Ein norwegischer Geschäftsmann häuft mit einer unscheinbaren Inkasso-Aktie ein großes Vermögen an. Für Privatanleger ist dieser Erfolg jedoch nur schwer zu replizieren.
Der norwegische Unternehmer Jon Harald Nordbrekken hat mit nur einem Wertpapier ein beachtliches Vermögen aufgebaut. Wie das schwedische Wirtschaftsportal „Dagens PS“ meldet, erzielte der Investor mit seinen Anteilen am Inkassounternehmen B2 Impact einen Gewinn von nahezu 1,1 Milliarden Kronen – umgerechnet 102,3 Millionen Euro.
- Mit Papieren von B2 Impact kassierte Jon Harald Nordbrekken rund 102 Millionen Euro.
- Der Norweger gründete das Inkassounternehmen 2011 mit.
- Im Jahr 2021 erwarb er zusätzlich neun Millionen Aktien zu einem niedrigen Kurs.
- Bei einem anderen Engagement verbuchte der Investor jedoch erhebliche Verluste.
Der 74-Jährige verfügte über einen wesentlichen Vorteil: Er war kein gewöhnlicher Anleger. Nordbrekken hatte die Firma 2011 mit aus der Taufe gehoben. Nach internen Differenzen über die künftige Ausrichtung legte er 2020 zwar sein Mandat als Verwaltungsratsvorsitzender nieder, behielt jedoch seine Anteile.
Antizyklischer Einstieg beschert Millionen
Als das Marktinteresse im Winter 2021 gering war, baute der Großaktionär seine Position gezielt aus. Seinerzeit kaufte er weitere neun Millionen Aktien zu rund sieben Kronen je Stück – rund 65 Cent – , was einem Gesamtaufwand von 63 Millionen Kronen (5,86 Millionen Euro) entsprach.
Nach den von „Dagens PS“ veröffentlichten Berechnungen hat sich der Wert dieser Tranche bei einem Kurs von 26,2 Kronen nahezu vervierfacht. Die über die Jahre gezahlten Dividenden in Höhe von insgesamt 245 Millionen Kronen (rund 22,8 Millionen Euro) sind darin noch nicht berücksichtigt.
Geringe Verschuldung verschafft strategischen Vorteil
Analysten führen den Unternehmenserfolg vor allem auf eine vorsichtige Bilanzpolitik zurück. Anders als viele Wettbewerber startete der Inkassospezialist mit sehr niedriger Verschuldung in die Phase steigender Zinsen. Dieser finanzielle Spielraum erlaubte es dem Management, im schwierigen Umfeld offensiv zu investieren.
Bis 2028 strebt das Unternehmen deutliche Zuwächse bei Gewinn und Ausschüttungen an; bereits jetzt liegen die Ergebnisse über den ursprünglichen Planwerten.
Für Privatanleger kein leicht kopierbares Erfolgsrezept
Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte wie ein ideales Börsentrade: eine ungeliebte Aktie kaufen, lange halten, am Ende Kasse machen. So simpel ist es jedoch nicht.
Nordbrekken verfügte über einen Informationsvorsprung gegenüber typischen Investoren. Er kannte B2 Impact aus seiner Zeit als Gründer und Verwaltungsratschef und verfolgte Branche wie Strategieentwicklung des Unternehmens über Jahre aus nächster Nähe.
Zudem gewann er nicht jede Wette: Beim Technologieunternehmen Next Biometrics ging Nordbrekken ebenfalls groß ins Risiko. Doch das Unternehmen litt unter hohen Kosten, enttäuschenden Umsätzen und weiteren Schwierigkeiten. Nordbrekken selbst sprach von einer gravierenden Entwicklung und versuchte später, die Firma als Großaktionär neu auszurichten.
In Norwegen kein Einzelfall
Tatsächlich ist Nordbrekkens Coup in Norwegen nicht ungewöhnlich. 2024 verbuchten etwa Investoren wie Erik Must, Kjell Ulrichsen und Øyvin Brøymer jeweils Milliardengewinne – vor allem dank ihrer Beteiligungen am Rüstungskonzern Kongsberg Gruppen.
Der Unterschied zu Nordbrekken: Kongsberg ist deutlich größer und international bekannt. B2 Impact bleibt hingegen ein vergleichsweise unauffälliger Player.