Nvidia, Bitcoin und Gold scheinen auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Investments zu sein. Doch aus kleinen Beimischungen kann im Nu eine riskante Spekulation werden. Darauf sollten Anlegerinnen und Anleger achten.
KI-Aktien, Bitcoin und Gold zählen derzeit zu den meistdiskutierten Anlageklassen. Wenn alle drei Felder parallel gut laufen, liegt der Gedanke nahe: Von jedem etwas ins Depot. Das ist grundsätzlich vernünftig – heikel wird es, wenn aus dem „bisschen“ nach und nach eine dominierende Position wird.
Jürgen Kob beschäftigt sich seit über 35 Jahren professionell mit Kapitalanlagen und Finanzmärkten. Heute fokussiert er sich als Vermögensverwalter und Finanzautor insbesondere auf Anlegerverhalten, Anlageprodukte und Kryptowährungen. Er gehört zu unserem Expertennetzwerk EXPERTS Circle.
Erst Nvidia, dann Bitcoin, dazu vielleicht ein Gold-ETF – so wirkt ein Portfolio auf den ersten Blick breit aufgestellt. Ob das wirklich zutrifft, ist jedoch fraglich. Denn drei verschiedene Titel oder Kategorien bedeuten noch keine echte Risikostreuung.
Trends kommen selten allein
Besonders gut zeigt sich das aktuell bei KI-Aktien. Wer Nvidia, Microsoft und einen Technologie-ETF kauft, glaubt möglicherweise, drei unterschiedliche Positionen zu halten. Tatsächlich hängen jedoch alle stark von derselben Entwicklung ab. Stockt der KI-Boom oder erfüllen sich die hohen Erwartungen nicht, geraten mehrere Depotbausteine gleichzeitig unter Druck.
Ähnlich verhält es sich bei Krypto. Wer Bitcoin, Ethereum und Solana hält, besitzt zwar drei verschiedene Coins – in schwachen Marktphasen verlieren sie jedoch oft gleichzeitig deutlich, sodass die vermeintliche Streuung wenig nützt.
Gold darf unspektakulär sein
Gold erfüllt eine andere Funktion. Das Edelmetall dient seit Jahrzehnten als Absicherung und kann in turbulenten Börsenphasen Stabilität ins Depot bringen. Seine Stärke zeigt es häufig dann, wenn andere Märkte schwächeln. Deshalb muss Gold in einem Portfolio nicht zwingend der Renditetreiber sein.
Allerdings steigt auch Gold nicht automatisch – und schon gar nicht in jedem Jahr. Wer nach kräftigen Kursanstiegen plötzlich 20 bis 30 Prozent seines Vermögens in Gold hält, macht aus einer Absicherung schnell eine Wette auf weiter steigende Preise.
Genau hier stellt sich für mich die zentrale Frage: Wie viele solcher Wetten braucht es in einem Depot wirklich?
Aus wenig wird schnell viel
Beispiel: Ein Depot umfasst 100.000 Euro. Davon fließen 10.000 Euro in KI-Aktien, 10.000 Euro in Kryptowährungen und 10.000 Euro in Gold. Damit sind bereits 30 Prozent in drei momentan besonders populären Bereichen gebündelt. Das kann gut gehen, solange die Trends anhalten – hat in meinen Augen aber wenig mit einem klassischen, breit diversifizierten Portfolio zu tun.
Gerade bei Krypto würde ich klare Obergrenzen festlegen. Für jüngere Anleger können insgesamt fünf bis maximal zehn Prozent vertretbar sein. Bei älteren Anlegern halte ich bis zu fünf Prozent für angemessen.
Gold als „Sicherer Hafen“ kann durchaus mit bis zu 15 Prozent im Depot vertreten sein. Entscheidend ist die langfristige Perspektive – Gold sollte grundsätzlich nicht als reines Spekulationsvehikel genutzt werden.
Für KI-Aktien ist eine feste Quote schwieriger zu definieren. Nvidia oder Microsoft sind schließlich Einzelunternehmen und keine eigene Anlageklasse. Wer bereits einen breit gestreuten Aktien-ETF besitzt, hat diese Schwergewichte oft ohnehin mit an Bord.
Zuerst prüfen, ob der Titel schon im ETF steckt
Wer zusätzlich einzelne KI-Werte kauft, sollte daher zunächst analysieren, wie viel KI-Exposure bereits im Depot vorhanden ist. Andernfalls kauft man womöglich immer wieder dieselbe Story – nur in neuer Verpackung.
Grundsätzlich gilt für alle drei Bereiche: Entscheidend ist weniger, ob KI, Bitcoin oder Gold gute Perspektiven haben, sondern welche konkrete Aufgabe die jeweilige Position im eigenen Portfolio erfüllen soll.
Bei Bitcoin könnten es die langfristigen Ertragschancen sein. Gold kann zur Glättung von Schwankungen beitragen. KI-Aktien ermöglichen die Beteiligung an einer technologischen Entwicklung, die unsere Wirtschaft in den kommenden Jahren stark prägen dürfte. Alles nachvollziehbare Argumente – aber kein Grund, damit die Hälfte des Depots zu bestücken.
Ein Depot muss nicht jedem Trend hinterherlaufen
Viele Anlegerinnen und Anleger haben das Gefühl, bei jeder Erfolgsstory dabeisein zu müssen: Steigt Bitcoin, muss Bitcoin her. Eilt Nvidia von Rekord zu Rekord, braucht es eine KI-Aktie. Erreicht Gold neue Höchststände, fehlt plötzlich noch Gold. So wächst das Depot schrittweise – bis man merkt, dass die einstigen Beimischungen längst einen großen Anteil des Vermögens ausmachen.
Meiner Ansicht nach ist es daher sinnvoller, nicht zuerst der nächsten Renditewelle hinterherzujagen, sondern das bestehende Portfolio kritisch zu prüfen. KI, Krypto und Gold können alle ihren Platz haben – auch gleichzeitig.
Wenn jedoch jede neue Börsenstory automatisch in eine weitere Position mündet, wird aus Diversifikation schnell Spekulation. Das bemerkt man häufig erst schmerzhaft beim nächsten größeren Rücksetzer.