Seit Jahresstart liegt Rheinmetall etwa ein Drittel im Minus. Der jüngste Rebound ist misslungen – fällt der Kurs unter 1.000 Euro, könnte sich die Abwärtsdynamik weiter verstärken.
Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen, insbesondere der Konflikte im Iran und in der Ukraine, gerieten Rüstungsaktien zuletzt spürbar unter Druck. Davon betroffen sind nicht nur die deutschen Titel Hensoldt, Renk und Rheinmetall, sondern auch US-Schwergewichte wie Lockheed Martin und Northrop Grumman, die in den vergangenen Wochen weitere Kursabschläge verzeichneten.
Zum einen beschneiden steigende Anleiherenditen die finanziellen Spielräume – besonders für hochverschuldete Staaten wie die USA. Zum anderen könnte der Markt bereits einen Wahlerfolg der Demokraten bei den Anfang November anstehenden Midterm-Wahlen einpreisen. Mit Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus wäre die demokratische Partei in der Lage, die Trump-Regierung zu strengerer Haushaltsdisziplin und Einsparungen bei den zuletzt kräftig gestiegenen Verteidigungsetats zu drängen.
Rheinmetall: Wachsende Sorgen – jetzt auch wieder aus Chartsicht
Bei Rheinmetall steht zudem die Befürchtung im Raum, dass die Produktion am tatsächlichen Bedarf vorbeiläuft. Die Kriege der jüngeren Vergangenheit haben die Bedeutung unbemannter Systeme deutlich hervorgehoben – die Düsseldorfer fokussieren bislang jedoch vor allem auf konventionelle Technologien.
Binnen eines Monats summiert sich das Minus inzwischen auf über zehn Prozent, seit dem Jahresauftakt sogar auf rund ein Drittel. Das spiegelt sich deutlich im Chart wider, der sich zuletzt merklich eingetrübt hat.
Phasenweise 50 Prozent im Minus – und noch kein Ende in Sicht
Seit der Hochbildung zwischen 1.950 und 2.000 Euro bewegt sich die Rheinmetall-Aktie in einem zähen Abwärtstrend, der auf dem Höhepunkt der Korrektur Ende Juni sogar eine zwischenzeitliche Kurshalbierung brachte. Die nun fast ein Jahr andauernde Konsolidierung steht sowohl für enttäuschte Wachstumshoffnungen als auch für einen zuvor technisch wie fundamental überhitzten Aufwärtstrend.
Im laufenden Jahr pendelte der Titel überwiegend in einem Abwärtskanal von etwa 250 Euro Breite. Dabei wurden die gleitenden Durchschnitte nach unten durchbrochen und der tiefste Stand seit April 2025 markiert – ein ganzes Bündel an Verkaufssignalen.
Zwar bildete sich im Bereich 950 bis 1.000 Euro ein Boden, der im Juli eine merkliche Zwischenerholung einleitete. Doch genau bei rund 1.250 Euro scheiterte diese – der Widerstandscharakter wurde damit untermauert. Inzwischen ist die Aktie wieder unter die 50-Tage-Linie gerutscht, was ein weiteres Verkaufssignal darstellt. Von der 1.000-Euro-Marke trennten Rheinmetall am Dienstag nur rund zwei Prozent.
Erholungsversuch verpufft, weitere Rücksetzer möglich
Denkbar ist, dass Rheinmetall im Bereich 950 bis 1.000 Euro erneut Käufer findet und sich ein Dreifachboden formt. Angesichts der technischen Indikatoren erscheint ein Bruch dieser Unterstützungszone mit neuen Tiefs jedoch derzeit wahrscheinlicher.
Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendindikator MACD bestätigen den jüngsten Abwärtstrend mit eigenen fallenden Tendenzen – ein Hinweis auf die Stabilität der Bewegung. Der RSI signalisiert klare Schwäche, ohne bereits so stark überverkauft zu sein, dass eine Gegenreaktion zwingend wäre. Zugleich liegt der MACD unter Null- und Signallinie, was einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend nahelegt. Die Situation ist entsprechend angespannt.
600 Euro? Im Extremfall jetzt nicht ausgeschlossen
Fällt Rheinmetall auf neue 52-Wochen-Tiefs und löst damit ein weiteres Verkaufssignal aus, liegt die nächste spürbare Unterstützung um 750 Euro. Eine weitere Auffangzone findet sich um 600 Euro. Dieses Extremszenario wäre vor allem bei einer überraschenden Entspannung der geopolitischen Lage denkbar. Angesichts steigender Refinanzierungskosten könnten Verteidigungsetats dann als Erste gekürzt werden.
Auf der Oberseite sind die Perspektiven derzeit überschaubar. Erst mit der Rückeroberung der 50-Tage-Linie rückt ein erneuter Test des Bereichs um 1.250 Euro in den Fokus. Darüber warten mit der 200-Tage-Linie sowie der Zone zwischen 1.450 und 1.500 Euro weitere, hartnäckige Hürden. Eine Long-Wette drängt sich aktuell nicht auf, zumal noch keine bullischen Divergenzen erkennbar sind, die für eine baldige Trendwende sprächen.
Bewertung mit Vorbehalt – Risiken dominieren
Die Rheinmetall-Aktie steckt erneut in einer charttechnisch sehr heiklen Ausgangslage. Der im Juni gestartete Erholungsversuch prallte bei 1.200 bis 1.250 Euro ab, nun gerät wieder die Unterstützung zwischen 950 und 1.000 Euro ins Visier der Verkäuferinnen und Verkäufer. Ein Durchbruch nach unten – angesichts schwacher Indikatoren das wahrscheinlichere Szenario – könnte erhebliches weiteres Abwärtspotenzial freisetzen.
Bewertungstechnisch zeigt sich ein gemischtes Bild. Für 2026 ergibt sich ein KGVe von knapp 30 – im internationalen Vergleich hoch. Gerade Northrop Grumman und Lockheed Martin, die ebenfalls dynamisch wachsen, werden zu Gewinnvielfachen unter 20 gehandelt. Ein derartiges KGV ist bei Rheinmetall erst ab dem Geschäftsjahr 2027 in Reichweite. Dafür muss das Unternehmen jedoch deutlich zulegen. Gelingt das nicht, droht weiteres Abwärtspotenzial – sowohl aus charttechnischer als auch aus fundamentaler Sicht.