Milliardenprojekte für Rechenzentren sind ins Stocken geraten. Teure Kredite und fehlende Stromkapazitäten dämpfen genau die Infrastruktur, die Russland für den Ausbau von KI dringend benötigt.
Die wichtigsten Punkte kurz gefasst:
- Seit Beginn des Ukraine-Kriegs stoppt der Kreml immer wieder Bauvorhaben für Rechenzentren.
- Hauptgründe sind überhöhte Finanzierungskosten und Stromknappheit.
- Beide Faktoren hängen unmittelbar mit dem Krieg zusammen.
Russland muss KI-Pläne vorerst zurückstellen
Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Tekhexpo und der Forschungsgruppe PKR zeigt, warum zahlreiche Projekte auf Eis liegen: Neben übermäßigen Kreditkosten belasten wachsende Engpässe bei der Stromversorgung die Vorhaben. In Russland sollen derzeit 128 Rechenzentren existieren – in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.
Bis Juni 2026 sollen sich die vorgesehenen Investitionen auf rund eine Billion Rubel summieren. Demnach sind 42 Projekte aktiv im Bau – darunter Anlagen, die von Technologieunternehmen und staatlich unterstützten Firmen entwickelt werden.
Russland will zwar ebenfalls in Künstliche Intelligenz investieren, um gegenüber den westlichen Mächten und China nicht den Anschluss zu verlieren, doch diese Ambitionen stoßen auf Engpässe der russischen Infrastruktur. Branchenvertreter warnen, die steigenden Finanzierungskosten und der begrenzte Zugang zu Strom machten viele Projekte wirtschaftlich nicht tragfähig.
„Geschäftsmodell funktioniert nicht”: Zinsen zu hoch
Die Zahl der Vorhaben mit laufender Bautätigkeit soll zwischen Mai 2023 und Mai 2026 um 41,6 Prozent gesunken sein. Die Investitionen in diese Projekte nahmen um 26,3 Prozent ab.
„Gleichzeitig bleibt unklar, wie die Aufgabe der Entwicklung einer unabhängigen KI bewältigt werden kann, insbesondere da derzeit Rechtsvorschriften zur künstlichen Intelligenz verabschiedet werden“, sagte Filipp Vratskikh, CEO von Tekhexpo, gegenüber „Forbes“.
Besonders stark unter Druck geraten den Studienautoren zufolge kommerzielle Rechenzentren. Sie sind stark von privatem Kapital und Bankfinanzierungen abhängig. Trotz der jüngsten Zinssenkung der russischen Zentralbank bleiben die Konditionen schwierig. „Bei solchen Zinssätzen funktioniert das Geschäftsmodell oft schlichtweg nicht”, sagt Stanislaw Mirin, Analyst der Beratungsfirma iKS-Consulting.
Hohe Kreditkosten bremsen Russlands Wirtschaft
Sowohl die hohen Finanzierungskosten als auch die Energieengpässe lassen sich auf den von Russland begonnenen Ukraine-Krieg zurückführen.
- Finanzierungskosten: Vor allem staatlich begünstigte Kredite spielen hier eine riskante Rolle. Nach Kriegsbeginn unterstützte die Regierung einen „signifikanten“ Anteil der Unternehmen mit subventionierten Darlehen – teils zu Konditionen, die der Markt eigentlich nicht vorgesehen hätte. „Diese Vorzugs-Kreditprogramme haben die Zentralbank dazu gezwungen, die Leitzinsen stärker hochzudrehen als es unter normalen Umständen passiert wäre“, schreibt der Thinktank Atlantic Council dazu.
- Energie: Der Netzanschluss der Einrichtungen erweist sich als großes Hindernis. Wartezeiten von mehr als einem Jahr sind üblich. Im Großraum Moskau gilt es für Investoren praktisch als unmöglich, eine Lizenz für die Anbindung zu erhalten. Viele Städte verfügen kaum über freie elektrische Kapazitäten – geschweige denn über Reserven für stromintensive KI-Rechenzentren.
Putin kürzt an mehreren Fronten
Die KI-Rechenzentren reihen sich in weitere Projekte und Maßnahmen ein, die Wladimir Putin in den vergangenen Jahren zurückfahren musste. Ob Subventionen für die wichtige Kohlebranche oder Investitionen in Bau, Luftfahrt und Autoindustrie: Der Staatskasse in Moskau gehen die Mittel aus.
Genau darauf zielten die westlichen Industriestaaten ab, als sie Russlands zentralen Energiesektor sanktionierten. Üblicherweise nimmt Russland aus dem Verkauf von Öl und Gas viele Milliarden US-Dollar ein. Nach der Invasion in die Ukraine ist das jedoch deutlich schwieriger geworden. Zwar rühmte sich der Kreml früh, zahlreiche Sanktionen zu umgehen, doch das kostet erheblich mehr Geld, als einfach über Nordstream Millionen Kubikmeter Gas nach Deutschland zu liefern.