Über die Hälfte der Beschäftigten rechnet damit, dass beim Berufseinstieg künftig KI-Know-how vorausgesetzt wird. Zugleich fallen ausgerechnet die Tätigkeiten weg, an denen Einsteiger bisher gelernt haben.
Prompten, recherchieren, automatisieren: Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz künftig im Job spielen? Laut einer repräsentativen Befragung der IU Internationalen Hochschule in Erfurt gehen etwas mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen davon aus, dass KI-Fähigkeiten zur zentralen Eintrittsvoraussetzung werden.
54,9 Prozent der Teilnehmenden bestätigten, dass einschlägige Expertise für Berufseinsteiger in zahlreichen Berufsfeldern zur Basisanforderung wird. Etwa ein Viertel widersprach eher oder vollständig. 18,7 Prozent konnten hierzu keine Einschätzung abgeben.
KI kann den Berufseinstieg zugleich beschleunigen und erschweren
Für die Studie „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ wurden 2.000 Erwerbstätige in Deutschland im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt – repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Der Erhebungszeitraum lag zwischen dem 31. März und dem 14. April.
„Ein Paradox: KI kann den Einstieg ins Berufsleben zugleich erleichtern und schwieriger machen“, so Anne Gfrerer, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule. Einerseits unterstütze sie junge Beschäftigte dabei, schneller anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen. Andererseits verschwänden gerade Routinearbeiten wie Recherche oder Präsentationserstellung, über die viele bislang ihre erste Praxis sammelten.
Deshalb dürften Berufseinsteiger nicht aus dem Blick geraten – vielmehr müssten ihnen Möglichkeiten eröffnet werden, praktische Erfahrungen zu sammeln und parallel ihre KI-Kompetenzen auszubauen, forderte Gferer.
Ob KI vermehrt Tätigkeiten von Berufseinsteigern übernimmt, dazu zeigte sich in der Befragung kein klarer Trend: Rund 41 Prozent stimmten zu, etwa genauso viele lehnten dies ab. Gut jeder Sechste antwortete mit „Kann ich nicht beurteilen“.
Wie werden KI-Weiterbildungen genutzt?
Nach der Erhebung nutzen Unternehmen interne KI-Schulungen nicht flächendeckend: 43,9 Prozent hatten in den zwölf Monaten vor der Befragung keinerlei Arbeitszeit in entsprechende Weiterbildungen zu KI-Tools investiert. 14,9 Prozent wandten bis zu zwei Stunden auf, rund jede bzw. jeder Zehnte drei bis fünf Stunden. 14,3 Prozent gaben an: „Betrifft mich nicht“.
Unter den Personen ohne entsprechenden Zeitaufwand hielt knapp die Hälfte eine Vertiefung der KI-Kenntnisse für nicht nötig. Weitere genannte Gründe: Das Unternehmen wünsche keine Weiterbildung (24,0 Prozent), es fehle an passenden Angeboten (21,6 Prozent), es gebe keine Informationen dazu (21,8 Prozent) oder es mangele an Zeit (20,6 Prozent).