der soliden operativen Entwicklung sieht sie nur begrenztes weiteres Aufwärtspotenzial.
Citi – Neutral, Kursziel: 190 USD
Auch Citi bleibt bei einer neutralen Einschätzung. Die Analysten betonen das starke Wachstum beim Total (Total Aktie) Contract Value (TCV, +151 % gegenüber dem Vorjahr), halten den jüngsten Kursanstieg aber für weitgehend eingepreist.
Deutsche Bank – Halten, Kursziel: 200 USD
Die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) hebt die kräftige Umsatzdynamik hervor – besonders im US-Handelsbereich (+121 %). Das Kursziel wird von 160 auf 200 US-Dollar angehoben. Das Rating bleibt jedoch auf „Halten“, da die Bewertung als ambitioniert gilt.
Jefferies – Underperform, Kursziel: 70 USD
Jefferies zeigt sich trotz der starken operativen Entwicklung sehr skeptisch. Das Kursziel steigt zwar von 60 auf 70 US-Dollar, bleibt jedoch deutlich unter dem aktuellen Niveau. Analyst Brent Thill verweist auf ein ungünstiges Chance-Risiko-Profil angesichts der 83-fachen Umsatzbewertung für 2026.
Baird – Neutral, Kursziel: 200 USD
Baird erhöht das Kursziel auf 200 US-Dollar, bleibt aber bei einem neutralen Votum. Positiv hervorgehoben werden das Wachstum im Regierungsbereich (+121 %) und die operative Marge von 53 % für das vierte Quartal.
Morgan Stanley – Gleichgewichtet, Kursziel: 205 USD
Morgan Stanley hält an der Einstufung „gleichgewichtet“ fest. Analyst Sanjit Singh erwartet für das vierte Quartal ein weiteres Umsatzwachstum von +61 % und betont die starke Dynamik beim Auftragseingang.
UBS – Neutral, Kursziel: 205 USD
UBS bleibt trotz operativer Stärke bei einer neutralen Einschätzung. Die Analysten heben hervor, dass Palantir derzeit ein in dieser Form beispielloses Umsatztempo erreicht, zeigen sich jedoch aufgrund der hohen Bewertung (157-facher erwarteter Free Cash Flow für 2026) zurückhaltend.
Bank of America – Kaufen, Kursziel: 255 USD
Die Bank of America bleibt eine der wenigen optimistischen Stimmen. Die Analysten sehen Palantir als führenden Enabler für KI-Anwendungen und betonen das Margenwachstum sowie zunehmende Netzwerkeffekte. Das neue Kursziel von 255 US-Dollar impliziert ein Aufwärtspotenzial von über 20 %.
CEO Alex Karp sorgt erneut für Schlagzeilen
Während der Analystenkonferenz zur Quartalsmitteilung machte CEO Alex Karp mit markigen Aussagen auf sich aufmerksam. In gewohnt provokativer Manier sagte Karp, Kritiker sollten sich „Popcorn holen und zusehen, wie sie weinen“, da Palantir weiter wachse und „außerordentlich gut für Amerika“ sei.
In seinem schriftlichen Quartalsbrief zitierte er den irischen Dichter W. B. Yeats und sprach sich gegen einen „neutralisierten und hohlen Pluralismus“ aus. Das ist erneut ein deutliches politisches Statement – und stärkt die Wahrnehmung des Unternehmens als ideologisch aufgeladenen Akteur im Technologiesektor.
Auch zu kontroversen Mandaten bezog Karp Stellung. Palantir arbeitet weiterhin mit der US-Einwanderungsbehörde ICE sowie mit israelischen Behörden. Nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 unterstützte Palantir Israel mit Softwarelösungen und bekannte sich öffentlich zu der Partnerschaft.
Laut Karp führte die politische Positionierung zu personellen Abgängen, die man jedoch in Kauf nehme. „Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, dann arbeiten Sie bitte nicht hier“, so Karp.
Fazit: Operativ stark, Bewertung bleibt anspruchsvoll
Palantir liefert beeindruckende operative Ergebnisse. Die Kombination aus kräftigem Umsatzwachstum, hoher Marge und großen Regierungsaufträgen festigt die Marktposition des Unternehmens.
Gleichzeitig mahnen viele Analysten zur Zurückhaltung. Angesichts des Marktumfelds und der hohen Multiplikatoren auf Gewinn und Umsatz wirkt die Bewertung überzogen. Eine Korrektur oder zumindest eine Seitwärtsphase erscheint aus Sicht zahlreicher Beobachter wahrscheinlicher als ein anhaltender Kursanstieg.