Frühzeitiger Immobilienerwerb zahlt sich aus: Aktuelle Zahlen erklären, weshalb die Vermögensschere bei Millennials zunehmend auseinandergeht.
- Die wichtigsten Punkte zur Vermögenslücke bei Immobilien
- Immobilieneigentum als Vermögenshebel für Millennials
- Immobilienpreise und Kaufzeitpunkt prägen den Vermögensaufbau
- Eigenkapital: Die Familie als entscheidender Hebel
- USA: Die Eigentumslücke bei jungen Erwachsenen weitet sich aus
- Wohneigentum rückt für jüngere Generationen zeitlich nach hinten
- Ältere US-Millennials profitieren überproportional vom Immobilienboom
Die einen tilgen bereits ihre erste Eigentumswohnung und profitieren von Preisaufschlägen. Die anderen kommen trotz ordentlicher Einkommen kaum auf das nötige Eigenkapital. Diese Kluft teilt die Millennials – sowohl in den USA als auch in Deutschland.
Neue Zahlen belegen: Wer früh zugreifen konnte oder familiäre Unterstützung bekam, baut Vermögen auf. Wer später startet, bleibt häufig langfristig Mieter.
Die wichtigsten Punkte zur Vermögenslücke bei Immobilien
- In den USA verfügen lediglich 22 Prozent der unter 35-Jährigen über eigenes Wohneigentum.
- In Deutschland hatten 2023 nur sieben Prozent der Haushalte, deren älteste Person unter 35 ist, ein selbstgenutztes Eigenheim.
- Die Eigentumsquote deutscher Haushalte unter 50 Jahren fiel zwischen 2011 und 2021 von 34,5 auf 30,4 Prozent; bei den über 50-Jährigen stieg sie von 52,4 auf 56,6 Prozent.
- Mieterhaushalte wiesen 2023 in Deutschland im Median ein Nettovermögen von 18.300 Euro auf, Eigentümerhaushalte lagen bei 379.900 Euro.
Immobilieneigentum als Vermögenshebel für Millennials
Für zahlreiche junge Menschen in Deutschland ist das Eigenheim weiterhin schwer erreichbar. Besonders sichtbar ist das bei Haushalten unter 35 Jahren: Ihr mittleres Nettovermögen lag 2023 bei nur 17.300 Euro. Rund elf Prozent dieser Haushalte waren sogar netto verschuldet.
Wer hingegen schon eine Wohnung oder ein Haus besitzt, hat einen klaren Vorsprung. Eigentümer zahlen mit jeder Kreditrate nicht nur ihre Schulden zurück, sondern erhöhen zugleich ihr Vermögen.
Steigen die Immobilienwerte, wächst dieses Vermögen zusätzlich. Zwar binden Eigentümer einen großen Teil ihres Geldes in der Immobilie, doch durch die Tilgung baut sich Vermögen automatisch auf.
Mieter bleiben dagegen beweglicher: Sie entscheiden selbst, ob und wo sie sparen. Legen sie die Beträge, die Eigentümer für Zinsen und weitere Kosten aufbringen, erfolgreich etwa in Aktien an, können sie am Ende sogar mehr Vermögen besitzen. Zugleich besteht die Gefahr, dass Geld in den Konsum fließt – und damit weniger Vermögen entsteht als bei Eigentümern.
Immobilienpreise und Kaufzeitpunkt prägen den Vermögensaufbau
Wie weit die Schere inzwischen aufgeht, zeigen Daten der Deutschen Bundesbank. Mieterhaushalte verfügten 2023 in Deutschland im Median über ein Nettovermögen von 18.300 Euro. Eigentümerhaushalte mit laufendem Immobilienkredit lagen bei 379.900 Euro. War die Immobilie bereits abbezahlt, erreichte der Median 450.200 Euro.
Der Kaufzeitpunkt wird damit immer stärker zum Weichensteller für die finanzielle Entwicklung einer ganzen Generation. Ältere Millennials, die vor dem kräftigen Preisanstieg der vergangenen Jahre gekauft haben, profitieren heute häufig von gestiegenen Immobilienwerten. Jüngere Millennials müssen hingegen mit hohen Kaufpreisen, teureren Finanzierungen und strengeren Eigenkapitalanforderungen umgehen.
Eigenkapital: Die Familie als entscheidender Hebel
Auch der Familienhintergrund spielt eine wichtige Rolle. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung haben Kinder aus Eigentümerhaushalten weiterhin deutlich bessere Chancen auf eine eigene Immobilie.
Eltern können Eigenkapital zuschießen, eine Bürgschaft übernehmen oder später Vermögen vererben. Ohne diese Unterstützung muss der Einstieg vollständig aus dem eigenen Einkommen finanziert werden.
Zwar hat sich die rechnerische Erschwinglichkeit von Wohneigentum nach Berechnungen von Interhyp und dem Institut der deutschen Wirtschaft bis April 2025 wieder etwas verbessert. Doch der Nutzen für Käufer unterscheidet sich regional stark.
In einigen ländlichen Kreisen bleibt der Erwerb für Durchschnittsverdiener erreichbar. In München und anderen teuren Großstädten scheitert der Kauf dagegen oft selbst bei guten Einkommen am erforderlichen Eigenkapital.
USA: Die Eigentumslücke bei jungen Erwachsenen weitet sich aus
In den USA zeigt die Untersuchung der Federal Reserve Bank of Minneapolis, wie stark herkömmliche Statistiken die Lage junger Menschen beschönigen können. Während die klassische Eigentumsquote für unter 35-Jährige im Jahr 2024 bei 37 Prozent lag, ergab eine personenbezogene Berechnung nur 22 Prozent.
Die Differenz entsteht vor allem, weil viele junge Erwachsene im Haus ihrer Eltern oder ihres Partners leben, ohne selbst Eigentümer zu sein. Landesweit betrifft das 13,9 Prozent aller Erwachsenen. Neun Prozent wohnen sogar als volljährige Kinder im Eigenheim ihrer Eltern.
Wohneigentum rückt für jüngere Generationen zeitlich nach hinten
Auffällig ist die langfristige Entwicklung. 2006 besaßen noch rund 20 Prozent der 25-Jährigen Wohneigentum. Nach der Finanzkrise fiel dieser Anteil bis 2015 auf zwölf Prozent. Bis 2024 erholte er sich lediglich auf 14 Prozent.
Damit verschiebt sich der Eigentumserwerb weiter nach hinten. Studienautor Erik Hembre warnt zwar davor, die jüngere Generation vorschnell abzuschreiben:
„Die Mehrheit der Menschen wird irgendwann Eigentümer.“
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass dieses „irgendwann“ deutlich später eintritt als früher.
Ältere US-Millennials profitieren überproportional vom Immobilienboom
Zugleich entfernen sich ältere Millennials finanziell von den jüngeren. Nach Angaben der National Association of Realtors sank der Anteil der Erstkäufer am US-Immobilienmarkt 2026 auf 21 Prozent – den niedrigsten erfassten Wert. Ältere Millennials zählen inzwischen zu den einkommensstärksten Käufergruppen und nutzen häufig bereits vorhandenes Eigenkapital für den nächsten Kauf.
Laut den von „Fortune“ ausgewerteten Daten stieg das gesamte Nettovermögen der Millennials zwischen 2019 und Ende 2024 von 3,94 Billionen auf 15,95 Billionen Dollar. Rund 2,5 Billionen Dollar dieses Zuwachses gehen auf höhere Immobilienwerte zurück. Davon profitierten jedoch vor allem jene, die bereits vor dem starken Preisanstieg gekauft hatten.