Nicolas Ebert liefert prägnante Nachrichten mit sicherem Gespür für die Themen, die die Märkte bewegen. Nach mehr als sechs Jahren bei wallstreetONLINE und ariva.de ist die Finanzwelt für den Berliner längst Heimspiel. Seine Beiträge reichen von Value-Werten und den Börsen in Asien über US-Big-Tech bis hin zu aktuellen Spitzenreitern auf dem globalen Parkett. So entstehen fundierte News, die Anlegern Orientierung geben.
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Quantencomputer nähern sich dem praktischen Einsatz. Regierungen und Technologiekonzerne investieren Milliarden in die Entwicklung. Für Bitcoin könnte ein echter Durchbruch sogar zur Existenzfrage werden.
Kurz zusammengefasst:
Der Wettbewerb um Quantencomputing beschleunigt sich. Was einst ein theoretisches Konzept der Physik war, rückt näher an kommerzielle Anwendungen. Jüngste Fortschritte schüren die Hoffnung, dass Quantenrechner Probleme lösen, an denen klassische Computer scheitern.
Ihre Stärke liegt bei hochkomplexen Systemen mit vielen Variablen. Quantencomputer können Moleküle simulieren und damit die Entwicklung neuer Medikamente vorantreiben. Auch Finanzmodelle, Marktprognosen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz könnten messbar profitieren.
Google meldete 2024 einen Meilenstein: Der Quantenprozessor Willow habe binnen fünf Minuten eine Aufgabe gelöst, für die klassische Supercomputer laut Konzernangaben selbst seit dem Urknall nicht genug Zeit hätten. Parallel arbeiten IBM, Amazon, D-Wave, Microsoft, Intel und zahlreiche Start-ups an eigenen Systemen.
Mehrere Unternehmen peilen bis zum Ende des Jahrzehnts praxistaugliche Quanten-Supercomputer an. Der Weg bleibt jedoch steinig: Qubits sind fehleranfällig, verlieren leicht ihre Kohärenz und benötigen meist extrem niedrige Temperaturen.
Die größte Hürde ist die Skalierung. Forschende gehen davon aus, dass verlässlich nutzbare Quantencomputer Millionen, womöglich sogar Milliarden Qubits benötigen. Der aktuelle Rekord liegt laut Bloomberg bei 6.100 vernetzten Qubits und wurde von Forschenden am California Institute of Technology erzielt.
Der geopolitische Wettlauf spitzt sich zu
Die Vereinigten Staaten, Europa und China ringen um die Führungsrolle. China finanziert ein nationales Labor für Quanteninformationswissenschaften mit 10 Milliarden US-Dollar. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete im Juni zwei Anordnungen, um Quantentechnologien schneller voranzubringen und Risiken für die Cybersicherheit zu begrenzen.
Auch Europa legt nach. Die Europäische Union plant einen Fonds über fünf Milliarden Euro zur Förderung von Quanten-Start-ups und anderer kritischer Technologien. Großbritannien will in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Pfund in die Quantenforschung investieren.
Auch militärisch ist die Technologie bedeutsam. Quantensensorik und -navigation können präzisere Messungen ermöglichen – etwa für Zielerfassung, Navigation und die Ortung von U-Booten. Entsprechend stufen Regierungen Quantencomputing zunehmend als strategische Schlüsseltechnologie ein.
Besonders heikel ist das Thema Verschlüsselung. Leistungsfähige Quantenrechner könnten klassische Kryptosysteme brechen. Eine Google-Studie kam im März zum Ergebnis, dass weniger als eine halbe Million Qubits ausreichen könnten, um die Kryptografie hinter Bitcoin zu knacken. Noch ist das nicht unmittelbar in Reichweite – Vorbereitungen bei Regierungen und Unternehmen laufen dennoch.
Erste Anwendungen entstehen bereits. Über die cloudbasierte Quantum Platform von IBM arbeiten Forschende mit Maschinen jenseits der 100-Qubit-Marke. Konzernchef Arvind Krishna betonte sinngemäß, dass die Kombination aus Quantenrechnern und neuen Algorithmen die Modellierung von Proteinkomplexen ermöglicht, die sonst nicht berechenbar wären.
Auch die Finanzbranche experimentiert. Forschende der Bank HSBC meldeten im September, sie hätten mit einer Quantenmaschine die Vorhersage verbessert, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Anleihe zu einem bestimmten Preis gehandelt wird – um rund ein Drittel.
Für Anleger bleibt Quantencomputing damit eine langfristige Wette auf die Zukunft. Das Feld verspricht Durchbrüche in Medizin, Finanzmärkten, Sicherheit und Künstlicher Intelligenz. Noch fehlen jedoch stabile, skalierbare und wirtschaftlich tragfähige Systeme. Der Wettlauf ist eröffnet – entschieden ist er noch nicht.
Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion
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