Die Experten des Börsendienstes Index-Radar fassen es so zusammen: Geopolitisch bleibt die Lage angespannt, doch an den Finanzmärkten überwiegt auffällige Ruhe. Während politische Risiken die Schlagzeilen dominieren, steigen die Indizes auf Rekordstände. Ihrer Einschätzung nach stützen drei Treiber die Kauflaune: Technologie, Rüstungswerte und ein Ölmarkt, der – um die Ecke gedacht – der Geldpolitik mehr Spielraum verschafft.
Hintergrund: Sollte die weitgehend brachliegende Ölindustrie Venezuelas wiederbelebt werden, könnten die Ölpreise weiter nachgeben. Das würde die Inflation dämpfen, da Öl (Rohöl) Grundstoff vieler Produkte ist. Notenbanken wie die US‑Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) erhielten damit zusätzlichen Spielraum für weitere Zinssenkungen.
Mit Blick auf die USA erwarten Fachleute im Jahresverlauf ohnehin weitere Zinssenkungen, während die EZB ihr Ziel vorerst erreicht haben dürfte. Die eher niedrigen Zinsen, mit denen die Eurozone in das von Konjunkturhoffnungen geprägte Jahr 2026 startet, kommen Staat und Unternehmen entgegen.
Eine Schlüsselrolle spielt in diesem Umfeld die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, erklärt Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland bei Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) Research. Die Zinssenkungen der EZB seien abgeschlossen, zusätzliche expansive Impulse der Geldpolitik seien vorerst nicht zu erwarten. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität müsse zielgerichtet eingesetzt werden, um langfristige Wachstumseffekte zu erzielen. Nach Jahren der Stagnation zeichne sich 2026 gleichwohl eine Erholung der deutschen Wirtschaft ab.
| Strategie | Hebel | |||
| Steigender Kurs |
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5
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10
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15
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| Fallender Kurs |
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5
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10
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15
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, DE000VK8X5L0
, DE000VH9JLV0
, DE000VH4ATL4
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In dieselbe Richtung argumentiert Aktienmarktstratege Mislav Matejka von JPMorgan. Nach der Verschnaufpause an Europas Börsen zum Jahresende 2025 blickt er optimistisch auf das erste Halbjahr. Die deutschen Konjunkturstimuli dürften zunehmend Wirkung entfalten. Zudem hätten manche Investoren mögliche Zweitrundeneffekte einer Belebung der chinesischen Wirtschaft für europäische Unternehmen noch nicht auf dem Radar – profitieren dürften nicht nur Bergbaukonzerne.
Rückenwind könnte auch ein Waffenstillstand im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bringen, so Matejka. Ein solcher Schritt in Richtung Kriegsende würde die Energiepreise drücken und die allgemeine Aktienstimmung verbessern. Viele Experten verweisen dabei auf den Wiederaufbau zerstörter ukrainischer Infrastruktur sowie zahlreicher Städte und Dörfer. Bauunternehmen sowie Hersteller von Baustoffen und Energietechnik könnten zu den Gewinnern zählen.
Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank gibt sich grundsätzlich zuversichtlich, mahnt aber, die Risiken nicht auszublenden. Der laufende Umbau der Weltwirtschaft löst enorme Investitionen aus. Das reicht von staatlichen Infrastrukturprogrammen bis zum weltweiten Technologiewettlauf um die beste Künstliche Intelligenz (KI). Das treibt Innovationen, Wachstum und Unternehmensgewinne – zugleich können neue geopolitische Rivalitäten schnell zu Stolpersteinen für die Weltwirtschaft werden.
Entsprechend reicht die Liste der Risiken laut Kater von weiteren militärischen Konflikten bis zu einer ausufernden Kreditvergabe an Technologiefirmen. Sollte eines dieser Risiken erneut Lieferketten oder die Konsumnachfrage beeinträchtigen, dürften Aktienmärkte auch wieder nach unten ausschlagen.
Wie anfällig globale Lieferketten sind, zeigte jüngst der Streit um die Versorgung mit Seltenen Erden. China nutzt seine dominierende Rolle beim Abbau dieser für moderne Technologien wichtigen Rohstoffe in Handelskonflikten mit den USA und der EU immer wieder als Druckmittel. Und auch die US‑Zollpolitik unter Präsident Donald Trump dürfte erratisch bleiben.
Zudem könnte China in der Taiwan-Frage die Gangart verschärfen, was eine Eskalation mit den USA nach sich ziehen würde. In der Folge wären auch für europäische Unternehmen globale Lieferketten bedroht. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bekräftigte in seiner Neujahrsansprache den Anspruch auf eine Wiedervereinigung mit Taiwan.
Für Unruhe sorgen darüber hinaus die USA mit von Trump angemeldeten Besitzansprüchen auf die rohstoffreiche, zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland. Die EU sowie zahlreiche europäische Staaten kritisieren dieses Ansinnen. Trump hatte zeitweise über einen Kauf Grönlands gesprochen, aber auch den Einsatz des US‑Militärs nicht ausgeschlossen.
Bei allem Optimismus in Sachen Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und dem Umbau der Weltwirtschaft sollten sich Anleger 2026 auf größere Schwankungen am Aktienmarkt einstellen. Insgesamt sind Experten jedoch zuversichtlich für das laufende Jahr. Nach aktuellen Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg sehen Strategen großer Banken und Investmenthäuser den Dax Ende 2026 im Durchschnitt bei 26.350 Punkten, für den marktbreiten Stoxx Europe 600 liegt der Mittelwert bei 620 Punkten. Das entspräche – ausgehend von den aktuellen Ständen – Zuwächsen von rund fünf beziehungsweise rund drei Prozent./mis/ck/zb
— Von Michael Schilling, dpa-AFX —