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Die Vereinigten Staaten pumpen Milliardenbeträge ins Quantencomputing. Papiere von IBM, Rigetti und D‑Wave ziehen kräftig an. Hinter dem Kurssprung steht jedoch eine spekulative Wette auf den nächsten Technologiesprung.
Kurz zusammengefasst:
Washington will die Entstehung einer eigenen Quantencomputer-Industrie deutlich beschleunigen. Neun Unternehmen aus dem Bereich sollen zusammen 2 Milliarden US‑Dollar an Fördermitteln erhalten. Das US-Handelsministerium will damit eine Schlüsseltechnologie stützen, die für Wirtschaft, Wissenschaft und nationale Sicherheit immer bedeutender werden dürfte.
An den Börsen sorgte die Meldung für eine deutliche Rally. IBM, IonQ, Rigetti Computing, D‑Wave Quantum und Infleqtion legten jeweils zweistellig zu.
Der Fokus der Initiative liegt auf IBM
Gemeinsam mit dem Handelsministerium will der Konzern eine neue Gesellschaft namens Anderon gründen. Diese soll als unabhängige Quanten-Foundry aufgebaut werden und die Fertigung künftiger Quantenprozessoren beschleunigen. IBM und das Ministerium planen jeweils 1 Milliarde US‑Dollar in bar bereitzustellen. Zusätzlich steuert IBM geistiges Eigentum, Vermögenswerte und Expertenteams bei.
IBM-Forschungschef Jay Gambetta spricht von einem Wendepunkt für die Branche. Jährlich müssten neue Quantenchips entwickelt werden – dafür sei eine verlässliche industrielle Fertigungsbasis entscheidend.
Die Programme gehen teils über klassische Zuschüsse hinaus. Bei mehreren Firmen erhält die Regierung Beteiligungen. D‑Wave soll Stammaktien im Wert von 100 Millionen US‑Dollar an das Handelsministerium ausgeben. Auch Rigetti und Infleqtion haben Absichtserklärungen über jeweils 100 Millionen US‑Dollar unterzeichnet. Die Mittel stammen aus dem Chips and Science Act von 2022.
Needham-Analyst Quinn Bolton wertet die Unterstützung als wichtigen Rückenwind für Rigetti – vor allem für die Skalierungsroadmap. IonQ gilt unterdessen als der nach Marktkapitalisierung größte reine Quantenwert an der Börse. Vorstandschef Niccolo de Masi hatte das Unternehmen bereits als eine Art „Nvidia“ der Quantenbranche bezeichnet.
Die Erwartungen sind hoch, weil Quantencomputer langfristig Probleme adressieren könnten, an denen klassische Rechner scheitern. Mögliche Anwendungen reichen von Wirkstoff- und Materialforschung über Energie und Logistik bis hin zur Finanzmodellierung. Wahrscheinlicher als ein kompletter Ersatz klassischer Computer ist jedoch ein hybrides Zusammenspiel aus konventionellen Systemen und Quantentechnik.
Für Anleger bleibt der Bereich riskant. Viele reine Quantenfirmen schreiben noch Verluste und verbrauchen Kapital, während die Bewertungen sehr hoch sind. IBM wird dem vorliegenden Material nach mit dem 2,9‑Fachen des erwarteten Umsatzes gehandelt, Rigetti mit dem 746‑Fachen und D‑Wave mit dem 268‑Fachen.
Barclays sieht 2027 als mögliches Schlüsseljahr, in dem Quantensysteme erstmals einen messbaren Vorsprung gegenüber klassischen Computern liefern könnten. Fehlertolerante Systeme könnten demnach bis 2030 folgen. Google (Alphabet A Aktie) hat den erwarteten Zeitpunkt für den sogenannten Q‑Day zuletzt auf 2029 datiert.
Die staatliche Unterstützung macht deutlich, welchen strategischen Stellenwert Quantencomputing für die USA hat. Für Investoren bleibt es dennoch eine Wette auf morgen. IBM gilt als defensiverer Zugang; Spezialwerte wie IonQ, Rigetti, D‑Wave und Infleqtion versprechen mehr Upside, gehen aber mit deutlich höheren Schwankungen einher.
Autor: sbh-Redaktion/neb
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