Milliarden-Investition in neuen Fertigungsstandort
Der Autobauer Mercedes-Benz treibt die Internationalisierung seiner Produktionsnetzwerke weiter voran. Während in Deutschland Kosten gesenkt und über einen Stellenabbau gesprochen wird, fließen mehr als eine Milliarde Euro in das Werk im ungarischen Kecskemét, wo die Fertigung deutlich ausgebaut werden soll.
Laut der ungarischen Investitionsagentur HIPA wird die Werkskapazität perspektivisch auf bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht. Zugleich plant der Konzern rund 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Derzeit sind bereits etwa 5.000 Beschäftigte in Kecskemét tätig.
Vorgestellt wurden die Pläne im Rahmen einer Feier zum 140-jährigen Jubiläum der Marke Mercedes-Benz. Unternehmensvertreter präsentierten gemeinsam mit der ungarischen Regierung die künftige Ausrichtung des Standorts.
Ungarn wird für Mercedes immer wichtiger
Der Ausbau des Werks hebt die wachsende Bedeutung Ungarns in der europäischen Automobilfertigung hervor. Mercedes-Manager Jens Bühler kündigte bei der Veranstaltung an, dass der Standort in den kommenden Jahren weiter an Größe gewinnen werde.
Der Schritt ist Teil einer langfristigen Strategie, die Produktion stärker global zu verteilen. Länder mit geringeren Herstellungskosten und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen rücken für Hersteller zunehmend in den Fokus.
Bei der Vorstellung der Investitionspläne war auch Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán anwesend. Die Regierung in Budapest wirbt seit Langem aktiv um internationale Industriekonzerne und positioniert Ungarn als Produktionsdrehscheibe für Europa.
Mehr Jobs und höhere Produktionsleistung
Mit der Erweiterung wird die Fertigungskapazität deutlich angehoben. Bis zu 300.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen künftig in Kecskemét gefertigt werden.
Die geplanten 3.000 neuen Arbeitsplätze würden die Belegschaft spürbar vergrößern. Damit könnte der Standort langfristig zu einem der tragenden Produktionspfeiler von Mercedes-Benz in Europa aufsteigen.
Schon heute entstehen in dem Werk mehrere Modelle für den Weltmarkt. Mit dem Ausbau will der Konzern die Produktion stärker bündeln und noch effizienter gestalten.
Erstmals Forschung und Entwicklung am Standort
Zusätzlich zur Fertigung plant Mercedes-Benz den Aufbau eines eigenen Forschungs- und Entwicklungszentrums in Ungarn. Dafür sind Investitionen von rund 54,4 Millionen Euro vorgesehen.
Zum Start sollen in der neuen Einrichtung etwa 25 Arbeitsplätze im Bereich F&E entstehen. Damit erhält der Standort erstmals eine eigene Entwicklungsabteilung.
Strategisch ist das für Mercedes bedeutsam: Die Nähe von Entwicklung und Produktion kann Prozesse beschleunigen und Innovationen schneller in die Serie überführen.
A-Klasse wird künftig in Ungarn gefertigt
Im Zuge der Neuordnung werden auch Modellfertigungen verlagert. So soll die Produktion der A-Klasse ab dem zweiten Quartal 2026 vom deutschen Werk Rastatt nach Kecskemét wechseln.
Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung der Produktionslandschaft des Konzerns. Modelle sollen dort gebaut werden, wo Kostenstruktur, Infrastruktur und Kapazitäten am besten zusammenpassen.
Die Verlagerung der A-Klasse gilt als symbolträchtig, da das Modell lange eng mit dem Standort Rastatt verbunden war.
Sparpläne in Deutschland
Während in Ungarn investiert wird, setzt Mercedes-Benz in Deutschland auf striktes Sparen. Bereits 2025 einigte sich der Konzern mit dem Betriebsrat auf Maßnahmen zur Kostensenkung.
Dazu zählen auch Programme zum Stellenabbau. Medien berichteten zuletzt über mögliche Reduktionen von bis zu 20.000 Arbeitsplätzen.
Gleichzeitig wurde für die Belegschaft in den deutschen Werken eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2034 vereinbart. So sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, während die Unternehmensstrukturen angepasst werden.
Der Umbau verdeutlicht den Balanceakt großer Industriekonzerne: Neue Standorte wachsen, während bestehende Strukturen effizienter aufgestellt werden müssen.
Herausforderndes Jahr für den Konzern
Die strategischen Weichenstellungen erfolgen in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld für Mercedes-Benz. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 132,2 Milliarden Euro.
Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug nur noch 5,82 Milliarden Euro und sank damit im Vorjahresvergleich um 57 Prozent.
Bereits 2024 hatte der Konzern einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie groß der Druck auf die Branche derzeit ist.
Weniger Verkäufe weltweit
Auch beim Absatz musste Mercedes-Benz Federn lassen. Weltweit setzte der Konzern rund 2,16 Millionen Pkw und Vans ab, darunter etwa 1,8 Millionen Personenwagen.
Das entspricht einem Minus von rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders stark rückläufig war der Markt in China, einem Schlüsselland für Mercedes-Benz: Dort sank der Absatz von Pkw um 19 Prozent.
Der Einbruch im wichtigsten Einzelmarkt belastet die Ergebnisse deutlich und zwingt den Konzern, seine globale Ausrichtung nachzuschärfen.
Branche im Wandel
Die Entwicklungen bei Mercedes-Benz spiegeln den tiefgreifenden Umbruch der Automobilindustrie wider. Hersteller stehen unter starkem Wettbewerbsdruck, investieren hohe Summen in neue Technologien und optimieren parallel ihre Kostenstrukturen.
Neue Fertigungsstandorte, veränderte Lieferketten und internationale Investitionsinitiativen prägen den Alltag der großen Autokonzerne. Der Ausbau des Werks in Kecskemét verdeutlicht, wie sehr sich die industrielle Landkarte Europas verschiebt.