Nvidia legt beim Umsatz um das Doppelte zu und kalkuliert erstmals mit Quartalserlösen von über 100 Milliarden US-Dollar. Weshalb die Aktie nach Handelsschluss dennoch nach unten tendiert.
Nvidia hat die bereits sehr ambitionierten Prognosen der Wall Street abermals übertroffen. Der KI-Spezialist verdoppelte den Umsatz im Quartal und signalisiert für das laufende Vierteljahr erstmals Einnahmen deutlich über 100 Milliarden US-Dollar. Dennoch rutschte die Aktie nachbörslich zunächst um über ein Prozent ab. Das verdeutlicht: Selbst Rekordergebnisse sorgen bei Nvidia nicht mehr automatisch für Kursanstiege.
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 106 Prozent auf 96,2 Milliarden US-Dollar, wie Nvidia mitteilte. Der Konsens der Analysten lag bei rund 92,2 Milliarden US-Dollar. Selbst die eigene Zielmarke von 91 Milliarden US-Dollar wurde klar überboten.
Der bereinigte Gewinn je Aktie belief sich auf 2,22 US-Dollar und lag damit über den erwarteten 2,09 US-Dollar. Nach den offiziellen Rechnungslegungsstandards erzielte Nvidia unterm Strich 59,7 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rechenzentren von Nvidia erzielen 89 Milliarden US-Dollar Umsatz
Größter Wachstumsmotor ist weiterhin das Geschäft mit Rechenzentren. Deren Erlöse schnellten binnen eines Jahres um 117 Prozent auf 89 Milliarden US-Dollar nach oben. Inzwischen stammen damit über 92 Prozent des Gesamtumsatzes aus Rechenzentrumstechnologie.
Treiber sind vor allem die weiterhin hohen Investitionen großer Tech-Konzerne und KI-Entwickler. Sie benötigen Nvidias Chips und komplette Systeme, um immer größere KI-Modelle zu trainieren und anschließend zu betreiben.
Nvidia-Chef Jensen Huang sieht die Branche an einem Wendepunkt: Künstliche Intelligenz leiste bereits produktive Arbeit, während der Bedarf an Rechenleistung weiter wachse. Die neue Vera-Rubin-Plattform befinde sich bereits in der Serienproduktion.
Neben dem rasanten Wachstum behauptet Nvidia seine außergewöhnlich hohe Profitabilität. Die Bruttomarge lag bei 75 Prozent – das heißt: Von 100 US-Dollar Umsatz bleiben nach Abzug der direkten Herstellungskosten 75 US-Dollar übrig.
Nvidia peilt 108 Milliarden US-Dollar Umsatz an
Auch der Ausblick fiel besser aus als erwartet. Für das laufende dritte Geschäftsquartal avisiert Nvidia rund 108 Milliarden US-Dollar Umsatz, mit einer Abweichung von zwei Prozent nach oben oder unten. Analysten hatten zuvor knapp 105 Milliarden US-Dollar erwartet.
Damit würde Nvidia erstmals die Schwelle von 100 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Quartals überschreiten. Gegenüber dem Vorjahreswert von 57 Milliarden US-Dollar entspräche das einem Wachstum von rund 89 Prozent.
In der Prognose sind weiterhin keine Umsätze mit Rechenzentrumschips in China einkalkuliert. Sollten sich die Exportbedingungen verbessern und Nvidia dort wieder größere Mengen verkaufen können, ergäbe sich zusätzliches Potenzial. Zugleich bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China ein schwer kalkulierbares Risiko.
Die Bruttomarge soll im laufenden Quartal leicht auf rund 74 Prozent sinken. Das Hochfahren der neuen Chipgeneration mit zunächst höheren Produktionskosten könnte die Profitabilität vorübergehend belasten.
Warum die Nvidia-Aktie dennoch fällt
Trotz der sehr starken Zahlen gab die Nvidia-Aktie nachbörslich zunächst um rund 1,3 Prozent nach. Der Rückgang dürfte weniger auf operative Schwächen als auf die außergewöhnlich hohen Erwartungen der Anleger zurückzuführen sein.
Nvidia hat Umsatz und Gewinn in den vergangenen Jahren häufig stärker gesteigert als prognostiziert. Ein Übertreffen der Analystenschätzungen gilt daher mittlerweile fast als Mindestanforderung. Entscheidend ist nicht mehr nur, ob Nvidia die Erwartungen schlägt, sondern wie deutlich.
Für Anleger bleibt die Botschaft dennoch klar: Eine Abschwächung des weltweiten Ausbaus der KI-Infrastruktur ist bislang nicht zu erkennen. Umsatz, Gewinn und Nachfrage wachsen weiter dynamisch. Die verhaltene Kursreaktion unterstreicht jedoch, wie viel dieses Wachstum in der auf mehrere Billionen US-Dollar bewerteten Aktie bereits eingepreist ist. Weitere Kurszuwächse dürften daher zunehmend davon abhängen, ob Nvidia das enorme Tempo auch 2027 durchhält und gleichzeitig seine hohen Margen verteidigen kann.