Wegen offener Forderungen stellte China das Aus zentraler Satellitendienste in Aussicht. Nigerias nächste Satellitengeneration stammt nun aus Israel und Frankreich.
Nigerias künftige Kommunikationsinfrastruktur setzt auf Technik aus Israel und Frankreich. Einige Monate nach einem Disput mit einem chinesischen Raumfahrtunternehmen kündigte die nigerianische Regierung an, die Satelliten NigComSat-2A und NigComSat-2B bei Israel Aerospace Industries und Thales Alenia Space bestellen zu wollen.
- Im Mai 2007 hob der nigerianische Satellit Nigcomsat-1 ab, fiel jedoch kurz darauf aufgrund eines schweren Defekts aus.
- 2011 folgte Nigcomsat-1R – wie sein Vorgänger in China gefertigt.
- 2019 ging die Kontrolle über den Satelliten an China über, nachdem ein nigerianisches Kontrollzentrum durch einen Sturm beschädigt worden war.
- Nun plant Nigeria eine neue Satellitengeneration – allerdings nicht mehr „Made in China“.
Streit um 11,4 Millionen Dollar lässt Nigeria auf Abstand zu China gehen
Wie „Business Insider Africa“ berichtet, verhandeln eine Bundesbehörde und das Raumfahrtunternehmen Nigcomsat mit den beiden Herstellern. Bevor die Produktion starten kann, stehen jedoch noch der Vertragsabschluss und die technische Ausplanung an.
Die Ankündigung folgt rund fünf Monate nach einer Warnung der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), von der Nigeria das bestehende Satellitensystem bezogen hatte. CGWIC hatte angedroht, die Unterstützungsdienste für den NigComSat-1R einzustellen – wegen angeblich ausstehender Zahlungen in Höhe von 11,44 Millionen US-Dollar.
Diese Summe soll sich angesammelt haben, nachdem 2019 ein nigerianisches Kontrollzentrum sturmbedingt beschädigt wurde. Eine chinesische Basis übernahm daraufhin Telemetrie, Steuerung und weitere Leistungen – gegen eine jährliche Gebühr.
Nigeria bestreitet die Darstellung der Schulden
Die diversifizierten Beschaffungen bedeuten jedoch nicht das Ende der chinesisch-nigerianischen Satellitenkooperation. Nigcomsat will den chinesischen 1R weiterhin betreiben. Das neue israelisch-französische Programm steht aber für einen Zulieferwechsel bei der nächsten Generation der Weltraum-Infrastruktur.
Dem Vernehmen nach widersprach das nigerianische Unternehmen den im März berichteten Rückständen in Höhe von 11,4 Millionen Dollar. Gleichwohl zeigt der Vorfall die Risiken auf, die entstehen, wenn sich Staaten in Schlüsselbereichen von einzelnen Handelspartnern abhängig machen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat China massiv in Nigeria investiert: Chinesisches Kapital steckt unter anderem in Bahnstrecken und Hafen-Terminals. Der Satellitenfall macht deutlich, dass Peking bereit ist, seine Kontrolle über solche Infrastruktur als Druckmittel einzusetzen. Auch westliche Industriestaaten beginnen in anderen Branchen, sich schrittweise von China zu lösen.
Neue Satelliten sollen kritische Kommunikation absichern
Bis die beiden neuen Satellitentypen verfügbar sind, vergeht noch einige Zeit. 2A ist für 2028 vorgesehen, 2B soll 2029 folgen. „Nigcomsat-2A und Nigcomsat-2B werden unsere nationalen Satellitenkapazitäten stärken, die Konnektivität erweitern und die kritische Kommunikation im ganzen Land absichern“, sagte dazu Jane Nkechi Egerton-Idehen, Managing Director von Nigcomsat.
Die Satelliten sollen darüber hinaus die Sicherheit innerhalb der eigenen Grenzen und in den Nachbarstaaten erhöhen.
Deutschland im neuen Weltraum-Wettlauf
Die Raumfahrtwirtschaft weckt seit Jahren zunehmendes Interesse. Angetrieben vom Wachstum des US-Weltraumkonzerns SpaceX arbeiten Länder weltweit daran, vergleichbare Satellitennetzwerke zu etablieren. Deutschland spielt dabei eine besondere Rolle, vor allem mit starker Softwareexpertise. Es besteht zudem eine Kooperation zwischen Deutschland und Israel Aerospace Industries.
„Euractiv“ berichtete, dass das Land Berlin und IAI in der deutschen Hauptstadt ein Innovationszentrum aufbauen wollen. Dieses soll sich auf Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Sicherheit und Dual-Use-Technologien konzentrieren. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und Boaz Levy von IAI im Juni.