Mercedes-Benz will seine Ausgaben in Deutschland weiter drücken. Der Konzern kündigt eine Sofortmaßnahme an – und bringt vor, bei gleichem Lohn mehr zu arbeiten.
Der Autobauer Mercedes-Benz zieht den Sparkurs weiter an. Am Freitagvormittag informierte der Vorstand die Belegschaft in Deutschland per Schreiben über entsprechende Pläne. Rund 90.000 der etwa 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten demnach als Sofortmaßnahme die im Juli erwartete tarifliche Sonderzahlung nicht. Diese werde ins kommende Jahr verschoben, heißt es in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben.
Bei der Sonderzahlung handelt es sich um den jährlichen „Transformationsbaustein“. Er beträgt 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts. Laut IG Metall kann diese Zahlung in wirtschaftlich kriselnden Betrieben verschoben oder ausgesetzt werden. Wie viel der Dax-Konzern dadurch zunächst einspart, ließ ein Mercedes-Sprecher auf Nachfrage offen.
Vorstand: „Lage in Deutschland ist dramatisch”
In dem Schreiben nennt der Vorstand der Stuttgarter „drei massive Herausforderungen“. Neben weltweiten Einschränkungen im Freihandel und Schwierigkeiten im China-Geschäft habe der Standort Deutschland stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Deshalb müsse Mercedes gegensteuern. „Der Erfolg unserer Produktoffensive droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen“, heißt es weiter. Trotz aller Bemühungen sei die Situation in Deutschland derzeit dramatisch. Jede Vergabe neuer Produkte und jede zusätzliche Aufgabe für deutsche Standorte verschlechtere die relative Kostenposition.
„Wir werden bei Mercedes-Benz Prozesse konsequent beschleunigen und gewachsene Strukturen verschlanken“, heißt es weiter. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. „Der direkteste und aus unserer Sicht fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen bei gleichem Geld mehr arbeiten“, so der Vorstand. Mit der Arbeitnehmervertretung wolle man in den nächsten Wochen und Monaten beraten, wie die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland gesichert werden kann.
Gesamtbetriebsrat kritisiert Vorstoß zu längeren Arbeitszeiten
Der Gesamtbetriebsrat bezeichnete die Verschiebung der Sonderzahlung als „einseitige Entscheidung des Unternehmens“. Die Ursachen der aktuellen Herausforderungen lägen nicht bei den Beschäftigten, dennoch solle die Belegschaft nun erneut einen erheblichen Teil der Last tragen.
Auch die angestoßene Debatte über längere Arbeitszeiten bei unverändertem Entgelt sieht der Gesamtbetriebsrat kritisch. Gerade vor dem Hintergrund einer teils geringeren Auslastung an deutschen Standorten sei das kein tragfähiges Zukunftskonzept. „Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach“, schrieb der Gesamtbetriebsrat.
Erst vor wenigen Tagen sagte Mercedes-Aufsichtsratschef Martin Brudermüller dem „Handelsblatt“, man solle die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ernsthaft prüfen. In der deutschen Autoindustrie ist bei tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard – auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht.
Gewinne brechen ein – Sparprogramm läuft
Mercedes hat seit Längerem mit Rückschlägen zu kämpfen. Im ersten Quartal dieses Jahres sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. 2025 brach der Gewinn nach einem bereits schwächeren Jahr 2024 von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro fast um die Hälfte ein. Zölle, ungünstige Wechselkurse und der harte Wettbewerb in China hätten die Ergebnisse belastet, hieß es. Auch Absatz und Umsatz waren rückläufig. Die Schwaben reagierten darauf und legten vor etwas mehr als einem Jahr ein Sparprogramm auf.